Werbung

Nachricht vom 15.02.2015 - 00:11 Uhr    

Das Leben ist (k)ein Tango

Am Valentinstag, Samstag, den 14. Februar, nutzten viele Karnevalsflüchtlinge die besondere Alternative: „Tango a mano“ und Julie Georgis entführten ihr Auditorium im Alten Bahnhof Puderbach in die südamerikanische Metropole Buenos Aires zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Die Gruppe „Tango a mano“ auf der Bühne des Alten Bahnhofs Puderbach. Fotos: Helmi Tischler-Venter

Puderbach. Mit über 80 Tango-Freunden war der Alte Bahnhof ausverkauft. Ein kundiges Publikum ließ sich in der musikalischen Lesung gern entführen auf den südamerikanischen Kontinent und in eine vergangene Zeit, in eine Epoche des Aufbruchs. Millionen Menschen aus aller Welt suchten ihr Glück in der großen Stadt Buenos Aires mit der Folge, dass die Elendsquartiere überquollen und der „Tango Argentino“ entstand. Er spiegelt das Elend, Armut und Gewalt genauso wieder wie die unbändige Lebensgier. Im Stil der alten Orchester spielte das Quartett „Tango a mano“ die authentische Musik aus dieser Zeit: Tangos, Milongas, Walzer und immer wieder Tangos.

Die Musiker, die allesamt im Westerwald beheimatet sind, spielen seit vielen Jahren zusammen: Jutta Thoma am Piano, Walter Siefert am Akkordeon, Reinhard Beseli am Kontrabass sowie Geiger Hartmut Veit. Kongeniale Partnerin des Quartetts ist die Sängerin und Schauspielerin Julie Georgis, die in Theaterprojekten, Lesungen und Literaturarbeit versiert ist.

Im ersten Teil des Konzerts stellten die Künstler den Tango Argentino mit seinen vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten instrumental und mit Gesang vor. Er kann Sehnsucht, Leidenschaft, Trauer, Leid, Verführung, Kraft, Romantik oder Melancholie zum Ausdruck bringen oder Abschied vermitteln wie im Lied „Der letzte Kaffee“. Eine Vorstadtromanze, Romance del Vago, erklang zunächst aufreizend, verklang am Ende leise und besinnlich.

Nach dem kurzen ersten Konzertblock, wurde nach der Pause eine musikalische Lesung einer Geschichte des argentinischen Autors Jorge Luis Borges geboten. Dazu hatte Sängerin Julie Georgis ihr langes Kleid mit roter Federboa gegen ein männliches Outfit mit Sakko, Hut und weißem Schal getauscht, um in die Rolle des Lesers zu schlüpfen: „Ausgerechnet ich soll Ihnen, Herr Borges, etwas über den toten Francisco Real erzählen… Ich habe ihn gekannt… Ich habe nur drei Mal mit ihm zu tun gehabt und die drei Mal waren in derselben Nacht… Aber die Geschichte dieser einmaligen Nacht…Gona Leo, der Schlächter, war zum Kämpfen und zum Töten gekommen…“ Der Erzähler schildert ein Zusammentreffen lokaler „Helden“ in einer Bar.

Nach Lesepassagen setzten die Musiker die Handlung der Geschichte jeweils musikalisch um. Dabei wechselte die Leitmelodie immer wieder von Piano zu Violine, Akkordeon und Kontrabass, die Klangqualitäten der jeweiligen Instrumente an das Geschehen anpassend.

„Der Schnaps. Die Musik. Die Weiber….Der Tango macht mit uns, was er will.“ Ein Fremder bestimmt das Geschehen in der Bar: „Der Mann war wie seine Stimme: ein langer, stämmiger Typ, das Gesicht irgendwie indianisch und eckig.“ Musikalisch wurde das Raue, Bedrohliche des Eindringlings in Stakkato übersetzt. Bei der Beschreibung der Nacht „Die Nacht war schön und klar. So viele Sterne waren am Himmel, dass einem schwindlig werden konnte.“, schwoll die Musik parallel zum Text an, wirbelte und tanzte.

Nach Verführung und Sinnlichkeit endet die Nacht in Gewalt und Tod: „Der Codanero fällt um wie ein Baumstamm…Der Mann liegt vor unseren Füßen und stirbt… Zum Sterben braucht man nur lebendig zu sein.“ Eine klagende Geige und ein gezupfter Kontrabass übertrugen diese Dramatik in musikalische Klänge, mal laut, heftig und dissonant, dann wieder leise, langsam und getragen. Die Musik trug alle Emotionen in das Auditorium, das aufmerksam und akustisch gefangen blieb.

„Als die Gesetzeshüter reinkommen, um sich umzusehen, ist der Tanz wieder voll im Gange.“ Tango Argentino.

Kräftiger Applaus forderte zwei Zugaben ein, bevor die Gruppe „Tango a mano“ nach einem letzten Walzer die Bühne des Alten Bahnhofs Puderbach verlassen durfte. Helmi Tischler-Venter

---
Jetzt Fan der NR-Kurier.de Lokalausgabe Puderbach auf Facebook werden!

Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
       


Kommentare zu: Das Leben ist (k)ein Tango

Es sind leider keine Kommentare vorhanden


Aktuelle Artikel aus der Kultur


Delta Q: A Capella der Extraklasse in Waldbreitbach

Waldbreitbach. Wie gewohnt geht es auch im neuen Winterprogramm von Delta Q wild durcheinander: Schmetternde Engelschöre ...

Beim Neujahrskonzert „Berliner Luft“ atmen

Neuwied. Zahllose Auftrittsmöglichkeiten sorgten für ein riesiges Angebot, gleich ob Operette und Revue, Kabarett oder Komödie. ...

Spielzeug aus der Wirtschaftswunderwelt begeistert

Neuwied. Die Exponate der neuen Ausstellung in der Stadt-Galerie in der ehemaligen Mennonitenkirche werden bei vielen Besuchern ...

Big House ist Bühne für „Wohnzimmerkonzert“

Neuwied. Bevor es im kommenden Jahr mit weiteren interessanten Veranstaltungen weitergehen wird, beendet die Live Lounge ...

Thalia Eintrittskarten als Weihnachtsgeschenk erhältlich

Buchholz. Viele von Ihnen haben schon im Oktober mit Begeisterung die neuen Stücke des Theatervereins Thalia gesehen und ...

Adventskonzert des Musikvereins Ransbach-Baumbach

Ransbach-Baumbach. Ab 14 Uhr bietet der Musikverein den Besuchern Kaffee, Kuchen, Glühwein und andere Getränke an. Konzertbeginn ...

Weitere Artikel


Schwerpunkte zukünftiger SPD-Arbeit festgelegt

Puderbach. Neben der Begleitung der Kommunalpolitik und der Vorbereitung des Landtagswahlkampfes will die SPD Puderbach neue ...

Kurtscheid im Orient

Kurtscheid. Die Prunksitzung mit Büttenreden, Tanzeinlagen, Gesangsvorträgen wurde überwiegend von dorfeigenen Darstellern ...

Scheuerbotzen stehen für Karneval im Puderbacher Land

Steimel. Den Narren wurde ein umfangreiches, einundzwanzig Punkte umfassendes Programm, geboten. Den Auftakt zu einem langen ...

Karnevalszug schlängelte sich durch Oberhonnefeld

Oberhonnefeld-Gierend. Beim Zug in Oberhonnefeld machen auch die Nachbarn immer gerne mit. Aus Ellingen kamen die Möhnen ...

Theater mal anders in der Kulturkuppel

Neuwied. Die vielfach gelesene Lektüre „ Der Kontrabass“ von Patrick Süskind, gespielt als „Ein Mann Stück“ von Hellwig Kamm, ...

VVV Puderbach spendet für Sprachkurse

Puderbach. Jeden Samstagmorgen kommen 12 bis 14 asylsuchende Menschen aus fünf verschiedenen Nationen zum Sprachkurs in die ...

Werbung