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Mehr-Generationen-Wohnen: Gemeinschaft statt Einsamkeit
Wer wünscht sich das nicht: Gemeinschaft, Unterstützung und ein Gefühl von Zusammenhalt. Und wer rechnet schon damit, dass man all das dann ausgerechnet mit beginnender Rente finden sollte? Bernhard (74), Thomas (61) und Carin (68) jedenfalls nicht, und umso begeisterter sind sie alle von der Wendung, die ihr Leben plötzlich noch einmal genommen hat. Durch so ein simples Prinzip: Mehr-Generationen-Wohnen.
Foto: prNeuwied. Die drei leben zentral in Neuwied, zusammen mit der 19-jährigen Marie, die gerade mit dem Studium der Erziehungswissenschaften begonnen hat. Sie unterstützen sich gegenseitig, verbringen Freizeit miteinander und geben sich immer mal wieder neue Anstöße. „Abwechslungsreich und in guter Gemeinschaft“, so beschreibt Carin das Zusammenleben in einem Satz. „Vom Alleinsein hatte ich schließlich genug und die Entscheidung, mal etwas Neues zu wagen, habe ich seitdem nie bereut!“

Rund sechs Millionen alleinlebende Menschen im Alter zwischen 50 und 75 Jahren gibt es mittlerweile in Deutschland. Diese Zahl wird mit jedem Jahr sogar noch größer, da die Lebenserwartung der Menschen immer weiter steigt und sich der Altersdurchschnitt der deutschen Bevölkerung kontinuierlich nach oben verschiebt.

Die meisten Menschen leiden im Alter unter der Einsamkeit. Wohnt die Familie nicht in der Nähe, oder hat man selbst vielleicht gar keine Kinder bekommen, die einem nun ab und zu mal unter die Arme greifen könnten, fühlen sich viele ab einem bestimmten Alter isoliert. Kommen dann auch noch kleinere körperliche Einschränkungen dazu, und kann die ein oder andere Alltagsaufgabe nicht mehr allein bewältigt werden, so überwiegt oftmals das Gefühl der Hilflosigkeit, Angst und Überforderung. Wer so zuhause allein unglücklich wird, zieht vielleicht vorschnell den Schuss, in ein Seniorenheim zu müssen, um nicht am Ende noch der entfernt wohnenden Familie zur Last zu fallen.

Doch ist das wirklich nötig?
Seit den letzten fünf Jahren gibt es ein verstärktes Aufkommen von Senioren- und Mehrgenerationen-WGs als Alternative zum Alleine-Leben oder dem Seniorenheim. Laut einer ImmobilienScout24 Umfrage ist mittlerweile fast jeder zweite Deutsche offen für diese neue Art der Wohnform. Und ganz so neu ist sie eigentlich gar nicht. Der Mensch fühlt sich schon immer in Gemeinschaft wohl, ein stabiles soziales Umfeld tut uns von Natur aus gut. Natürlich genießt jeder auch gern mal seine Ruhe, doch die Orientierung am Grundprinzip des sozialen menschlichen Wesens klingt einleuchtend: Mit Alt und Jung gemeinschaftlich leben und sich gegenseitig bei der Bewältigung des Alltags helfen.

„Es hat sich von Anfang an ganz natürlich angefühlt, hier in unserer WG.“ berichtet Bernhard „Ein Geben-und-Nehmen von Unterstützung und Aufmerksamkeit. Wenn Marie mir mal wieder beim Taschenreintragen hilft oder ich mich einfach mit ihr unterhalte, fühlt es sich manchmal an, als würde ich mit meiner Enkelin zusammenwohnen, die leider etwas entfernter lebt. Hier profitiert wirklich jeder von der Gemeinschaft.“

Wenn Marie viel in der Uni zu tun hat, kochen die Älteren für sie mit und die vier essen zusammen. Dafür hilft Marie auch gerne beim Einkaufen oder Tütentragen. Auch die Kosten für die Putzhilfe sind aufgeteilt gar nicht mehr so viel. Jeder, der schon einmal in einer WG gelebt hat weiß, dass das gemeinschaftliche Wohnen deutlich günstiger ist, als ein Einpersonenhaushalt. Und das Wichtigste: Alle fühlen sich wohl in ihrer WG und Leben gern dort zusammen.

Dieses Projekt ist das erste der Gruppe von „mehr-generationenwohnen.de“, weitere Wohngemeinschaften folgen demnächst. Die Gruppe bringt sozial engagierte Studenten und aktive ab 55 Jahren zusammen, da sie die Auffassung vertreten, dass der Austausch zwischen den Generationen nicht nur wichtig für unsere Gesellschaft, sondern auch privat wohltuend für jedes der WG-Mitglieder ist.

Momentan suchen die Gründer noch nach aktiven 55+ Mehrgenerationen-Begeisterten. Interessierte können gerne weitere Informationen unverbindlich einholen unter: 0160 96727698. Gastbeitrag: Lisa Krauthauser
Nachricht vom 16.11.2018 www.nr-kurier.de