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Pressemitteilung vom 10.10.2026
Region
Ausstellung in Neuwied rückt Schicksale nach frühem Kindsverlust in den Fokus
Eine scheinbar alltägliche Frage bringt manche Eltern in emotionale Bedrängnis. Ein Ausstellungsprojekt widmet sich nun Schicksalen, über die im Alltag selten gesprochen wird. Neben persönlichen Porträts steht auch ein begleitender Fachvortrag auf dem Programm.
(Foto: Birgit Rutz / KI-modifiziert)Neuwied. Beim Kennenlernen, am Arbeitsplatz, im Sportverein oder auf dem Spielplatz fällt die Frage nach dem eigenen Nachwuchs meist beiläufig und signalisiert Interesse. Für manche Menschen erweist sich eine Antwort darauf jedoch als schwerwiegende Hürde. Die Wanderausstellung "(Un)sichtbare Familien" greift diese Situation auf und schildert die Erlebnisse von mehr als 20 Familien. Zu ihnen gehören Kinder, die während der Schwangerschaft oder der Geburt starben. Diese Kinder wurden erwartet, werden geliebt und behalten ihren festen Platz innerhalb der Familie, bleiben für das äußere Umfeld jedoch unsichtbar.

Herausforderung im gesellschaftlichen Alltag
Bei jedem Gespräch über die Zahl der eigenen Kinder stehen betroffene Mütter und Väter vor einem Dilemma. Sie müssen abwägen, ob sie ihre Geschichte offenlegen, sich Erklärungen aussetzen und Nachfragen zulassen oder ob sie diesen Teil ihrer Elternschaft verschweigen, um sich vor schmerzhaften Reaktionen zu schützen und eine gewöhnliche Alltagssituation nicht mit Trauer zu belasten.

Obwohl ein früher Verlust viele Menschen betrifft, herrscht darüber in der Gesellschaft häufig Schweigen. Ursache dafür ist meist die Ratlosigkeit im Umfeld, wie das Thema angesprochen werden soll. Aus Befangenheit fehlen Worte oder das Geschehen wird unbeabsichtigt verharmlost, sodass die Erfahrungen im Privaten verbleiben. Dieses gesellschaftliche Tabu führt dazu, dass sich Betroffene mit ihrem Schmerz oft isoliert fühlen.

Lebenswirklichkeit statt medizinischer Befunde
Die Ausstellung spart medizinische Diagnosen sowie die konkreten Umstände des Versterbens aus. Im Zentrum stehen stattdessen Eltern, Geschwisterkinder, persönliche Bindungen und Liebe. Gezeigt werden Menschen, die ihren Lebensalltag mit Beruf, Freude und Festen bewältigen, während sie zugleich ihre verstorbenen Kinder vermissen. Mit ihrer Bereitschaft, an die Öffentlichkeit zu treten, verleihen die porträtierten Familien einem oft verdrängten Thema ein Gesicht. Das Projekt regt Besucher dazu an, gängige Vorstellungen von Familie zu überdenken, hinzuschauen und die Lebensrealität betroffener Personen wahrzunehmen.

Ausstellungstermine und Fachvortrag
Der Neuwieder Hospizverein und das Marienhausklinikum St. Elisabeth Neuwied organisieren die Veranstaltung gemeinsam. Die Präsentation "(Un)sichtbare Familien" ist am 14. und 15. November 2026 im Marienhausklinikum St. Elisabeth Neuwied zugänglich.

Ergänzend findet am 14. November 2026 um 14 Uhr der Vortrag "Begleitung auf einem besonderen Weg – aber wie?" unter Leitung von Birgit Rutz statt. Die interaktive Veranstaltung widmet sich Fragen, die beim Ausstellungsbesuch aufkommen, und beleuchtet Ansätze, wie eine hilfreiche Unterstützung für betroffene Familien nach einem frühen Kindsverlust aussehen kann. (PM/bearbeitet durch Red)
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