NR-Kurier
Ihre Internetzeitung für den Kreis Neuwied
Nachricht vom 13.08.2026
Region
Zukunftsweisende Rettungskette: Wie "ProHerzschlag" Leben im Kreis Neuwied rettet
Der Landkreis Neuwied erweitert seine Rettungskette mit der neuen Ersthelfer-App "ProHerzschlag". Diese digitale Innovation soll die Überlebenschancen bei Herz-Kreislauf-Stillständen erhöhen. Was genau hinter dem System steckt und wie es funktioniert, wurde jetzt in einer Pressekonferenz vorgestellt.
Demonstration der neuen App und deren Ablauf. Fotos: Wolfgang TischlerNeuwied. Nach intensiver Entwicklungsarbeit ist die Ersthelfer-App "ProHerzschlag" nun einsatzbereit. Landrat Achim Hallerbach präsentierte das neue Instrument zur ersten Notversorgung bei Herz-Kreislauf-Stillstand gemeinsam mit Projektpartnern aus den Rettungsdiensten und der Gesundheitsregion Köln-Bonn im Max-zu-Wied-Saal des Kreishauses. "Über die App ist es möglich, Ersthelfer bei Herz-Kreislauf-Stillstand einer Person zu alarmieren. Somit kann schon vor Eintreffen des Rettungsdienstes mit lebensrettenden Maßnahmen begonnen werden - das sind wertvolle Minuten. Unser neues Ersthelfersystem ist ein Pilotprojekt zur zeitgemäßen Ergänzung der bestehenden Rettungskette im Kreis Neuwied", erläutert Landrat Achim Hallerbach.

Seit Mitte Juli 2026 ist ProHerzschlag im Live-Betrieb und hat bereits erste reale Alarmierungen ausgelöst. In einer simulierten Alarmierung während der Pressekonferenz demonstrierten die Beteiligten, wie das System in die bestehende Rettungskette integriert ist. "Der Start markiert dabei nicht den Abschluss, sondern den Beginn des weiteren Aufbaus eines flächendeckenden Ersthelfer-Netzwerks in unserem Landkreis", so Hallerbach weiter. Geplant ist auch die schnelle Einführung in den Kreisen Altenkirchen, Westerwald und dem Rhein-Lahnkreis.

Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Minute, da ohne wirksame Wiederbelebungsmaßnahmen das Risiko irreversibler Schäden schnell steigt. Das System soll den Rettungsdienst nicht ersetzen, sondern ergänzen, um die sogenannte therapiefreie Zeit möglichst kurz zu halten, erklärt Dr. Christian Voigt, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst für den Rettungsdienstbereich Montabaur.

Die Funktionsweise von ProHerzschlag ist klar strukturiert: Bei einem Notruf mit Verdacht auf Herz-Kreislauf-Stillstand wird der Rettungsdienst alarmiert, und parallel dazu registrierte Ersthelferinnen und Ersthelfer in einem Umkreis von zwei Kilometern benachrichtigt. Die Einführung von ProHerzschlag ist ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der regionalen Notfallversorgung im Landkreis Neuwied.

Der Weg zum aktuellen Live-Betrieb begann im europäischen Vorgängerprojekt HEARTSAFE NWE. Mit dem Folgeprojekt HEARTSAFE 2.0 werden erfolgreiche Strukturen und Erkenntnisse aus den Niederlanden auf weitere europäische Regionen übertragen. Nathalie Pfafenrot von der HRCB Projekt GmbH betont: "Mit ProHerzschlag übertragen wir nicht einfach ein bestehendes System auf den Landkreis Neuwied. Der große Mehrwert von HEARTSAFE 2.0 liegt darin, dass wir auf langjährigen Erfahrungen aus den Niederlanden aufbauen."

Um langfristig ein dichtes Netzwerk qualifizierter Ersthelferinnen und Ersthelfer aufzubauen, bietet der Landkreis Schulungen an. Personen ohne medizinische Vorkenntnisse können eine Reanimationsschulung absolvieren, während medizinisch vorqualifizierte Personen ihre Qualifikation nachweisen und ein E-Learning abschließen können. Ziel ist es, die Überlebenschancen bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand weiter zu verbessern und die Rettungskette sinnvoll zu ergänzen. woti
Nachricht vom 13.08.2026 www.nr-kurier.de