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Pressemitteilung vom 08.09.2026
Region
Kommune am Steuer: Neuwied stärkt Teilhabechancen für Kinder
Neuwied will Bildung und Teilhabe stärker als gemeinsame kommunale Aufgabe verstehen. Beim Spitzengespräch in Ludwigshafen stellte Bürgermeister Peter Jung vor, wie die Stadt Angebote vernetzt und Sozialräume gezielt in den Blick nimmt.
(Foto: Christian Balthasar)Neuwied. Was bedeutet es, wenn eine Kommune bei besseren Chancen für Kinder und Familien "am Steuer" sitzt? Für Neuwied bedeutet dies, Verantwortung zu übernehmen, den Bedarf vor Ort genau zu betrachten und Angebote nicht getrennt voneinander zu planen. Schulen, Jugendhilfe, Kindertagesbetreuung, Schulträger und weitere Partner sollen enger zusammenarbeiten und Kinder von Anfang an begleiten.

Bürgermeister Peter Jung stellte diesen Ansatz beim 6. Spitzengespräch der Regionalagentur Kommunales Bildungsmanagement Rheinland-Pfalz–Saarland in Ludwigshafen vor. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Rolle Kommunen bei besseren Bildungs- und Teilhabechancen übernehmen können. Jung machte zugleich deutlich, dass mit größeren kommunalen Gestaltungsmöglichkeiten auch zusätzliche Aufgaben verbunden sind. Damit Städte diese dauerhaft erfüllen können, seien verlässliche Rahmenbedingungen von Bund und Land erforderlich.

Teilhabe beginnt nicht erst in Kita und Schule
Unter dem Titel "Die Kommune am Steuer: Bessere Bildungschancen – (k)ein Lippenbekenntnis!?" diskutierten kommunale Führungskräfte sowie Vertreter von Spitzenverbänden und Landesministerien über die Rolle der Kommunen.

Neuwied hinterfragt dabei bewusst, was unter Bildungschancen zu verstehen ist. Nach dem kommunalen Ansatz entstehen Chancen nicht erst in Kindertagesstätten und Schulen, sondern überall dort, wo Kinder aufwachsen und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen.

Jung erläuterte, dass Chancen bereits am ersten Lebenstag entstehen würden, etwa in der Familie, in der Kita, auf dem Spielplatz, im Sportverein oder in der Jugendarbeit. Deshalb spreche Neuwied bewusst von Teilhabechancen. Jedes Kind solle unabhängig vom Stadtteil und von den finanziellen Möglichkeiten der Familie die Möglichkeit erhalten, sich gesund zu entwickeln, Freundschaften aufzubauen, sich sicher in der Stadt zu bewegen, seine Freizeit zu gestalten, mitzubestimmen und eigene Fähigkeiten zu entfalten.

Angebote sollen besser zusammenwirken
Dieser Ansatz prägt die kommunale Strategie. Ämter und Partner im jeweiligen Sozialraum sollen gemeinsam erkennen, welche Unterstützung Kinder und Familien benötigen. Ziel ist es, die verschiedenen Arbeitsbereiche enger miteinander zu verzahnen.

Dabei nutzt die Stadt Sozialmonitoring und weitere Analysen, um Bereiche mit besonderem Bedarf zu erkennen. Grundlage ist der Ansatz, Ungleiches auch ungleich zu behandeln. Das bedeutet, dass nicht jeder Sozialraum dieselben Angebote benötigt. Stattdessen soll die Unterstützung zu den jeweiligen Bedingungen und Bedürfnissen der dort lebenden Menschen passen.

Gleichzeitig arbeitet Neuwied daran, Lücken innerhalb der Präventionskette zu schließen und bereits bestehende Angebote stärker miteinander zu verbinden. Dabei greifen Kita- und Schulsozialarbeit, Quartiersmanagement, der "Neuwieder Weg" sowie ein möglichst einfacher Zugang zu Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket ineinander.

Familiengrundschulzentren als Knotenpunkte
Als Modellkommune entwickelt Neuwied zudem Familiengrundschulzentren gemeinsam mit Land und Bund. Diese sollen zu zentralen Knotenpunkten im Sozialraum werden. Dort sollen Bildung, Beratung und Unterstützung für Familien zusammenkommen.

Auch beim Ausbau des schulischen Ganztags will die Stadt nicht nur den Ausbau selbst betrachten. Entscheidend sei vielmehr, welche Angebote Kinder und Eltern im jeweiligen Sozialraum tatsächlich benötigen. Die unterschiedlichen Voraussetzungen vor Ort sollen damit stärker in die kommunale Planung einfließen.

Kinderrechte als Grundlage der Strategie
Als Kinderfreundliche Kommune richtet Neuwied besonderes Augenmerk auf Kinder und Jugendliche aus Familien, die von Armut betroffen sind. Mit "Teilhabe und Chancen für alle" greift die Stadt eine zentrale Maßnahme ihres Aktionsplans auf.

Die Kinderrechte dienen dabei als Orientierung für die ämterübergreifende Arbeit. Ziel ist es, Teilhabe zu erleichtern, Benachteiligungen frühzeitig zu erkennen und Kindern unabhängig von ihrer sozialen Ausgangslage Möglichkeiten für ihre persönliche Entwicklung zu eröffnen.

Mehr Verantwortung erfordert verlässliche Strukturen
Für Jung steigen mit einer stärkeren kommunalen Steuerung zugleich die Anforderungen an die Städte. Besonders bei der Kindertagesbetreuung, beim Ganztag und bei langfristigen Unterstützungsangeboten könnten Kommunen diese Aufgaben jedoch nicht allein bewältigen.

Neuwied übernehme die Verantwortung für bessere Teilhabechancen bewusst. Dafür seien neben starken Partnern vor Ort auch die Unterstützung von Land und Bund sowie verlässliche, transparente und dauerhaft tragfähige Strukturen notwendig. Nachhaltige Verbesserungen bei den Teilhabechancen könnten nach diesem Verständnis nur im gemeinsamen Zusammenspiel aller Beteiligten erreicht werden. (PM/KI/Red)
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