| NR-Kurier |
| Ihre Internetzeitung für den Kreis Neuwied |
|
| Pressemitteilung vom 23.09.2026 |
|
| Region |
| Finale des DENKBARES-Jahres: Die Goldenen Zwanziger im Fokus |
|
| Vom 30. September bis 4. Oktober 2026 findet das fünftägige Finale der Veranstaltungsreihe DENKBARES in Rheinland-Pfalz statt. Die Veranstaltungen greifen das Motto des Kultursommers "Die Goldenen Zwanziger" auf und stellen die Frage, welche Relevanz die Erfahrungen dieser Epoche für die heutige Zeit haben. |
|
Region. Schon das DENKBARES-Programm der vergangenen Monate hatte immer wieder den Blick auf eine Epoche gelenkt, die von Aufbruch und Experimentierfreude, aber ebenso von Krisen, politischen Verwerfungen und der Suche nach neuen Lebensformen geprägt war. Gerade diese Ambivalenz macht die 1920er Jahre für die Gegenwart interessant: Was geschieht, wenn vertraute Gewissheiten ins Wanken geraten? Wo entstehen neue kulturelle Freiräume? Was hält eine Gesellschaft zusammen? Und welche Rolle können Kunst, Religion und Philosophie dabei spielen? Das Finale nimmt diese Fragen noch einmal konzentriert auf. Dabei geht es DENKBARES nicht um eine nostalgische Rückschau auf die vermeintlich "goldenen" Jahre vor hundert Jahren. Vielmehr werden die Zwanziger zum Resonanzraum für Fragen der Gegenwart.
Musik gibt zu denken
Den Auftakt macht am Mittwoch, 30. September 2026, um 19 Uhr im Kunstraum am Limes in Hillscheid der Philosoph Christoph Türcke. Unter dem Titel "Philosophie der Musik" geht er der Frage nach, warum Musik weit mehr als Unterhaltung ist und als eine Form des Weltverstehens begriffen werden kann. Gerade in den 1920er Jahren wurde Musik zur Stimme der Moderne: Jazz und Tanzmusik eroberten die Großstädte, Kabarett und Revue verbanden Klang und Gesellschaftskritik, Komponisten experimentierten mit Rhythmus und Tempo. Türcke schlägt von dieser musikalischen Umbruchszeit den Bogen zu einer zeitlosen Frage: Was macht Musik mit uns - und warum kann sie manchmal mehr sagen als Worte? Musikalisch begleitet wird der Abend von Eva Zöllner am Akkordeon.
Was hält Europa zusammen?
Politisch wird es am Donnerstag, 1. Oktober, um 19 Uhr im Bistro des Dreikönigenhauses in Koblenz. "Religion und Politik oder: Was Europa zusammenhält" lautet der Titel einer Panel-Diskussion. Angesichts von Krieg, Renationalisierung und Populismus geht es um die geistigen, religiösen und politischen Grundlagen Europas. Die DENKBARES-Gründer und Herausgeber des gleichnamigen Sammelbandes Martin W. Ramb und Holger Zaborowski diskutieren mit der Politik- und Islamwissenschaftlerin Evelyn Bokler und dem Religionssoziologen Detlef Pollack darüber, worauf sich Europas Identität gründet - und warum diese Grundlagen gegenwärtig gefährdet erscheinen.
Freiheit, Rausch und Schwarze Katzen
Am Freitag, 2. Oktober, um 19 Uhr zieht DENKBARES gemeinsam mit den Westerwälder Literaturtagen in das Jugend-, Kultur- und Bürgerzentrum "Zweite Heimat" in Höhr-Grenzhausen ein. Der Schweizer Autor und Ausstellungsmacher Andreas Schwab erzählt unter dem Titel "Freiheit, Rausch und Schwarze Katzen" von der Geschichte der Boheme. Else Lasker-Schüler, Edvard Munch, Frank Wedekind, August Strindberg und viele andere stehen für eine künstlerische Subkultur, die mit bürgerlichen Konventionen brach und neue Vorstellungen davon erprobte, was ein freies und gutes Leben sein könnte. Schwab führt dabei auch an legendäre Orte der Boheme: ins "Chat Noir" am Pariser Montmartre, in das "Café Stefanie" in München oder in die Berliner Kneipe "Das schwarze Ferkel".
Für "Freiheit, Rausch und Schwarze Katzen" kosten die Karten 15 Euro im Vorverkauf und 18 Euro an der Abendkasse. Tickets sind online unter www.ticket-regional.de oder beim
buchladen Wissen (buchladenwissen@web.de, telefonisch 027421874) erhältlich.
Der Mönch in dir
Einen bewusst ruhigeren Akzent setzt der Samstag, 3. Oktober, um 19 Uhr im Keramikmuseum Westerwald in Höhr-Grenzhausen. Abt Mauritius Wilde OSB von Maria Laach spricht über sein Buch "Der Mönch in dir. Ein Weg zu Gelassenheit und Loslassen". Auch dieser Abend führt zurück in die 1920er Jahre. Nach dem Ersten Weltkrieg, dem Zusammenbruch alter Ordnungen und dem Verlust gesellschaftlicher Selbstverständlichkeiten entstanden neue spirituelle, religiöse und weltanschauliche Suchbewegungen. Heute stellt sich die Frage nach Halt unter anderen Vorzeichen erneut. Wilde fragt nach einem inneren Ort der Ruhe in einer von Beschleunigung und Reizüberflutung geprägten Welt. Musikalisch begleiten Henriette Wolf am Horn und Xanten Wolf an der Posaune den Abend.
Zum Abschluss Heidegger zum Frühstück
Den Schlusspunkt setzt DENKBARES am Sonntag, 4. Oktober, um 10.30 Uhr im Russischen Hof in Bad Ems. Bei einer musikalisch-philosophischen Matinee widmet sich Holger Zaborowski einem der einflussreichsten philosophischen Werke des 20. Jahrhunderts: Martin Heideggers 1927 erschienenem "Sein und Zeit". Das Werk führt noch einmal mitten hinein in die geistige Atmosphäre der Zwanziger. Geschrieben in einer Epoche von Angst, Krisen und radikalen Entscheidungen, stellt Heidegger Fragen nach Freiheit, menschlicher Existenz und der Erfahrung, in eine widersprüchliche Welt "hineingeworfen" zu sein. Zaborowski fragt, was Heideggers Epochenwerk aus seiner Zeit heraus verständlich macht - und warum es auch hundert Jahre später noch provoziert und zum Denken herausfordert. Aaron Takashi Johrden begleitet die Matinee auf der Gitarre. Zum Eintritt von 15 Euro gehört ein Imbiss. So endet das DENKBARES-Jahr nicht mit einem klassischen Abendvortrag, sondern gewissermaßen mit einer philosophischen Frühstückslesung.
Ein Finale im Zeichen der "Goldenen Zwanziger"
Damit bündelt das fünftägige Finale noch einmal, was das DENKBARES-Jahr unter dem Motto "Die Goldenen Zwanziger" bestimmt hat: den Blick zurück nicht als Selbstzweck, sondern als Möglichkeit, die Gegenwart schärfer wahrzunehmen. Musik und Boheme, Religion und Politik, Spiritualität und Philosophie erzählen von den Aufbrüchen und Krisen einer Zeit, die hundert Jahre zurückliegt - und deren Fragen dennoch gegenwärtig geblieben sind. Bis auf den Abend mit Andreas Schwab und die Abschlussmatinee ist der Eintritt frei; für die kostenfreien Veranstaltungen ist teilweise eine Platzreservierung unter info@denkbares.org erforderlich. Sämtliche Veranstaltungsorte sind barrierefrei. (PM/bearbeitet durch Red) |
|
| Pressemitteilung vom 23.09.2026 |
www.nr-kurier.de |
|
|
|
|
|
|