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Politik
Psychisch kranke Kinder im Fokus der Experten
Das interessierte viele Experten: „Psychisch kranke Kinder - eine Herausforderung für Familien und Institutionen“ lautete das Thema der 9. Netzwerkkonferenz von Kreis und Stadt Neuwied, zu der sich mehr als 200 Teilnehmende im Amalie-Raiffeisensaal der VHS versammelten.
Landrat Achim Hallerbach (rechts), Neuwieds Bürgermeister Michael Mang (3. v.r.) sowie Wolfgang Hartmann, der Leiter des Amts für Jugend und Soziales, Organisatoren und Referenten freuten sich über eine Netzwerkkonferenz, die auf großes Interesse stieß. Foto: privat  Neuwied. Neuwieds Bürgermeister Michael Mang, der die Veranstaltung eröffnete, zeigte sich besonders erfreut darüber, dass viele Besucher in diesem Jahr zum ersten Mal der Einladung zum großen Netzwerktreffen gefolgt waren. Dies könne in Zusammenhang mit dem brisanten Thema psychischer Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter stehen, mutmaßte Mang. So zitierte er Zahlen des Robert-Koch-Institutes, wonach 20 Prozent der Minderjährigen in Deutschland psychische Auffälligkeiten aufweisen und 10 Prozent an deutlich erkennbaren Störungen leiden.

Klar wird das Ausmaß, wenn man diese Zahlen auf die Stadt Neuwied bezieht. Statistisch betrachtet bedeuten sie, dass in der Deichstadt rund 2.200 Kinder psychische Störungen aufweisen und 110 Kinder an einer deutlich erkennbaren Störung leiden. Dass die betroffenen Kinder und ihre Familien Unterstützung zur Bewältigung der schwierigen Situation benötigen, ist daher für Fachleute keine Frage. Nötig sind psychiatrische, aber auch therapeutische und pädagogische Maßnahmen.

Die von den beiden Netzwerk-Koordinatorinnen Daniela Kiefer und Anja Piquardt organisierte Konferenz führte Vertreter unterschiedlicher Berufsgruppen der Netzwerke Kindeswohl zusammen, die sich über die Bandbreite psychischer Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter und über Behandlungsmethoden informieren wollten.

Im Hauptvortrag des Nachmittags ging Diplom-Psychologe Florian Hammerle vom Universitätsklinikum Mainz sehr anschaulich und mit vielen Beispielen belegt auf die häufigsten Diagnosen ein - Angststörungen und Aufmerksamkeitsstörungen beispielsweise - und zeigte auf, dass hinter Verhaltensauffälligkeiten unterschiedliche Ursachen stehen können. Von daher ist eine differenzierte Diagnostik von großer Bedeutung für eine erfolgreiche Behandlung. Dass Diagnosen einerseits zu einer Entlastung der Familien führen können, andererseits aber auch ein Kind belasten, zur Stigmatisierung und Ausgrenzung beitragen, sind sicherlich wichtige Aspekte, die in diesem Zusammenhang zu berücksichtigen sind.

Die Veranstaltung wurde abgerundet durch die Beiträge von Vertreterinnen örtlicher Anlaufstellen für Betroffene, dem Heiltherapeutischen Zentrum (HTZ), dem Johanniterzentrum und einer niedergelassenen Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie, die in ihren Vorträgen auf die unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten und Zugangswege eingingen.

Die Netzwerkkoordinatorinnen zeigten sich mit der Veranstaltung sehr zufrieden, die von den Teilnehmenden nicht nur zur Information sondern auch zum regen Austausch und zur weiteren Vernetzung genutzt wurde. (PM)
Nachricht vom 14.12.2018 www.nr-kurier.de