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Nachricht vom 16.02.2017    

Islamischer Kulturverein Fürthen ist tief geschockt

Die Mitglieder des islamisch-türkischen Kulturvereins an der Ulu-Moschee in Fürthen, aber auch viele Freunde und Menschen quer durch den Landkreis Altenkirchen überraschten die Nachrichten von der Durchsuchung durch das BKA, angeordnet durch den Generalbundesanwalt. Bei der Aktion ging es laut Durchsuchungsbefehl um die Wohnung des Imam, nicht um den Verein. Imam Hassan Apkinar hat Deutschland im Dezember 2016 verlassen.

Symbolfoto: CWS

Fürthen. Die Razzia am 15. Februar in der Ulu-Moschee in Fürthen sorgt für Emotionen und auch für Angst und Sorge. Denn die Darstellungen sprechen ja vom islamisch-türkischen Kulturverein der Ditib. Nur: Die Razzia und die Anordnungen bezogen sich auf die Wohnungen von Imamen in Nordrhein-Westfalen und eben auf die Wohnung von dem früheren Imam Hassan Apkinar in Fürthen. Der Imam hat aber schon im Dezember Deutschland verlassen.

Am Morgen waren anwesende Vereinsmitglieder von der Razzia völlig überrascht worden. Niemand traute sich auch annähernd zu protestieren oder gar den Durchsuchungsbefehl infrage zu stellen. Erst als der Medienrummel begann, wurde klar, wir stehen als Verein in der Öffentlichkeit.

Damit sieht auch der Beirat für Integration und Migration im Kreis Altenkirchen die jahrzehntelange Arbeit des Vereins diskreditiert. Mesut Demiray, Vorsitzender des Beirates und selbst seit Jugendtagen im Verein aktiv, schickte dem AK-Kurier eine Stellungnahme, die wir an dieser Stelle veröffentlichen.

"Ich verurteile die Darstellung unserer Gemeinde in den Medien. Die Durchsuchungen hatten keinerlei Zusammenhang mit den Vereinsarbeiten. Wir kennen und loben den Verein für die gute Zusammenarbeit mit den Kommunen in der Region und wünschen allen Ehrenamtlern weiterhin Motivation bei ihrem Engagement. Unsere turnusmäßigen Sitzungen des Integrations- und Migrationsbeirates des Kreises Altenkirchen finden in den Räumlichkeiten der Gemeinde Fürthen statt. Sehr viele Projekte, die uns ein Zusammenleben miteinander erleichtern, wurden erfolgreich durchgeführt, wie etwa Sommerfeste, Fußball-Hallenturniere, Teilnahme an regionalen Jahresmärkten, Projektarbeiten für Flüchtlinge und vieles mehr.

Die Vereine dienen den kulturellen und religiösen Zwecken und distanzieren sich generell von politischen Angelegenheiten. In den 80er Jahren wurde die Gemeinde durch die Gastarbeiter der 1. Generation gegründet und wird heute von den nächsten Generationen fortgeführt. Seither leisten sie gute Integrationsarbeiten, denn Integration bedeutet zusammen feiern und zusammen trauern können. Integration darf nicht einseitig sein!
Das Ziel wird erst erreicht, wenn sich beide Seiten respektieren, annähern und vertrauen."

Mesut Demiray und sein verstorbener Bruder Metin schafften es mit vielen anderen Personen den Kulturverein zu öffnen und ihm Akzeptanz zu verleihen. Heute ist es ganz normal, dass Kindergartengruppen die Moschee besuchen, Schulklassen melden sich an und beim Tag der offenen Moschee ist jeder willkommen. Die guten Kontakte zu den christlichen Kirchen wurden gepflegt, mit Einladungen etwa zum Fastenbrechen. Die Sommerfeste in Fürthen wurden im Laufe der letzten Jahre immer beliebter und die Institutionen wie etwa Polizei und Feuerwehr sowie die örtliche Politik sind da immer vertreten und man schätzt sich und die Vereinsarbeit. In fast 30 Jahren entwickelte sich eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Zu einer Spendenaktion des Kulturvereins kam es im Herbst 2015 mit einem Fest. Die steigenden Zahlen der Flüchtlinge ließen den Verein tätig werden. Der Vorstand des Vereins mit dem Vorsitzenden Aziz Ata begrüßte dazu viele hundert Gäste, die die Gastfreundschaft bei leckeren Speisen und vielen Aktivitäten genossen. Gespendet wurde für die Flüchtlingsarbeit in den Verbandsgemeinden Wissen und Hamm. Das Geschehen in Fürthen um die Ulu Moschee und den Verein ist tragisch. Vor allem für die vielen Leute, die sich da ehrenamtlich engagieren, sowie für die Jugend, die in die Vereinsarbeit hineingewachsen ist.

Die Ditib mit Sitz in Köln ist der Dachverband und in Deutschland werden rund 900 Moschee-Gemeinden betreut. Die Ditib hat klar umrissene Aufgaben, die kann jeder im Netz nachlesen. Sie ist beim Einsatz der Imame gebunden an die Weisungen der staatlichen Behörde Diyanet İşleri Başkanlığı (deutsch: Präsidium für Religionsangelegenheiten) und diese Behörde ist direkt dem Ministerpräsidenten unterstellt. In dieser Behörde werden die Imame ausgebildet, aber auch die Predigten für die Freitagsgebete vorgeschrieben und entsprechend in die Gemeinden geschickt. Die entsendeten Imame werden von der staatlichen Behörde bezahlt. Die Ditib-Gemeinden vor Ort bekommen die Imame zugewiesen, sie müssen den Wohnraum stellen.

Vier Imame waren schon im letzten Jahr ins Visier der Behörden gerückt. Sie sollen angeblich Agenten- und Spitzeltätigkeiten ausgeübt haben. Zum Ergebnis der Maßnahmen gibt es noch keine offiziellen Stellungnahmen.

Dass sich derzeit niemand in Fürthen zu diesen Vorwürfen gegen den früheren Imam äußern will, ist verständlich. Hier sitzt das Geschehene tief und man will die Ergebnisse der Ermittlungen abwarten. Aber klar ist auch: der Fürthener Verein will sich nicht unterkriegen lassen, denn für die mittlerweile vierte Generation ist das Heimat geworden. (hws).



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