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Politik
Leserbrief zur Causa Mang
Nun ist es also soweit. Am 20.August soll der SPD Bürgermeister Michael Mang abgewählt werden. Dies hat sich schon längere Zeit angedeutet, ist aber in Deutschland, so wie es sich abzeichnet, ein einmaliger Vorgang. Nicht nur der politische Gegner allein, sondern vor allem die eigenen Genossen in der SPD Stadtratsfraktion, haben sich an die Spitze der Abwahlinitiative gesetzt und das obwohl rechtlich noch alles ungeklärt ist.
Neuwied. Unschuldsvermutung: Fehlanzeige. Dass es so ablaufen soll, hat die Fraktion selbstherrlich entschieden. Die Partei, die eigentlich die Fraktion trägt, wurde an der Meinungsbildung nicht beteiligt, sie wurde nur nachträglich informiert. Fraktionsmitglieder, die eine andere Meinung vertreten, wurden aus fadenscheinigen Gründen aus der Fraktion ausgeschlossen, telefonisch im Urlaub, ohne Anhörung, einfach stillos. Dass es sich dabei um verdiente Genossen handelt, die sogar Ehrenvorsitzende eines Ortsvereines sind, war unbedeutend. Fazit: Mit dem Kopf durch die Wand; wir werden die SPD schon kleinkriegen; Parteiaustritte gibt es schon genug. Verantwortlich für dieses einmalige Handeln ist vor allem der Vorsitzende, eine Person, die gerne Solidarität einfordert, sie selbst aber nicht gibt. Wahrscheinlich hat er vergessen, dass er bei der kommenden Landtagswahl sehr wohl auf die Solidarität der Genossen angewiesen ist.

Und dabei hat er nichts vorzuweisen. Die SPD ist seit der Kommunalwahl 2019 in der Opposition, aber wie wird diese Opposition gelebt?? Der politische Gegner wurde bislang geschont, ja sogar unterstützt, streitige Debatten: Fehlanzeige. Oberbürgermeister Einig (CDU) genießt noch immer Welpenschutz; Stefan Herschbach (CDU), der große Strippenzieher im Hintergrund fegt kritiklos alles hinweg, was keine CDU-Gene besitzt und Martin Hahn (CDU) hat den Fraktionsvorsitz in der SPD in Personalunion längst mit übernommen. Jetzt muss Mang gehen, damit der nächste „CDU-Treue“ installiert werden kann und die SPD macht dabei mit.

Die SPD hatte in der vergangenen Zeit wirklich großartige Fraktionsvorsitzende. Denken wir dabei nur an Personen wie Robert Collet, Manfred Scherrer und viele andere, wobei der Unterzeichner mit 23 Jahren sogar noch die längste „Amtszeit“ aufzuweisen hat. Da gab es eine Linie und man hat vor allen Dingen zu seinen Leuten gestanden ohne wenn und aber.

Und jetzt?? Nichts davon ist übrig geblieben.
Der jetzige Vorsitzende sollte wirklich einmal darüber nachdenken, ob er noch die richtige Person auf der richtigen Position ist. Von den Grundwerten der SPD hat er sich jedenfalls weit entfernt. Man muss Angst vor den nächsten Wahlen in Neuwied und dem Abschneiden der SPD haben.

Die Aufarbeitung der Causa „Mang“ ist in der SPD noch lange nicht beendet, auch nicht nach dem 20.08.2020. Zu groß ist der Unmut parteiintern. Da helfen auch keine Rauswürfe.

Sigurd Remy, SPD Mitglied seit über 50 Jahren
Karl-Heinz Esch, SPD Mitglied seit über 50 Jahren
Nachricht vom 15.08.2020 www.nr-kurier.de