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Nachricht vom 18.03.2014
Region
Der BUND will Energiewende retten
Der BUND stellt Möglichkeiten für naturverträglichen Ausbau der Windenergie sowie Anforderungen an die Reform des EEG vor. Der Klimawandel und Atomunfallbedrohung können nur durch erneuerbare Energie gestoppt werden. Dabei gilt: Überregionale Planung und Beteiligung der Bürger.
Symbolfoto: WW-Kurier.deWesterwaldkreis. „Nur wenige Dinge im Leben sind alternativlos. Die Energiewende gehört dazu“, ist sich Harry Neumann, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) Landesverband Rheinland-Pfalz und Kreisvorsitzender im Westerwaldkreis, sicher. „Die Nutzung von Kohle, Öl und Erdgas führt zu unberechenbaren Schäden durch den Klimawandel. Außerdem handelt es sich um endliche Ressourcen, die in absehbarer Zeit unbezahlbar werden. Die nicht kalkulierbaren Risiken der Atomkraft führt uns der Jahrestag von Fukushima unmissverständlich vor Augen“, ergänzt er. Deshalb müsse am Ausbau der Erneuerbaren Energien festgehalten werden. „Unsere Experten gehen davon aus, dass wir bei der derzeitigen Technik etwa 2.300 Anlagen im zukunftsfähigen Strommix in Rheinland-Pfalz brauchen. Da bereits um die 1.300 Anlagen am Netz sind, fehlen demnach noch etwa 1.000 Anlagen. Hierbei ist bereits eine Reduzierung des Stromverbrauchs von 30 Prozent sowie Repowering eingeplant.

Natürlich müsse die Energiewende möglichst naturverträglich erfolgen. Der BUND setzt sich deshalb für eine Regionalplanung ein. Leider wurden den Planungsgemeinschaften Steuerungsmöglichkeiten genommen und die Verantwortung in die Hände der Kommunen gelegt. Auf diesen laste besonders große Verantwortung. Sie haben es bei der Erstellung von Flächennutzungsplänen in der Hand, für einen naturverträglichen Ausbau der Windenergie zu sorgen. Deshalb appelliert der BUND an die Entscheidungsträger in den Orts- und Verbandsgemeinden, bei der Planung der Anlagen auf Qualität zu setzen, die Belange von Mensch und Natur zu berücksichtigen, Solidarpakte zu bilden sowie die Verbände frühzeitig zu beteiligen.

Ein positives Beispiel sieht der BUND in der Kooperation der Landkreise Germersheim und Südliche Weinstraße sowie der Stadt Landau. Die zugehörigen Gemeinden haben alle einen Solidarpakt geschlossen und planen gemeinsam zwei Konzentrationsgebiete. „Der Solidarpakt in der Südpfalz ist vorbildlich. Bei der Auswahl der Konzentrationsflächen wurde der Naturschutz beachtet. Bürgerinnen und Bürger können sich über eine Energiegenossenschaft am Bau der Anlagen beteiligen. Diesem Beispiel sollten möglichst viele Gemeinden folgen“, wünscht sich Harry Neumann.

Eine besondere Gefahr für die Energiewende sieht der BUND derzeit in den diskutierten Plänen zur Änderung des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) auf Bundesebene. „Wir brauchen eine Steuerung der Anlagen an die richtigen Standorte, aber keine generelle Verlangsamung des Ausbaus von Wind- und Sonnenenergie“, betont Landesvorsitzender Harry Neumann. Außerdem sei eine Energiewende in Bürgerhand von großem gesellschaftlichem Interesse. Deshalb dürfe es auch keine Pflicht zur Direktvermarktung geben, da das erhöhte Investitionsrisiko nur von wenigen großen Firmen getragen werden könne. Die dadurch geförderte Oligopolisierung (wenige Anbieter – Anmerkung der Redaktion) könnte die Stromkosten in die Höhe treiben.

Besonders ärgert den stellvertretenden Landesvorsitzenden Holger Schindler der Vorwurf, die Erneuerbaren Energien machten den Strompreis teurer: „Die Strompreiserhöhungen entstehen vielmehr durch die Preispolitik der großen Energieunternehmen sowie durch Vergünstigungen bei der EEG-Umlage für so genannte energieintensive Unternehmen. Obwohl Kohle und Atom hohe Subventionen bekommen, sind es die Erneuerbaren die den Strom an der Börse billiger machen.“

„Je mehr Menschen aktiv an der Energiewende beteiligt sind, umso höher ist die Akzeptanz und umso leichter ist ein dezentraler Ausbau der Erneuerbaren möglich. Je dezentraler, desto weniger neue große Stromtrassen müssen gebaut werden“, betont Harry Neumann.

Um die Energiewende zu retten, ruft der BUND in einem breiten Bündnis zu Demonstrationen am kommenden Samstag, den 22. März, in Mainz/Wiesbaden und in fünf weiteren Landeshauptstädten auf. Der BUND will mit den Demonstrationen der Bundesregierung zeigen, dass eine breite Mehrheit der Gesellschaft weiß, dass die Energiewende überlebensnotwendig ist und deshalb mit den geplanten EEG-Änderungen nicht einverstanden ist, die einem Frontalangriff auf die Energiewende gleichkommen.

Für Rückfragen: Harry Neumann, BUND Landesvorsitzender, Telefon 02626-926441 oder 01577-95 75 158; Sabine Yacoub, BUND Landesgeschäftsführerin, Telefon 06131-62706-0 oder 0174-9971892. Pressemitteilung BUND
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