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Nachricht vom 02.04.2013    

Energienetzwerk Rhein-Westerwald soll Bürger mehr beteiligen

Der Umbau des heutigen Energiesystems, das hauptsächlich auf fossiler Energie beruht, in ein nachhaltiges, regeneratives System ist im Landkreis Neuwied möglich. Dies muss mit den Menschen und der Wirtschaft vor Ort organisiert werden. Es ist vor allem eine gesellschaftspolitische Frage und eine Managementaufgabe, die Ressourcen sind vorhanden. Dies ist das Fazit des Kreisklimaschutzkonzeptes, welches im Bürgerhaus Oberraden öffentlich vorgestellt worden war (siehe NR-Kurier-Bericht vom 18. März).

Gesprächspartner beim Energie-Dialog in Oberraden (von links): Michael Mahlert, Vorsitzender der Kreisgruppe des Gemeinde- und Städtebundes Rheinland-Pfalz, Achim Hallerbach, Erster Kreisbeigeordneter, Dr. Ulrich Kleemann, Präsident der SGD Nord, Professor Dr. Peter Heck vom Umweltcampus Birkenfeld, Priska Dreher, Projektbetreuerin bei der Kreisverwaltung Neuwied, Philipp Jung, Geschäftsführer von Quest team, Niedersteinebach, als Moderator des Abends.

Erster Kreisbeigeordneter Achim Hallerbach hatte als zuständiger Dezernent der Kreisverwaltung nach Oberraden zusammen mit Michael Mahlert als Vorsitzender der Kreisgruppe des Gemeinde- und Städtebundes Rheinland-Pfalz öffentlich eingeladen. Er plädierte im Sinne Raiffeisens dafür, die zur Verfügung stehenden Mittel und Ressourcen zu nutzen, um die regionale Energiewende zu organisieren. "Wir können uns dadurch ein Stück unabhängiger machen von Großkonzernen und Risikoländern", so Hallerbach.

Er betont aber auch: "Die Landesregierung ist jetzt gefordert, die Energiewende aktiv zu gestalten, Zerwürfnisse in den Regionen zu verhindern und den Bürgern und Kommunen Orientierung zu geben." Hallerbach plädiert für eine neue Akzeptanzstrategie. Bürger müssen mit ihren individuellen Sympathien für die Energiewende und den Naturschutz in die Planung und die Umsetzung eingebunden werden.

"Die ablehnende Haltung der Naturschutzverbände, die ich vielfach nachvollziehen kann, beruht auf der Sorge, dass ein substantieller Schutz von Natur und Landschaft bisher fehlt. Diesen Interessensausgleich gilt es nun zu organisieren", ergänzt der Kreisbeigeordnete Achim Hallerbach.

Diesen Ball nahm Bürgermeister Michael Mahlert auf. Er hält den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürger für entscheidend und praktiziert dies mit einem hohen zeitlichen Aufwand im Moment in der Verbandsgemeinde Bad Hönningen. Seine Erfahrungen zeigten, dass sich vieles im direkten Gespräch klären und erklären lässt.

Dr. Ulrich Kleemann, Präsident der SGD Nord, skizzierte die Eckpfeiler der rheinland-pfälzischen Energiewende. Er stellte fest, dass Rheinland-Pfalz beim Ausbau der erneuerbaren Energien, der Energieberatung und der Netze im bundesdeutschen Ländervergleich gut im Rennen liege. "Im Vergleich der südlichen Bundesländer sind wir die Nummer 1. Auch bei der Akzeptanz der erneuerbaren Energie ist Rheinland-Pfalz bundesweit vorne. 73 Prozent der Rheinland-Pfälzer befürworten den Ausbau der Windkraft auch in direkter Nachbarschaft", so Kleemann.

Er betonte auch: "Die Kosten der Energiewende sind eine wichtige Frage für deren Akzeptanz. Die Energiewende wirkt sich bereits heute preisdämpfend aus. Dieser Effekt wird sich mit dem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien noch verstärken und zu einem zunehmenden Preisvorteil für Unternehmen im internationalen Wettbewerb führen und damit unseren Wirtschaftsstandort stabilisieren."

Über 130 interessierte Bürgerinnen und Bürger informierten sich über die Ergebnisse des Klimaschutzkonzeptes. Professor Dr. Peter Heck vom Umweltcampus Birkenfeld stellte die Grundzüge des Konzeptes vor. Dass es einer Energiewende bedarf, um die globalen ökologischen Auswirkungen beherrschbar zu halten, stellte er seinem Vortrag voraus. Dürreperioden, Versteppung von vormals fruchtbaren Ackerland, großflächige Havarien bei der Erdöl- und Erdgasförderungen mit verheerenden Umweltfolgen, die derzeit für unser Land undenkbar seien, seien die Folgen auch des weltweiten Energiehungers.

Er legte den Schwerpunkt auf den Wärmeverbrauch. "Wir haben weniger ein Strom- sondern ein Wärmeproblem. Unsere privaten Haushalte werden wegen der Heizungskosten in Zukunft Schwierigkeiten bekommen. Wir brauchen den Schulterschluss mit unseren Handwerkern, um hier massive Anstrengungen unternehmen zu können." Dabei könne ein großes Potenzial regionaler Wertschöpfung entwickelt werden. Und genau hier greife, so Heck, das Prinzip Friedrich-Wilhelm Raiffeisens: "Das Geld des Dorfes dem Dorfe."

Insgesamt ist es nach Hecks Aussagen möglich, den Energieverbrauch um 47 Prozent bis zum Jahr 2050 zu reduzieren. In den Ortsgemeinden des Kreises wurden in dem Konzept 26 kommunale Nahwärmenetze identifiziert. Diese Netze könnten mit heimischen Hölzern Kernbereiche mit hohem Energieverbrauch mit Wärme versorgen. Biomasse, solare Wärme, Geothermie und Überschussstrom werden den Wärmebedarf nach den erarbeiteten Szenarien weitestgehend decken können. Windkraft und die Sonnenenergie bieten genügend Potenzial, um in Zukunft die Region mit Strom zu versorgen.

Um eine kontinuierliche Beteiligung aller gesellschaftlich relevanten Gruppen zu ermöglichen, möchte die Kreisverwaltung einen Verein "Energienetzwerk Rhein-Westerwald" aufbauen, ein Netzwerk um die regionale Energiewende in breiter Weise aus der Gesellschaft heraus zu unterstützen. "Die Energiewende muss von unten aufgebaut und getragen werden, deshalb brauchen wir einen breiten gesellschaftlichen Konsens durch direkte Einbindung der Bürgerschaft", zog Achim Hallerbach ein Fazit.

Das Klimaschutzkonzept ist auf der Homepage der Kreisverwaltung Neuwied eingestellt: www.kreis-neuwied.de.


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