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Pressemitteilung vom 02.09.2026
Rheinland-Pfalz
ADHS-Diagnosen bei Kindern in Rheinland-Pfalz stark gestiegen
Immer mehr Kinder und Jugendliche in Rheinland-Pfalz erhalten die Diagnose ADHS. Ein aktueller Bericht der DAK-Gesundheit zeigt, dass insbesondere Mädchen von einem Anstieg betroffen sind. Experten betonen die wichtige Rolle der Schulen bei der Unterstützung.
(Foto: Julian Stratenschulte/dpa/dpa-tmn)Mainz. Immer mehr Kinder und Jugendliche in Rheinland-Pfalz bekommen eine ADHS-Neudiagnose. Im Jahr 2024 stieg die Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent, wie aus dem aktuellen Kinder- und Jugendreport der Krankenkasse DAK-Gesundheit hervorgeht. Hochgerechnet wurde somit landesweit bei rund 11.700 jungen Menschen erstmals ADHS diagnostiziert. Jungen erhalten häufiger eine Erstdiagnose als Mädchen: 2024 waren es etwa 7.600 Jungen und rund 4.000 Mädchen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Steigerungsrate bei Mädchen mit 33 Prozent jedoch höher als bei Jungen, bei denen der Wert bei 11 Prozent liegt. ADHS ist eine Aufmerksamkeitsdefizitstörung mit Hyperaktivität.

Der Anstieg betrifft alle Altersgruppen, so die DAK-Gesundheit. Besonders häufig sind Grundschulkinder zwischen fünf und neun Jahren betroffen. Die Daten zeigen, dass 6,4 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von drei bis 17 Jahren mit einer ADHS-Diagnose medizinisch versorgt werden. Das entspricht hochgerechnet rund 37.400 jungen Menschen im Land. "Wir brauchen in Rheinland-Pfalz ein gut abgestimmtes Zusammenspiel aller, die Kinder begleiten und versorgen. Nur so können sie früh stabilisiert und gezielt unterstützt werden, bevor sich Belastungen verfestigen", sagte DAK-Landeschef Rainer Lange. "Ein großes Potenzial liegt hier in der Schule, wo wir alle Kinder erreichen können."

Mädchen wurden sehr wahrscheinlich lange unterdiagnostiziert, erklärte die Kinder- und Jugendärztin und stellvertretende Landesvorsitzende des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen in Rheinland-Pfalz, Anke Wenzel, in Mainz. ADHS sei damit kein reines "Jungen-Thema", sondern ein Störungsbild, das bei Mädchen häufig übersehen und erst spät erkannt werde.

Ein Grund für die häufigere Diagnose von ADHS könnte sein, dass der Druck und Stress für Kinder und Jugendliche zugenommen haben, sagte Christoph U. Correll, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Berliner Charité. "Wir beobachten wahrscheinlich zum Teil auch Spätfolgen der Pandemie, weil wichtige Lernschritte eventuell unterbrochen oder verzögert wurden." Zudem nehme der negative Einfluss sozialer Medien zu, fügte Professor Correll hinzu.

Für die aktuelle DAK-Sonderanalyse im Rahmen des Kinder- und Jugendreports untersuchte das Wissenschaftsteam von Vandage und der Universität Bielefeld Abrechnungsdaten von rund 48.200 Kindern und Jugendlichen bis einschließlich 17 Jahren, die bei der DAK-Gesundheit in Rheinland-Pfalz versichert sind. (dpa/bearbeitet durch Red)

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