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Nachricht vom 27.09.2026
Rheinland-Pfalz
Pendler-Radrouten in Rheinland-Pfalz: Ausbau kommt nur schleppend voran
Der Ausbau der Pendler-Radrouten in Rheinland-Pfalz, die das Radfahren zur Arbeit erleichtern sollen, zieht sich weiterhin hin. Obwohl bereits 2014 festgelegt wurde, sieben solcher Routen zu schaffen, ist bisher noch keine vollständig fertiggestellt.
Ausbau der Pendler-Radrouten in Rheinland-Pfalz (Foto: Helmut Fricke/dpa)Rheinland-Pfalz. Auch Jahre nach dem Planungsstart kommt der Bau oder Ausbau der geplanten Pendler-Radrouten in Rheinland-Pfalz nur schleppend voran. Sieben sollen es nach einer Festlegung aus dem Jahr 2014 insgesamt im Land werden - komplett fertiggestellt ist bis heute keine.

Die Grundidee der Pendler-Radrouten ist es, dass Menschen auf einem durchgängigen, mindestens drei Meter breiten und von anderen Verkehrsteilnehmern getrennten Radweg zu ihrem Arbeitsplatz radeln können. Entsprechend hat das Land für diese Wege gewisse Standards entwickelt.

Netz mit 374 Kilometern Länge vorgesehen
Die sieben Pendler-Radrouten sollen in Gebieten entstehen, in denen besonders viele Menschen zu ihren Arbeits- und Ausbildungsplätzen pendeln können. Die Routen sollen Stadtzentren, Gewerbegebiete, Schulen, Hochschulen und Bahnhöfe für Radpendler anbinden, wie das rheinland-pfälzische Verkehrsministerium in Mainz mitteilt.

Mehrere der Routen entstehen in der Pfalz: zwischen Worms und Wörth über Ludwigshafen und Speyer, zwischen Landau und Neustadt an der Weinstraße und zwischen Kaiserslautern und Landstuhl. Eine Route soll Konz, Trier und Schweich verbinden. Zwischen Koblenz und Boppard und von Koblenz bis zur nordrhein-westfälischen Landesgrenze entstehen weitere Strecken. Schon eröffnet ist ein Teilabschnitt der Route zwischen Mainz und Bingen in Rheinhessen. Insgesamt soll das Routen-Netz 374 Kilometer lang werden.

Genutzt werden sollen für Pendler-Radrouten möglichst viele schon bestehende Radwege. Diese müssen teilweise ausgebaut und an die Standards der Pendler-Radrouten angepasst werden. Zuständig für den Ausbau einzelner Abschnitte sind die jeweiligen Baulastträger, also die Kommunen, durch deren Gebiet die Pendler-Radrouten laufen.

Hoher Koordinierungsaufwand
Viele Einzelmaßnahmen müssten abgesprochen und koordiniert werden, erläutert das Ministerium: "Die fachlichen Abstimmungen sind im Detail sehr aufwendig und komplex." Unter anderem müssten Konflikte mit anderen Nutzern der Wege, etwa Landwirten oder Fußgängern, ausgeschlossen werden.

Auch die Finanzierung müsse geklärt werden. Dafür können Kommunen Fördermittel vom Land und vom Bund beantragen sowie sich vom Landesbetrieb Mobilität (LBM) beraten lassen. Einen separaten jährlichen Etat gebe es im Landeshaushalt jedoch nicht für die Pendler-Radrouten.
Die komplizierte Umsetzung kritisieren die Landesverbände des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) und des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Da die Pendler-Radrouten durch Gebiete zahlreicher Kommunen führten, seien für Planung und Umsetzung viele verschiedene Akteure zuständig, erläutert Robert Wöhler, Geschäftsführer des ADFC Rheinland-Pfalz.

Ruf nach zentralerer Planung
Das Ganze sei so langwierig, weil es keine zentrale, vom Land betriebene Planung, Durchführung und Finanzierung gebe, sagt auch Claudia Kunz vom VCD Rheinland-Pfalz. Dabei habe sich beispielsweise beim Wiederaufbau des Ahr-Radweges gezeigt, dass der Landesbetrieb Mobilität (LBM) die gebündelte Verantwortung für den Bau von Radwegen tragen könne, ergänzt Wöhler. Dass die Pendler-Radrouten künftig in Landeszuständigkeit geplant und gebaut werden sollen, fordert auch die grüne Fraktionschefin Katrin Eder. Das würde Kommunen außerdem von der Instandhaltung der Pendler-Radrouten entlasten.

Ein weiterer Punkt sei, dass der Radverkehr für Kommunen keine Pflichtaufgabe sei, kritisieren VCD und ADFC. Bei klammen Haushalten stehe der Ausbau der Pendlerrouten nicht auf der Prioritätenliste, bemängelt Kunz vom VCD. Zudem führe etwa die Route in Bingen vor allem am Rhein entlang und nicht zu den Wohnorten und Arbeitsplätzen der Pendler in den Stadtteilen und im Gewerbegebiet.

Kritik an Wegbreite
Laut Ministerium sind Planung und Umsetzung bei den sieben Routen zu ganz unterschiedlichen Zeitpunkten gestartet. Einzelne Kommunen hätten schon Maßnahmen umgesetzt, etwa die Stadt Koblenz, die Verbandsgemeinde Rhein-Mosel oder die Stadt Speyer. Die Route zwischen Konz und Schweich über Trier werde seit 2023 sukzessive ausgebaut. Bei anderen Strecken müssten sich die einzelnen Kommunen noch untereinander abstimmen.

In Betrieb ist seit zwei Jahren ein Teilabschnitt der Trasse zwischen Mainz und Bingen. Der zweite Teilabschnitt bis nach Mainz soll ab 2027 "sukzessive" ausgebaut werden, heißt es vom Ministerium.

Nach VCD-Angaben weisen bereits eröffnete Bereiche Mängel auf: So werde die vorgesehene Breite von drei Metern nur auf wenigen Abschnitten erreicht, teils seien Wege nur 2,20 Meter breit. Weiter kritisiert der VCD, Fahrradfahrer müssten an Kreisverkehren und an Straßenquerungen Autos die Vorfahrt gewähren. Dadurch sei es kaum möglich, zügig auf der Strecke zu fahren.

Geplante Fertigstellung bis 2030 ist unklar
Das Land hat sich im "Radverkehrs-Entwicklungsplan Rheinland-Pfalz 2030" das Ziel gesetzt, bis 2030 alle sieben Pendler-Radrouten fertigzustellen. Vom Ministerium heißt es nun auf Anfrage, aufgrund bestehender Unabwägbarkeiten seien "belastbare zeitliche Aussagen nicht möglich", wann genau alle Strecken fertig sein werden. (dpa/bearbeitet durch Red)
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