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Kultur
Dauerlachen mit Emmi & Willnowsky in Waldbreitbach
Geschäftsführer Hajo Reuschenbach entschuldigte sich am Sonntagabend dafür, dass die Veranstaltung im Hotel zur Post trotz des Zweiten Advents gar nicht besinnlich würde, aber genau deswegen war die Kabarettveranstaltung ausverkauft, denn wer vor zwei Jahren das skurrile Duo Emmi & Willnowsky bereits erlebt hatte, wollte es unbedingt wiedersehen.
Emmi & Willnowsky sorgten für Bauchschmerzen und Tränen in Waldbreitbach. Fotos: Wolfgang TischlerWaldbreitbach. Dass ihre Ehe ein Todesurteil ist, das jahrelang vollstreckt wird, bewiesen die schick gewandete Emmi und „der Zweibeiner an meiner Seite“ Lachmuskeln strapazierend.

„Herr Willnowsky ist auf der Evolutionskarte der Vierte von Links“, lästerte sie und er konterte: „Emmi wollte mir letztens einen sexy Blick zuwerfen, ich habe sofort den Notruf gewählt: Verdacht auf Schlaganfall!“ In diesem Stil warfen die sich die beiden Komiker lustvoll Gemeinheiten an die Köpfe und unter die Gürtellinien, wobei Emmis Gürtellinie mangels Taille immer mehr nach oben rutscht. Aber: „Ich bin nicht dick, ich bin nur sehr gut zu sehen.“ Dafür trägt Herr Willnowsky inzwischen Brille wegen seiner südamerikanischen Augenkrankheit: „Ich schiele.“

Das skurrile Wort-Pingpong peinlicher Beleidigungen und frivoler Bekenntnisse, verbunden mit Willnowskys obszönen Bewegungen, machte das Publikum atemlos vor Lachen. Manche Gags funktionierten wunderbar auf Kosten von Zuschauern, mit denen die Künstler kommunizierten. Emmi flirtete ungeniert mit dem 22-jährigen Marius, der genau in ihr Beuteschema passte. Willnowsky seinerseits verlas eine äußerst peinliche furzintensive „Heimatgeschichte“ mit den Protagonisten Michael und Petra aus der ersten Reihe.

Im Dauer-Ehekrieg sind sich die Partner einig: „Wir denken fast nie an Scheidung, aber fast jeden Tag an Mord!“ Ursachen konnten viele ausgemacht werden, zum Beispiel der Abgaswert von Bohnen, der weggegrillte Führerschein, Fahrrad fahren mit Jägermeister, der Hamsterfellmantel oder der Krach beim Orgasmus. Das mündete bei Emmi in Arien: „Warum musste es grad der sein?“, bei Willnowsky in Situationskomik: „Sogar der Kopfschmuck will dich verlassen!“ Der Pianist begleitete Emmi am hohen Klavier, sodass die Sängerin stehen oder um die Klavierecke schauen musste, um den Partner zu sehen, zum Beispiel bei „Fasten Seatbelts“, dem Erfahrungskonglomerat vom Fliegen mit dem Fazit: „Ich gründe Emmi-Airlines - das ganz neue Fliegen“. - „Du bist die Hindenburg-Katastrophe!“

Im „kulturellen Teil“ wurden die schönsten Werke der Weltbühnen in fünf Minuten gekonnt vorgetragen und das Lied „Karneval im Altersheim“ resultierte aus einer Tournee durch Alten- und Pflegeheime. Ein Chanson von Chopin, von Emmi gefühlvoll vorgetragen, wurde von Valentin Willnowsky ständig als „scheißlangweilige Nummer“ zerhackt.

Gern zitierte Willnowsky Lebensweisheiten seines russischen Großvaters, aber er litt immer wieder unter dem Problem, dass seine Zunge die gedachten Wörter verdrehte, was bei Emmi zu frauentypischer plötzlicher Aggression führte. Sie rächte sich, indem sie sich doppeldeutig „ab heute als Fußballkönigin“ betätigt.

Ehetherapeutische Beratung und Harmonie-Scheiße lehnen beide unisono ab und die alte unharmonische Fassung des Songs „Rücksicht, Nachsicht, Vorsicht!“ finden sie sowieso viel schöner. Zum Finale gab es ein Potpourri zu Recht vergessener Lieder des Wettbewerbs Chanson de l'Eurovision.

Da die Zuschauer von Emmi & Willnowsky immer noch nicht genug gehört hatten, sang das Komiker-Duo, bestehend aus Christian Willner und Christoph Dompke gemeinsam mit dem Publikum „Halleluja“ und versprach: „Wir bleiben zusammen - und das ist jetzt eure Schuld!“ Und als weitere Zugabe boten sie ein kleines frivoles Betthupferl, bevor Emmi & Willnowsky von Standing Ovations begleitet, die Bühne verließen. htv
       
       
Nachricht vom 08.12.2019 www.nr-kurier.de