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Nachricht vom 10.11.2013 - 19:05 Uhr    

Der Reichspogromnacht gedacht

Die Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wird Reichskristallnacht oder häufiger Reichspogromnacht genannt. In dieser Nacht waren vom nationalsozialistischen Regime organisierte und gelenkte Gewaltmaßnahmen gegen Juden im gesamten Deutschen Reich im Gange.

In Dierdorf fand die Feier an der alten Stadtmauer statt, dort stand einst eine Synagoge. Fotos: Wolfgang Tischler

Kreis Neuwied. Am gestrigen Abend kamen im Kreis Neuwied an vielen Ort Menschen zusammen, um der Reichspogromnacht vor 75 Jahren zu gedenken. Jene Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 war, wie im Kreis Neuwied, in fast allen Städten in Deutschland eine schreckerfüllte Nacht.

Die Synagogen wurden in Brand gesteckt, jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger wurden an Leib und Leben bedroht und in Konzentrationslager verschleppt, ihre Wohnungen und Geschäfte verwüstet und geplündert. In ganz Deutschland gingen weit über 1.000 Synagogen in Flammen auf und zahllose Jüdinnen und Juden wurden inhaftiert oder ermordet.

Es gibt immer wieder auch Diskussionen über die Form der Erinnerung. Jüngst in der Gemeinde Puderbach, wo der Rat die Verlegung von Stolpersteinen ablehnte . „Aber das Wichtige ist, dass wir uns erinnern, besinnen, informieren und dies auch weitergeben, insbesondere an die jungen Generationen“, befand zum Beispiel der Dierdorfer Stadtbürgermeister Thomas Vis bei seiner Gedenkrede in Dierdorf.

Auch heute müssen wir uns noch Fragen, was die Menschen seinerzeit dazu geführt hat, in einem Gotteshaus Feuer zu legen und es abbrennen zu lassen. Häuser von jüdischen Mitbürgern zu plündern und anzustecken. Diese Bauten standen im eigenen Ort, waren über Jahre vertraut. Was haben die Brandstifter von damals sich gedacht? Waren die Menschen in dieser Zeit geblendet, verführt oder durch Propaganda gar in den Wahnsinn getrieben? Diese und ähnliche Fragen werden nie beantwortet werden können. Aber es ist wichtig, diese Fragen auch heute noch zu stellen, damit sich solche Gräueltaten nicht wiederholen.

Eine Frage beschäftigte die Besucher der Gedenkfeiern auch: Parallel gab es an etlichen Orten im Kreisgebiet Martinszüge. Wie verträgt sich dies? Ist es ein Vergessen, ein Verdrängen oder schlicht Gedankenlosigkeit? Eine eindeutige Antwort gab es nicht. Wolfgang Tischler

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