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Nachricht vom 19.10.2026
Kultur
Skulptur "Brot und Spiele" kommt nach Schloss Arenfels
Ein rund zwei Tonnen schwerer Notizzettel aus rotem Sandstein wird ab 23. Oktober 2026 bei Schloss Arenfels in Bad Hönningen gezeigt. Die Skulptur des Dresdner Bildhauers Thomas Judisch war zuvor bei der Skulpturen-Triennale in Bingen ausgestellt.
Fotos: Thomas JudischBad Hönningen. Ab Freitag, 23. Oktober 2026, ist die Skulptur "Brot und Spiele" des Dresdner Bildhauers Thomas Judisch in unmittelbarer Nähe von Schloss Arenfels zu sehen. Das Werk ist frei zugänglich und wird auch während des Weihnachtsmarkts am Schloss für Besucherinnen und Besucher sichtbar sein.

Die rund zwei Tonnen schwere Skulptur besteht aus rotem Sandstein. Sie ist 2,65 Meter lang und 1,60 Meter breit, liegt flach im Gras und hat den Umriss eines abgerissenen Notizzettels. Die Kanten sind roh belassen, die farbig gefasste Inschrift lautet in Handschrift: "Brot Salz Wein".

Judisch arbeitet seit Jahren mit gefundenen Einkaufszetteln. Er überträgt die flüchtigen Notizen fremder Menschen in dauerhafte Materialien. Bereits 2025 ließ er gefundene Einkaufszettel auf handgeknüpfte Wandteppiche übertragen. Für die 7. Skulpturen-Triennale Bingen setzte er das Motiv erstmals in Stein um.

Die Triennale fand vom 16. Mai bis 4. Oktober 2026 unter dem Titel "Verbindung und Zusammenhalt" am Kulturufer in Bingen statt. Der Kunstkritiker Oliver Koerner von Gustorf beschreibt das Werk im Triennale-Katalog, als wäre "eine steinerne Einkaufsliste vom Himmel ins Gras gefallen". Die Nähe zu einem Grabstein gebe der Skulptur einen doppelbödigen Ton: Sie erzähle von der Banalität des Alltags, zugleich aber auch von Vergänglichkeit und dem Wert des einzelnen Augenblicks.

Alltagsnotiz und Monument
Der Titel "Brot und Spiele" verweist auf das römische "panem et circenses". Die Inschrift nennt mit Brot, Salz und Wein dagegen Grundnahrungsmittel. Das Werk lässt sich damit zugleich als Alltagsnotiz, Stillleben und Porträt des unbekannten Menschen lesen, der die Einkaufsliste einst geschrieben hat.

Die bewusst an eine Grabplatte erinnernde Form verleiht der alltäglichen Notiz zusätzliches Gewicht. Der flüchtige Text wird in einem Material festgehalten, das seinen Verfasser überdauern kann.

Den Hinweis auf die Arbeit gab die Leutesdorfer Künstlerin Ursula Goldau. "Brot, Salz und Wein - das sind die Gaben, mit denen man ein Haus willkommen heißt. Dass dieser Stein nun ausgerechnet vor einem Schloss liegt, passt wunderbar", sagt Christian Runkel, Eigentümer von Schloss Arenfels. "Spätestens zum Weihnachtsmarkt können alle unsere Gäste den Stein entdecken. Wir freuen uns, ein so humorvolles und zugleich nachdenkliches Werk zeitgenössischer Kunst an den Rhein nach Bad Hönningen zu holen."

Der Künstler Thomas Judisch
Thomas Judisch wurde 1981 geboren und lebt und arbeitet als Bildhauer in Dresden. Von 2004 bis 2009 studierte er Bildhauerei und Raumkonzeption an der Muthesius Kunsthochschule Kiel. 2011 war er Meisterschüler bei Eberhard Bosslet an der Hochschule für Bildende Künste Dresden.

Judisch erhielt 2010 ein Arbeitsstipendium des Landes Schleswig-Holstein und 2019 ein Arbeitsstipendium der Stiftung Kunstfonds Bonn. Werke von ihm gehören zur Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschland und zum Kunstfonds des Freistaates Sachsen. Seit 2017 arbeitet er in den GEH8‑Kunst-Raum-Ateliers in Dresden. Zudem ist er Lehrbeauftragter am Institut für Kunst- und Musikwissenschaft der Technischen Universität Dresden.

In Dresden wurde Judisch 2019 mit der Arbeit "Curry Royal" bekannt. Dafür goss er Pappteller, Plastikbesteck und Kaffeebecher in Bronze und montierte sie auf Papierkörbe am Elbufer. Bis 2022 war die Arbeit Teil einer städtischen Kampagne gegen die Vermüllung der Elbwiesen. Von 2013 bis 2017 leitete Judisch zudem das Projekt "Schwarze Piste", bei dem Kunststudierende in mehreren europäischen Städten Aktionen im öffentlichen Raum umsetzten. Red
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