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Nachricht vom 06.09.2026
Kultur
Hochkarätiger Wechsel beim Orgeltriduum: Ann-Helena Schlüter sorgt für furiosen Auftakt
Kurzfristiger Wechsel, aber kein bisschen weniger außergewöhnlich: Eigentlich sollte Mélodie Michel aus Paris am Sonntagnachmittag das Orgeltriduum 2026 in der Abteikirche Marienstatt eröffnen. Doch die junge Organistin steht derzeit im Semifinale des ARD-Musikwettbewerbs und konnte deshalb nicht nach Marienstatt kommen.
Ann-Helena Schlüter aus Würzburg am mobilen Spieltisch. Fotos: Wolfgang TischlerMarienstatt. Wer nun mit einem musikalischen „Ersatzprogramm“ gerechnet hatte, wurde schnell eines Besseren belehrt. Mit Ann-Helena Schlüter aus Würzburg sprang kurzfristig eine ebenso außergewöhnliche Musikerin ein – und zeigte einmal mehr, welches Niveau die Konzerte in Marienstatt auszeichnet.

Dass Schlüter weit mehr als eine kurzfristige Vertretung war, zeigte schon ein Blick auf ihre außergewöhnliche musikalische Laufbahn. Die schwedisch-deutsche Musikerin wuchs in einer Pianistenfamilie auf, begann bereits mit drei Jahren Klavier zu spielen und gewann mit fünf Jahren erste Wettbewerbe. Sie galt früh als musikalisches Wunderkind und schlug später eine ungewöhnlich vielseitige Laufbahn ein. Als Konzertpianistin und Konzertorganistin ist sie heute ebenso tätig wie als Komponistin, Kirchenmusikerin, Musikwissenschaftlerin und Musikpädagogin.

Vor gut besuchten Reihen begann Schlüter schließlich ihr kurzfristig übernommenes und dennoch wohlüberlegt zusammengestelltes Programm. Von Beginn an forderte es ihre ganze Konzentration. Hände und Füße waren gleichzeitig im Einsatz, hinzu kamen die zahlreichen Wechsel an der Orgel. Fast während des gesamten Konzerts blätterte Schlüter sogar ihre Noten selbst um – ein kleines Detail, das angesichts der gleichzeitigen Arbeit an Tasten, Pedalen und Registern umso bemerkenswerter erschien.

Einen ganz anderen Moment brachte ihre eigene Komposition „Längtan“, zu Deutsch „Sehnsucht“. Schlüter ließ das Stück zunächst ganz für sich sprechen. Vor dem inneren Auge entstanden Bilder einer weiten, stillen Landschaft. Erst nachdem der letzte Ton verklungen war, erklärte sie dem Publikum die Gedanken hinter ihrer Komposition – und beschrieb genau jene Sehnsucht und Weite, die die Musik zuvor bereits vermittelt hatte. Ein besonderer Moment, denn die Bilder waren durch die Musik entstanden, noch bevor ihre Bedeutung erklärt worden war. Auch das nachfolgende Werk stellte Schlüter kurz vor und gab dem Publikum einige Gedanken für das Hören mit auf den Weg.

Dass ein Orgelkonzert keineswegs nur getragen und feierlich sein muss, zeigte sich im weiteren Verlauf ebenfalls. Bei Haydn wurde es fröhlicher und tänzerischer, während andere Werke wieder die ganze Kraft und Klangfülle des großen Instruments zur Geltung brachten.

Besonders eindrucksvoll wurde es bei Liszts „Fantasie und Fuge über B-A-C-H“. Hier erhielt Schlüter beim Umblättern Unterstützung, denn zahlreiche Wechsel und das kraftvolle Spiel verlangten ihre ganze Aufmerksamkeit. Immer wieder veränderte sich dabei der Charakter der Orgel: Kräftige, beinahe orchestrale Passagen standen feineren Klangfarben gegenüber, während Schlüter Tempo und Dynamik scheinbar mühelos gestaltete.

Dass bei einem Live-Konzert nicht alles planbar ist, zeigte schließlich das letzte Werk des Nachmittags. Ausgerechnet bei Bachs „Fantasia und Fuga g-Moll“ machte die Orgel plötzlich nicht mehr so mit, wie sie sollte. Schlüter ließ sich davon jedoch nicht aus der Ruhe bringen: Kurzerhand wechselte sie von dem viermanualigen mobilen Spieltisch zur großen Riegerorgel und setzte ihr Spiel fort. Keine große Aufregung, keine sichtbare Verunsicherung – sondern eine ebenso pragmatische wie souveräne Reaktion auf einen ungeplanten Moment.

Nach dem letzten regulären Stück war jedoch noch nicht Schluss. Als Zugabe wählte Schlüter mit Bachs „Goldberg-Aria“ noch einmal ganz andere Töne. Ruhig und zurückgenommen ließ sie den Konzertnachmittag ausklingen – und spielte die Zugabe vollständig auswendig. Nach all der Klangfülle zuvor entstand so zum Abschluss noch einmal ein stiller Moment in der Abteikirche.

Nach diesem Auftakt geht das Orgeltriduum bereits am Freitagabend, dem 11. September, weiter – und auch dann wartet Marienstatt mit einem Ausnahmekünstler auf. Um 19.30 Uhr nimmt der erst 21-jährige Jan Liebermann aus München an der Orgel Platz. Farbige Illuminationen im Hochchor werden das Konzert zusätzlich begleiten und die Abteikirche in eine besondere Atmosphäre tauchen. Nach diesem gelungenen Auftakt darf man also gespannt sein, welche Seite die Königin der Instrumente beim zweiten Konzert des Orgeltriduums zeigen wird. Tanja Tischler
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