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Nachricht vom 07.12.2017 - 15:38 Uhr    

Multimedikation - Medikamente im Überblick behalten

Wie viele Medikamente nehmen Sie täglich ein? Mit zunehmendem Alter steigen die Zahl der Einzelerkrankungen und damit meist auch die Zahl der verordneten Medikamente stark an. Dazu kommen häufig noch eine erhebliche Anzahl an Medikamenten und Nahrungsergänzungsmittel die rezeptfrei zusätzlich eingenommen werden.

Foto: Kreisverwaltung

Neuwied. Mehr als 25 Prozent der über 70-Jährigen sind von Multimedikation, das heißt, der gleichzeitigen und dauerhaften Einnahme von fünf (oder mehr) Medikamenten, betroffen. Auch bis zu zehn Prozent der Krankenhauseinweisungen werden schätzungsweise auf die unerwünschten, teils lebensbedrohlichen Wirkungen von Medikamentenkombinationen zurückgeführt.

Dies war Anlass für die Gesundheitsförderung im Kreis Neuwied und den zuständigen Gesundheitsamtsdezernenten der Kreisverwaltung, Achim Hallerbach und die Mitarbeiterin der Gesundheitsförderung, Rita Hoffmann-Roth dieses Thema in den Mittelpunkt einer Gesundheitskonferenz zu stellen und einen Experten zu diesem Thema einzuladen. Dr. Dieter Pöhlau, Chefarzt der Kamillus Klinik Asbach und Facharzt für Neurologie und Geriatrie ist bei seinen Patienten häufig mit unerwünschten Medikamentenwirkungen konfrontiert.

In seinem Vortrag ging er darauf ein, wie es zu einer Multimedikation und einer daraus resultierenden Zunahme unerwünschter Medikamentenwirkungen bei chronisch kranken Patienten kommen kann. Er erinnerte daran, dass kein Medikament „nur gegen die Kopfschmerzen“ oder „für das Herz“ wirkt, sondern immer auch im ganzen Körper. Eine Kombination von Medikamenten erschwert den Überblick über Wirkungen und unerwünschten Nebenwirkung und führt teilweise sogar zu einer weiteren Verordnung von Medikamenten.

Dr. Pöhlau wies beispielhaft auf einige typische unerwünschte Wirkungen von Multimedikation hin, die Herzrhythmusstörungen, Blutungen oder Stürze zu Folge haben können. Durch bestimmte Medikamentenkombinationen können sogar dementielle Symptome verstärkt werden. Besondere Vorsicht ist bei zwei häufig verordneten Medikamentenklassen geboten: Antikoagulantien und Antidiabetika sind für bis zu Dreiviertel der unerwünschten Nebenwirkungen bei Multimedikation verantwortlich.

Dieses sehr komplexe Thema stellte Dr. Pöhlau sehr anschaulich dar und legte den Zuhörern das Motto „Weniger ist oft mehr“ ans Herz. Gemeinsam mit dem behandelnden Arzt sollte von Zeit zu Zeit überprüft werden, ob alle eingenommen Medikamente noch notwendig sind. Ebenso sollte der behandelnde Arzt immer über alle Medikamente informiert werden die man einnimmt. Das bedeutet sowohl die von anderen Ärzten verordneten, als auch die selbst gekauften Präparate, denn nur so kann der behandelnde Arzt mögliche Wechsel- und Nebenwirkungen abschätzen. Auch Apotheker sind gute Ansprechpartner wenn es um die Überprüfung der möglichen Wechselwirkung von Medikamenten geht.

Weitere Informationen speziell für ältere Patienten gibt es in der Broschüre „Medikamente im Alter“ (Bundesministerium für Gesundheit) und auf der gleichnamigen Internetseite.


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