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Kultur
Standing Ovations im Schlosstheater Neuwied für Walter Ullrich
Mit der Inszenierung und der Hauptrolle in der Komödie „Frühstück bei Monsieur Henri“ von Ivan Calbérac in der deutschen Fassung von Horst Leonhard, gibt Walter Ullrich seinen Abschied nach vierzig Jahren Tätigkeit als Künstlerischer Leiter der Landesbühne Rheinland-Pfalz im Schlosstheater Neuwied. Am Ende der Premierenvorstellung am Donnerstag, 2. Mai waren Zuschauer und Darsteller gleichermaßen gerührt.
Eva Wiedemann und Walter Ullrich. Foto: SchlosstheaterNeuwied. Das Schauspiel ist das passende Finale, denn die Rolle des alten, kauzigen, menschenscheuen Monsieur Henri ist dem 88-jährigen Ullrich auf den Leib geschneidert. Der Greis, ehemaliger Steuerberater, hält mit seiner Ablehnung gegen seine Schwiegertochter, die „Pute“ nicht hinter dem Berg. Überhaupt sagt er immer was er denkt ohne Hang zur Diplomatie. Die Frömmigkeit seiner Schwiegertochter nervt ihn besonders: „Der liebe Gott hat nichts gegen Morgenmäntel, sonst stände das ja in der Bibel.“

Als sein Sohn ihm eine Studentin als Mitbewohnerin vermittelt, die für den einsamen Alten einkaufen und Medikamente verabreichen soll, tut Henri alles, um diese sogleich wieder zu vergraulen, denn die junge Constance ist chronisch pleite, berührt unerlaubt das Klavier von Henris verstorbener Frau und trägt seine geliebten Schildkrötenpantoffeln. Die Hausordnung ist ein 20-seitiges Buch, denn „In einer Wohngemeinschaft braucht es Regeln“. Auf den Einwand „Aber wir sind doch nur zu zweit“, antwortet Henri: „Das ist für mich schon einer zu viel!“

Henri bietet der hübschen Frau einen Deal an: Sie soll seinen Sohn Paul verführen, sodass dieser seine Frau verlässt, dafür kann Constance sechs Monate lang mietfrei wohnen. Tipps zum Umgang mit Sohn und Schwiegertochter gibt er auch gleich: „Das Nachthemd ist perfekt, das müssen Sie am Sonntag anziehen.“ „Ein bisschen Rattengift in den Crumble.“

Constance spielt erfolgreich ihre Rolle, hat aber Skrupel. Das Chaos ist perfekt, der Alte ist zufrieden. Und er rückt den Klavierschlüssel wieder heraus: „Spielen Sie auf dem Klavier – alles besser als Familienkrach.“

Dann nehmen die Ereignisse eine Wendung, die Henri so gar nicht vorgesehen hat.

Neben Walter Ullrich in der Hauptrolle spielen Eva Wiedemann als Constance, Wolf-Guido Grasenick als Paul und Isabella Nagy als Schwiegertochter Valérie mit. Für das Bühnenbild zeichnet Anita Rask-Nielsen und für die Kostüme Sylvia Rüger verantwortlich.

Mit minutenlangem stehendem Applaus zeigte das Premierenpublikum seine Anerkennung der Schauspielleistung sowie seine Hochachtung vor der Regie- und Lebensleistung Walter Ullrichs, der über 60 Jahre lang Theater machte. Man kann sich das Schlosstheater ohne den langjährigen und erfolgreichen Leiter nicht recht vorstellen. htv
Nachricht vom 03.05.2019 www.nr-kurier.de