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Nicole nörgelt… über ihre verpasste Rockstarkarriere
Wissen Sie noch, was Sie als Kind mal werden wollten? Astronaut vielleicht oder Rennfahrer? Bei mir war es auch ein Klassiker: Von wegen Prinzessin oder Pferdegestüt-Besitzerin, ich wollte Rockstar werden!
Mit der Rockstarkarriere hat es nicht geklappt. Foto: Wolfgang TischlerDierdorf. Ich weiß heute noch, wie ich mir die alte Lederjacke meines Vaters bei jeder Gelegenheit aus dem Schrank stibitzte und in meine Haarbürste singend wild auf dem Sofa herumhüpfte. Ein Foto davon ist mir neulich in die Hände gefallen und ja, da sind die Erinnerungen ein bisschen mit mir durchgegangen.

Was war ich so cool als Sechsjährige! Die pinken Haarsträhnen meiner Frisierpuppe ins Haar geklipst, Mamas Lippenstift über das halbe Kinn verteilt, barfuß unten und im schwarzen Leder oben mit weit aufgerissenem Mund und hochgerecktem Arm auf dem Sofa… herrlich! Heute bin ich zwar erwachsen und meine berufliche Laufbahn hat mich leider nicht auf die Stadienbühnen geführt, aber ein bisschen Tagträumen wird man ja wohl noch dürfen, oder?

Sie können sich meine innere Aufregung vorstellen, als ich nach ein bisschen Suchen tatsächlich noch die alte Lederjacke im Schrank gefunden habe. Quiekend vor Freude rannte ich mit dem heißen Teil zu meinem Schrank, durchwühlte meine Kleidung nach Klamotten so schwarz wie Marilyn Mansons Seele und verbrachte eine halbe Stunde damit, mich zu schminken und mir das Haar wild aufzutoupieren.

Und dann nichts wie stehend auf die Couch gesprungen, die Rockstar-Playlist angeschmissen, Bässe und Lautstärke rauf, und in die Haarbüste geschmettert, was das Zeug hält! Hach, ich konnte sie richtig spüren, die kreischenden Fans, das donnernde Schlagzeug und die plärrenden Gitarren, und mittendrin ich voll in meinem Element. Die Nachbarn haben es auch gespürt, da bin ich sicher, schließlich stand die ganze Zeit das Fenster offen.

Und dann, mitten in meiner Performance, als ich gerade wild wie Jon Bon Jovi die Hüften schwingend durch mein Wohnzimmer rockte, klingelt es an der Tür. Klar habe ich noch lauter geschrien, diesmal vor Schreck. Ganz kurz habe ich überlegt, ob ich mich einfach totstellen und so tun soll, als wäre ich nicht da. Aber das wäre nach dem Radau, den ich grade veranstaltet hatte, wohl nur bedingt glaubwürdig gewesen.

Schnell drückte ich den Pausenknopf, strich mir die Haare notdürftig glatt und schlich an die Tür. Draußen stand der Paketbote und schaute mich mit einer Mischung aus Belustigung und blankem Entsetzen an. Und auf der anderen Straßenseite hatten sich mindestens ein halbes Dutzend Damen aus meiner Straße versammelt, die mich anstarrten wie ein Alien. Kurzes Schweigen. Grillenzirpen. Leises Husten meinerseits. „Denken Sie sich nichts“, erklärte ich dem Paketboten. „Das ist mein Fanclub, die stehen immer da! Aber nur Sie kriegen ein Autogramm!“ Und damit setzte ich souverän meine Unterschrift auf seinen Scanner, schenkte ihm ein freches Zwinkern und schloss mit meinem Paket unterm Arm die Tür.

Tja. Jetzt haben die Nachbarn eben einen weiteren Punkt, den sie auf ihre „Die Tussi nebenan spinnt total!“-Liste schreiben können. Was soll’s? Das ist eben Rock’n’Roll!

In diesem Sinne – Bleiben Sie gesund!
Ihre Nicole


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Nachricht vom 25.07.2020 www.nr-kurier.de