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Klara trotzt Corona, dritter Teil
Die Limburger Pfarrhausermittler lassen sich auch am Freitag, 27. März nicht unterkriegen. Die Autoren der Limburg-Krimis um die schrullige Haushälterin und ihren gutmütigen Chef, möchten damit Ihnenetwas Trost, Unterhaltung und hin und wieder vielleicht sogar ein Lächeln schenken, wenn Sie sehen, wie Klara und van Kerkhof ihren Alltag bewältigen.
Symbolfoto Helmi Tischler-VenterKölbingen. Als Klara ins Wohnzimmer kam, sah Pfarrer van Kerkhof gleich, dass etwas nicht stimmte. Sie wirkte völlig aufgelöst und es sah aus, als hätte sie geweint.

„Geht es Ihnen nicht gut, meine Liebe?“, fragte er deshalb und stützte sich in seinem Schaukelstuhl auf. Klara ließ sich schwer auf das alte Sofa sinken. Wortlos kramte sie einen Zettel aus ihrer Kittelschürze hervor. „Hier, den hat mir Siggi eben nach dem Einkauf gegeben. Hat er für uns ausgedruckt.“ Sie wirkte noch immer ganz benommen.

„Und was steht auf dem Zettel?“, wollte der Pfarrer nun ungeduldig wissen. „Moment, ich lese es Ihnen vor.“ Klara faltete das Blatt auseinander, schob ihre Brille zurecht und begann zu lesen: „'Italien: Priester spendet sein Beatmungsgerät und verstirbt'.“

Der Pfarrer riss die Augen auf: „Was? Davon habe ich noch nichts gehört!“ „Sie müssen halt auch mal in den Computer gucken, Herr Pfarrer.“ Dann las Klara auch schon weiter: „'Das Drama, das mit der Verbreitung des Coronavirus einhergeht, hat ein neues Gesicht. In der besonders betroffenen italienischen Region um Bergamo hat ein erkrankter Priester auf sein Beatmungsgerät verzichtet, um einen jüngeren Patienten zu retten. Der 72-jährige Priester ist daraufhin verstorben.'“ Klara stockte und schnäuzte in ihr Taschentuch. „Der arme Mann“, schluchzte sie, „der war noch so jung. Noch jünger als ich.“

Der Pfarrer schüttelte unterdessen den Kopf: „Was sind das nur für Zeiten!“, sagte er und wieder: „Was sind das für Zeiten!“

Klara hatte sich wieder etwas gefasst: „Da steht, dass seine Gemeinde mit Spenden ein dringend nötiges Beatmungsgerät für ihn erworben hat. Und dann gibt er es weg und rettet einem anderen das Leben.“

„Ein wahrer Held“, sinnierte van Kerkhof leise. „Das können Sie laut sagen.“ „Einer wie Pater Henkes.“ „Stimmt, Herr Pfarrer. Der ist in Dachau in die Typhusbaracke gegangen und hat sich geopfert.“ Klara war schon wieder ganz ergriffen. „Dass die heutige Zeit wieder solche Helden hervorbringen muss, wer hätte das gedacht?“ Van Kerkhof war nun selbst den Tränen nahe.

„Hoffentlich ist das bald zu Ende“, sagte Klara nachdenklich. „Es kann doch nicht sein, dass sich im Jahr 2020 ein Mensch für einen anderen opfern muss!“

„Da haben Sie Recht, liebe Klara. Hoffentlich ist das bald zu Ende. Aber wir schaffen das, da bin ich fest überzeugt. Der liebe Gott lässt uns nicht im Stich.“ „Nun, Sie müssen das ja besser wissen. Sie haben ja angeblich einen besseren Draht zu ihm.“ Klara hatte fast schon wieder zu ihrem alten Tonfall gefunden. „Ich gebe mir jedenfalls Mühe, diesen Draht zu nutzen, meine Liebe. Aber Ihre Gebete werden ebenso erhört wie meine. Vor dem lieben Gott sind wir alle gleich.“

Er schwieg einen Augenblick, ihm schien ein Gedanke gekommen zu sein. „Sagen Sie, liebe Klara, ist das auch wahr, was Sie mir da vorgelesen haben? Im Internet wird ja viel geschrieben.“

„Natürlich ist das wahr. Das hat der Papst selber geschrieben.“ „Der Papst?“ „Ja natürlich“, Klara nickte heftig. „Das steht in den Vatikan-Nefs.“ „Sie meinen Vatican-News, meine Liebe.“ „Von mir aus auch so, Sie brauchen sich gar nicht mit Ihrem Englisch großzutun!“ „Das tue ich doch auch gar nicht. Aber so wird es nun mal ausgesprochen. Jedenfalls entspricht es der Wahrheit, wenn es dort steht. Ob der Papst es allerdings selbst geschrieben hat, da habe ich meine Zweifel.“ „Wieso das? Der ist doch auch jetzt eingeschlossen und hat im Moment viel Zeit für so etwas. Was glauben Sie, wie langweilig dem ist?“

Der Pfarrer lächelte nur und lenkte wieder auf das eigentliche Thema, „Er muss ein besonderer Mensch gewesen sein, dieser italienische Priester. Lassen Sie uns im Gedenken an ihn in dieses Wochenende gehen. So lange es noch solche Menschen gibt, so lange wird die Welt nicht untergehen!“

„Das wäre ein Satz für die Predigt gewesen, Herr Pfarrer.“ „Nur leider darf ich keine halten“, antwortete van Kerkhof traurig. „Aber auch das wird wiederkommen!“, versuchte nun Klara ihn aufzumuntern. „Sie haben Recht, meine Gute. Und dann werde ich auch nie mehr mit Ihnen schimpfen, wenn Sie in meinem Predigttext herumkritzeln.“

„Versprochen, Herr Pfarrer?“ „Versprochen“, erwiderte van Kerkhof, und er hatte schon wieder ein Lächeln im Gesicht.

Klara Schrupp und Pfarrer Willem van Kerkhof wünschen Ihnen ein schönes Wochenende und melden sich am Montag wieder. Bis dahin alles Gute! Ihre Pfarrhausermittler (Christiane Fuckert und Christoph Kloft).
Nachricht vom 27.03.2020 www.nr-kurier.de