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Nachricht vom 28.09.2026
Region
Stadtbäume in Neuwied vor großen Herausforderungen
In Neuwied stehen zahlreiche Bäume auf der Fällliste. Die Servicebetriebe Neuwied (SBN) sehen sich gezwungen, ab Oktober an mehreren Stellen im Stadtgebiet einzugreifen. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von Sturmschäden bis zu bakteriellen Infektionen.
Nackte Baumhasel in der Engerser Landstraße: Eine bakterielle Infektion verhindert den Transport von Wasser und Nährstoffen in die Krone. Auto gegen Baum – dabei gibt es keine Gewinner. Die Delle im Auto zeigt sich sofort; der Schaden am Baum kann ihn nach mehreren Jahren das Leben kosten. Fotos: SBN/Maxie MeierNeuwied. Ab Oktober müssen die Servicebetriebe Neuwied (SBN) an verschiedenen Standorten im Stadtgebiet Bäume fällen. Betroffen sind unter anderem der Schlosspark, die Kinzingstraße, die Engerser Landstraße, die Wallwiese sowie der Englische Garten der Abtei Rommersdorf. Hauptsächlich handelt es sich um Bäume, die nicht mehr vital sind oder Baumaßnahmen weichen müssen.

Im Schlosspark haben Stürme im vergangenen Monat deutliche Spuren hinterlassen. Einige Bäume sind nicht mehr standsicher und könnten zur Gefahr für Passanten werden. Auch das Wachstum nahe der Bahntrasse stellt ein Problem dar. In der Kinzingstraße leiden 70 bis 80 Jahre alte Kirschbäume unter den Folgen früherer Fehler: Kleine Baumscheiben und Wurzelschäden durch Arbeiten an Versorgungsleitungen haben sie geschwächt. "An diesem Standort hatten sie nie eine Chance, gesund zu altern", erklärt Thomas Riehl, Bereichsleiter der Grünpflege in Neuwied.

An der Engerser Landstraße kämpfen Baumhaseln mit einer bakteriellen Infektion, die ihre Leitungsbahnen verstopft. "Pseudomonas syringae heißt der Übeltäter", erläutert Riehl. Das Bakterium blockiert den Transport von Wasser und Nährstoffen, was zum Absterben der Krone führt. Dieses Phänomen beobachten die Fachleute seit einigen Jahren verstärkt.

Pilzbefall als deutliches Warnsignal
Holzzersetzende Pilze stellen ein besonders kritisches Problem dar. Während sie an Totholz eine wichtige Funktion erfüllen, gefährden sie lebende Bäume erheblich. "Der Pilz ernährt sich von dem gesunden Holz. Und eines Tages hat der Baum keine Stabilität mehr. Und dann, bevor er umfällt, müssen wir ran", so Riehl. Im Englischen Garten der Abtei Rommersdorf müssen ebenfalls Bäume weichen. Die wertvollen Säulen-Eichen halten jedoch bisher der Belastung stand und werden genau beobachtet.

Keine leichtfertige Entscheidung
Die Fällung eines Baumes ist für die SBN-Experten stets eine Überwindung. Jede Entscheidung wird sorgfältig geprüft und bei Unsicherheiten werden externe Gutachter hinzugezogen. Regelmäßige Kontrollen und Dokumentationen sollen helfen, Bäume möglichst lange zu erhalten. "Wir kennen unsere Bäume in Neuwied, dokumentieren ihre Entwicklung und beraten über notwendige Maßnahmen. Unser Ziel ist es, jeden Baum so lange wie möglich zu erhalten - dort, wo es fachlich und sicher vertretbar ist", betont Riehl.

Fehler der Vergangenheit wirken nach
Viele der aktuell betroffenen Bäume wurden unter Bedingungen gepflanzt, die heutigen Standards nicht entsprechen. Zu kleine Baumscheiben, enge Straßenzüge und nachträglich verlegte Versorgungsleitungen haben die Lebensbedingungen eingeschränkt. "Manchmal braucht man gar nicht in die Krone zu schauen, sondern sieht es schon an den Füßen: Wenn da keine Baumscheibe nach der heutigen DIN-Norm ist, mit zwölf Kubikmetern durchwurzelbarem Raum, wird der Baum seine kalkulierte Standzeit von 80 bis 100 Jahren nicht erreichen", so Riehl.

Bei Neuanpflanzungen legen die SBN heute größere Baumscheiben an und pflanzen weniger Bäume auf engerem Raum, um bessere Wachstumsbedingungen zu schaffen.

Artenschutz bestimmt den Zeitpunkt
Wo möglich, planen die SBN die Fällungen in der vegetationsarmen Zeit, um Konflikte mit nestbauenden Vögeln zu vermeiden. Bei akuter Gefahr, wie durch Sturmschäden, ist jedoch sofortiges Handeln notwendig. Die Servicebetriebe bitten um Verständnis für die Maßnahmen, denn die Verkehrssicherheit hat oberste Priorität. Red
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