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Digitaler Marktplatz Westerwald als Chance für den Einzelhandel
Der Marktplatz Westerwald e.V., in dem acht Werbegemeinschaften zusammengeschlossen sind, hat eine Machbarkeitsstudie für einen digitalen Marktplatz entwickelt. Es soll eine gemeinsame digitale Handelsplattform für die Landkreise Altenkirchen, Neuwied und Westerwald entstehen. Derzeit gehen rund 450 Millionen Euro Kaufkraft pro Jahr in den drei Landkreisen in den digitalen Handel. Nach der Idee der Konzeptionisten soll der Einzelhandel im Westerwald davon einiges abbekommen.
Digitaler Marktplatz ein Konzept mit Zukunft. Montabaur. In einer Pressekonferenz stellten der Vorstandssprecher des Marktplatzes Andreas Giehl und Wendelin Abresch von der beauftragten Agentur das Konzept vor und wie dessen Umsetzung in 2020 vonstattengehen soll. Bis dahin gilt es noch etliche Hürden zu überwinden. Mit 50 Einzelhändlern soll der digitale Marktplatz an den Start gehen. Ziel ist es, mit Hilfe des neuen Vertriebskanals die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und einen Beitrag zur Existenzsicherung zu leisten. Die Zahl der Onlinekäufer wächst stetig, besonders stark bei der Altersgruppe 60 plus. Es gilt, nicht noch weitere Marktanteile an die bestehenden überregionalen Plattformen zu verlieren, sondern Anteile wieder in den regionalen Markt zu holen.

Seit 2012 gibt es in Deutschland solche Konzeptionen mit unterschiedlichen Erfolgen. Die Nahversorgung in unseren Dörfern ist in den letzten zehn Jahren kontinuierlich gesunken und lässt sich auch nicht mehr auf herkömmliche Weise drehen. Ein digitaler Marktplatz könnte die Situation jedoch nachhaltig verbessern, davon sind Giehl und Abresch überzeugt. Denn der digitale Marktplatz wäre in der Lage, am gleichen Tag mit eigener Logistik zu liefern. Digitale Dorfläden könnten entstehen.

Dem einzelnen Händler ist es nur mit großem finanziellem und organisatorischem Aufwand möglich einen eigenen Onlinevertrieb zu errichten. Der digitale Marktplatz würde die komplette Plattform zur Verfügung stellen und den Lieferservice betreiben. Auf den Händler kommen keine zusätzlichen Arbeitsschritte zu. Details werden derzeit den einzelnen Gewerbevereinen und deren Mitglieder vorgestellt. Neben dem Handel kann die Plattform auch von Dienstleistern, Gastronomie und Handwerkern genutzt werden. Zusätzlich könnte es Unterstützung bei der Jobsuche von Mitarbeitern geben. Hier werden die bereits regional existierenden Jobbörsen, wie die bei unseren Kurier-Ausgaben, mit eingebunden.

Für die ersten fünf Jahre wurde ein Businessplan erstellt. Die Anschubfinanzierung wird öffentlich gefördert. Entsprechende Anträge laufen bereits. Hier gibt es strenge Auflagen, denn EU-Recht und Subventionsrichtlinien müssen beachtet werden. Die Betreibergesellschaft soll als Genossenschaft laufen. Was Raiffeisen vor 200 Jahre auf die Beine stellte, könnte heute auch digital funktionieren.

Die große Chance liegt in der Lieferlogistik. Die bestellten Waren und Lebensmittel werden noch am gleichen Tag ausgeliefert. Die Auslieferung von Waren, die eine Kühlfunktion brauchen, wird möglich sein. Für Dörfer könnte es ein Terminal mit Schließfächern und Kühlfunktion geben. Dort kann der Besteller seine Ware dann abholen. Die Öffnung der Fächer erfolgt über den übermittelten Smartphone-Code.

Die von der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz finanzierte Markt- und Potentialanalyse sowie der Businessplan zeigen die Tragfähigkeit des Konzepts. Es ist eine Chance für die heimischen Händler und Dienstleister. Denn es hat sich gezeigt, dass Unternehmen, die ihren Handel teils über die großen Plattformen digitalisiert haben, im Gegensatz zu dem reinen innerörtlichen Handel wachsen.

In der ersten Vorstellungsrunde in Montabaur zeigten sich die anwesenden Gewerbetreibenden sehr interessiert. Besonders hat der angedachte Lieferservice beeindruckt. (woti)

Weitere Vorstellungen des Konzeptes gibt es am
7. Juni, 19 Uhr, in Wissen, walzWERKwissen, Walzwerkstraße 24, Wissen
12. Juni, 19 Uhr, in Puderbach, Dorfgemeinschaftshaus, Wiesenstraße, Puderbach
Ansprechpartner für Fragen ist der Vorstandssprecher Andreas Giehl, Mail giehl@Marktplatz-westerwald.com


   
Nachricht vom 05.06.2019 www.nr-kurier.de