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Nachricht vom 18.07.2026
Region
Nicole nörgelt...über die verlorene Eisenbahnromantik
Die Deutsche Bahn schafft es einfach immer wieder, sich mit neuen Hiobsbotschaften und schlechten Nachrichten ins Gespräch zu bringen. Wer soll da bitte noch das Gelingen seiner Dienst- oder Urlaubsreise in die Hände der Bahn legen, wenn die Bahn schon höchstselbst öffentlich davon abrät.
(Symbolfoto)KOLUMNE! Pünktlich zu Beginn der Sommerferien in Rheinland-Pfalz und der damit einhergehenden heißen Sommertage riet der Vorstand der Bahn doch tatsächlich in einem Aufruf davon ab, seine Ferienreise mit dem Zug zu machen, da auf Grund der hohen Temperaturen Schäden an Schwellen und Weichen und somit Zugausfälle zu erwarten seien. Ganz großes Kino für alle, die ihre Unterkunft schon lange gebucht und entsprechend auch die Tickets schon im Voraus erworben hatten. Liebe Deutsche Bahn, die meisten Menschen planen ihren Urlaub nicht spontan mit zwei Tagen Vorlauf, sondern schon etwas längerfristiger.

Doch damit nicht genug, nur kurz vorher strandeten wegen eines IT-Problems zahllose Gäste in deutschen Bahnhöfen und mussten mit Kind, Kegel und Gepäck auf den Bahnsteigen übernachten. Selbst der tschechische Verkehrsminister blieb nicht verschont und strandete an einem deutschen Bahnhof. Nicht so wirklich ein Aushängeschild für die früher vielgelobten Tugenden der Deutschen Bahn – von Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und komfortablem Reisen kann schon lange keine Rede mehr sein. Vor allem dann nicht, wenn schon ein Rückgang der Unpünktlichkeit als Erfolg gefeiert wird. Weniger schlecht als schlecht ist kein Aushängeschild.

Aus Stuttgart 21 wird Stuttgart 31
Zum quasi ungünstigsten Zeitpunkt erklären die Sprecher der Bahn, dass der neue Tiefbahnhof Stuttgart 21, der, wie der Name schon sagt, ursprünglich 2021 fertig sein sollte, ja deutliche Fortschritte mache. Welche das genau sind, gehen aus den Aussagen nicht so sehr deutlich hervor. Fest steht nur, dass die Fertigstellung nicht vor 2031 – aber was sind schon zehn Jahre Verzögerung bei einem Bauprojekt – erfolgen wird. Und teurer wird es leider auch um ein paar schlappe Milliarden.

Und dann sind da noch die ganzen ländlichen Bereiche, in denen noch ein paar vergessene Bahnschienen rumliegen, die jetzt plötzlich reaktiviert werden sollen, auch wenn so gut wie kein berufstätiger Mensch oder Schüler sie jemals wird nutzen können. Das einzige, was hier aber passiert, sind immer wieder Unfälle an den ganzen unbeschrankten Bahnübergängen. Denn wo zwanzig Jahre kein Zug gefahren ist, rechnet einfach niemand mehr mit einem plötzlich aus dem Nichts auftauchenden Zug. Wenn die Bahn diese Strecken reaktivieren will, dann gehören an diese Punkte beschrankte Bahnübergänge und zwar ohne wenn und aber. Und das kann nicht die Aufgabe der Ortsgemeinden sein.

In diesem Sinne, die Zeit der Eisenbahnromantik scheint vorbei zu sein. Die Bahn sollte sich dringend mit ihren Problemen auseinander setzen und zusehen, dass der Schienenverkehr wieder funktioniert, bevor sie sich an neue, hochtrabende Projekte begibt.

Ihre Nicole

Was ist eine satirische Kolumne?
Die satirische Kolumne ist ein regelmäßig erscheinender Meinungsbeitrag, der unter einem festen Namen und mit einer unverwechselbaren, persönlichen Handschrift wechselnde – meist aktuelle – Themen aufgreift. Sie gibt ausdrücklich die subjektive, oft satirisch zugespitzte Sicht der Autorin wieder und erhebt bewusst keinen Anspruch auf ausgewogene Berichterstattung. „Nicole" ist dabei eine fiktive Kunstfigur, durch die gesellschaftliche Themen pointiert kommentiert werden.
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Quelle: 1784376072