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Kultur
„Wer versteht hier Bahnhof?“ im Martin-Butzer-Gymnasium Dierdorf
Alle Besucher verstanden Bahnhof und sahen ihn die ganze Zeit während der Premiere der Komödie in 15 Stationen von Thorsten Böhner, die sich die Theater-AG in diesem Jahr ausgesucht hatte. Auf die Bühne hatten die Bühnenbauer die Ungemütlichkeit einer Wartehalle mit Holzbank gezaubert. Darüber hing eine digitale Anzeigetafel.
Fotos: Wolfgang TischlerDierdorf. Diese zeigte im bahnlosen Dierdorf Wunschdestinationen an: Dernbach-Urbach-Linkenbach-Straßenhaus. Und sie drohte mit einer Streikankündigung der MBG Theater-AG. Zum Glück fiel der Streik aus, sonst wären dem Publikum vergnügliche Szenen entgangen.

Der Bahnhof sieht lachende und weinende Menschen aus allen Berufen und Schichten. Und er ist Heimat für vier Personen: Putzfrau und Stadtstreicher, die von den Passagieren als unterste Klasse behandelt werden, Bordsteinschwalbe Nancy, die sich nötigenfalls Respekt verschafft und Irina, eine alleinerziehende Mutter, die sich nicht aus der Bahn werfen lässt und mit Humor am Schalter neben der Bahnhofshalle Karten und Zeitschriften verkauft und mit hartem Akzent Durchsagen macht. Janina Beyer meistert diese vielseitige Rolle bravourös.

Zu Anfang ruft Irina über ihren Lautsprecher alle Darsteller zum Zustieg. Diese kommen während des gesamten Stücks von hinten durch die Besucherreihen, während typische Bahnhofsgeräusche An- und Abfahrten von Zügen vermitteln. Mit dem Handy telefonierend kommen eine Intrigen spinnende Politikerin (Kristina Troß) und eine windige Geschäftsfrau (Hannah Scholz) in die Halle.

Erich (Juliane Eisen) im rosa Schweinchenkostüm feiert mit seinen Freunden Bastian (Jolina Händler) und Pit (Paula Strüder) Junggesellenabschied, der so heftig verläuft, dass Erich einen Filmriss hat und eine Stunde nach dem verpassten Trautermin große Reue verspürt. Snobs (Philine Herder und Michelle Kulig) frönen ihrem oberflächlichen Leben ebenso wie Irinas Snobkinder (Ava Phung, Lina Marker, Mia Jüttner und Milena Handschuh), denen ein größerer Fernsehbildschirm wichtiger ist als Mutters Sorge.

Frauenschwarm Philipp alias Daria Rychecky bringt wechselnde Frauen zum Zug. Eine Schauspielerin in Musketier-Kostüm deklamiert hoffnungsvoll den Hamlet-Monolog und der unerfahrene Raimund (in beiden Rollen die wandelbare Johanna Himmighofen) wird von Nancy in die Geheimnisse der Liebe eingeweiht. Die Rolle der lebenstüchtigen Prostituierten wird überzeugend von Marilen Zilian verkörpert. Weniger begeistert von männlicher Körperhaftigkeit zeigt sich eine hilfsbereite Zeugin Jehovas (Julia Wagner).

Immer wieder kommen Franka im Hochzeitskleid (Romina Dasbach) und ihre Mutter (Mareike Troß) auf ihrer verzweifelten Suche nach dem verschwundenen Bräutigam vorbei. Die Putzfrau (Sarah Oudinache) versucht zu helfen. Im Gespräch mit der unglücklichen Braut zeigt der Obdachlose Verletzlichkeit und Lebensweisheit. In dieser Rolle brilliert Jakob Güttler. Als die sitzengelassene Braut ihren gesuchten Bräutigam mit einer anderen Frau findet, entspinnt sich ein kabarettistischer Dialog zu Lasten des Gigolo.

In weiteren Rollen treten Alina Korell, Sarah Oudinache und Jule Schönfeld auf, etliche Darsteller/innen spielen sogar Doppelrollen. Manche entdecken unerwartete Verbindungen. Außerdem gibt es überraschende Entwicklungen.

Sonja Horovitz arbeitet als Souffleuse. Für Bühnenbau, Licht und Ton sind Johannes Peter, Justin Urban, Niklas Hoffmann, Justus Bendel, Tizian Bendel, Jonathan Alof und Phil Meyer zuständig. Die Farbgestaltung liegt in der Zuständigkeit von Hannah Scholz und Alina Korell und das Plakat gestaltete Klaus Hagemann.

Schulleiter Dr. Winkler verabschiedete nach der Premiere am Freitagabend die sechs Schülerinnen aus der MSS 13 mit einem Geschenk und belohnte die für dieses Stück so wichtigen Techniker. Ein Präsent erhielt auch Regisseur Wolf-Achim Hassel. Dieser freute sich über das „zahlreiche Erscheinen trotz Corona“ und wies auf die weiteren Aufführungen am Samstag und Sonntag, jeweils um 17.30 Uhr im Martin-Butzer Saal, hin. htv
       
       
       
       
     
Nachricht vom 05.03.2020 www.nr-kurier.de