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Nachricht vom 13.09.2026
Kultur
Buchtipp: Jeden Tag ein Gedicht im „Lyrik Kalender Tage Buch“ von Werner Lücker
Werner Lücker hat ein spezielles Buch gestaltet: ein „Lyrik Kalender Tage Buch“ mit dem Titel „Meine Lebensgedichte Band 2“. Das Buch enthält für jeden Tag ein Gedicht, jeder Monat hat als Überschrift eine passende Fotografie. Die Texte sind vielfältig, mal kurz und markant, mal lustig, mal nachdenklich. Insgesamt so verschieden wie die Lebenssituationen.
Buchtitel. Foto: Werner LückerNeuwied. Der pensionierte Naturwissenschaftler und Gymnasiallehrer hatte immer schon eine poetische Ader. Im Ruhestand hat der Neuwieder die Muße, Worte zu publizieren. Den Grund erklärt der Autor im Prolog:
„Worte“
Worte wollen aus mir raus.
Muss es dafür Gründe geben?
Nein – sie möchten einfach leben –
zielen nicht auf den Applaus.
Ob Geschichten nur erdacht,
ob gehört, ob widerfahren –
Worte sind und immer waren
solche, die das Leben macht.
Worte wollen raus aus mir.
Müssen sie gesprochen werden?
Nein – nachdem sie leis sich nährten,
flossen sie auf das Papier.

Im Beispielmonat Januar geht er am 5. Januar kritisch mit seinesgleichen um, denn im riesigen „world wide web“ werden unzählige Gedichte veröffentlicht, zum Teil von sehr dilettantischen und zugleich selbstbewussten Poeten. Lückers Stellungnahme lautet:
Der Koch einer Buchstabensuppe
Er löffelt aus der Mediensuppe sich ein paar Worte. Insgeheim sind Subjekt, Prädikat ihm schnuppe, denn er sucht hastig noch den Reim. Ist dies ihm irgendwie gelungen, dann wird das Ganze dünngerührt, ’ne Floskel noch hineingezwungen und flott zum Sinngewürz gekürt. Die Brühe schmeckt beileibe nicht wie ein Gedicht von ’nem Gedicht.

Am 12. Januar teilt er in geschliffener Sprache Gedanken und Stimmungen mit:
Der Tropfen
Im Glanz eines Tropfens gespiegeltes Leben: Ob Träne, ob Schweiß oder Perle der Lust – sein Schimmern erzählt dir vom Nehmen und Geben, im Fließen sich seines Versiegens bewusst.

Neben Kritik und tiefschürfenden Gedanken kann der Autor auch Humor, der bisweilen mit Biss daherkommt.
16. Januar: Alles nur Quark! Man nehme als Grundlage zwei Kilo Quark, verrühre darin, was an Schmalz ist zu finden und gebe dazu leere Schoten und ’s Mark treuloser Tomaten – samt Strohmehl zum Binden. Dann bläst man die Masse mit heißer Luft auf, löscht schließlich das Ganze mit kaltem Kaffee und gießt süß verschlagenen Schaum oben drauf. Darüber lobt man sich noch grasgrünen Klee. Denkt jemand sich nun, das Rezept sei zu arg, kann ich ihn beruhigen: Ist alles nur Quark!

Am 21. Januar eine anschauliche Skizze von einem sehr gelenkigen Mädchen, das Lücker an einem Wochenende während einer Busfahrt von Aarhus nach Kopenhagen beobachtet und mit Worten verbildlicht hat:
Das Zollstockmädchen
Sein Oberkörper – schlank und rank – verschafft dank kerzengrader Haltung ihm Platz noch auf der schmalen Bank für Beine in genialer Faltung. Mit Fersen ans Gesäß gerückt lässt es die Knie die Brust berühren, umschließt das Ganze – höchst geschickt – mit Armen, die zum Laptop führen. Die Arbeitsweise zeugt von Stil vor spröder, müder Menschenmenge. Das Zollstockmädchen schafft grazil ihr Pflichtenwerk trotz dieser Enge.

Lücker, der seine Mitmenschen genau beobachtet, hat viel zu sagen, in Reimen, die Menschen mit dem Herzen sehen und verstehen. Ein Gedicht pro Tag tut gut, weil es erfreut oder in den Gedanken nachklingt.

Das Buch „Lyrik Kalender Tagebuch“ ist im lokalen Buchhandel sowie im Onlinehandel erhältlich. Erhältlich ist eine 396-seitige gebundene Ausgabe und als Taschenbuch. htv

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