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| Nachricht vom 06.07.2026 |
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| Trotz Förderprogrammen und Eigenausbau: Noch immer bleiben Adressen ohne Glasfaser |
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| Bis zum Jahr 2030 soll jeder Haushalt und jedes Unternehmen in Deutschland mit einem eigenen Glasfaseranschluss versorgt sein, so das erklärte Ziel der Bundesregierung. Doch noch kommt es dabei zu Problemen, wie ein Fall aus Neuwied zeigt. |
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Neuwied. Deutschland soll mit schnellem Internet versorgt werden, um der Digitalisierung gerecht zu werden. "Jeder Mensch benötigt daher die Möglichkeit, wachsende Datenmengen schnell, sicher und energiesparend zu empfangen und abzurufen", heißt es dazu vom Gigabitbüro des Bundes. Bis zum Jahr 2030 soll demnach jedes Haus einen Glasfaseranschluss erhalten. Und in vielen Orten geht es tatsächlich gut voran: Glasfaser wird verlegt, die Haushalte werden mit schnellem Internet versorgt. Um das zu gewährleisten, gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Zum einen können private Telekommunikationsunternehmen eigenwirtschaftlich ausbauen. Das passiert in der Regel, wenn vorab in einem Ausbaugebiet eine ausreichende Anzahl an Vorverträgen abgeschlossen worden ist und das Unternehmen weiß, dass sich der Glasfaser-Ausbau wirtschaftlich lohnt. Wo diese Quote an Vorverträgen nicht erfüllt wird und private Unternehmen den Ausbau ablehnen, springt die staatliche Förderung ein. Im Rahmen der "Weiße Flecken"- und "Graue Flecken"-Programme soll der Glasfaser-Ausbau in Gebieten mit einer Downloadgeschwindigkeit von weniger als 30 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) beziehungsweise weniger als 100 Megabit Mbit/s finanziell gefördert werden.
Der Landkreis Neuwied hat im Jahr 2022 als erster Landkreis in Rheinland-Pfalz die Förderzusage zum "Graue Flecken"-Programm erhalten. 35,12 Millionen Euro kamen vom Land, weitere 43,9 Millionen Euro vom Bund und der Kreis selbst brachte einen Eigenanteil von fast neun Millionen Euro auf. "Das 'Graue Flecken'-Programm hat zum Ziel, Glasfaser mit Bandbreiten von mindestens ein Gigabit pro Sekunde auch in die Gegenden zu bringen, in der privatwirtschaftliche Telekommunikationsunternehmen einen Ausbau für unwirtschaftlich halten. Im Kreis Neuwied sind (…) dafür rund 9.000 unterversorgte Adressen in der Stadt Neuwied sowie den Verbandsgemeinden Asbach, Bad Hönningen, Dierdorf, Linz und Unkel identifiziert worden", hieß es damals in einer Mitteilung der Kreisverwaltung. Im Jahr 2024 betonte die Kreisverwaltung zudem: "Ziel des Graue-Flecken-Förderprogramms und somit Ziel der Kreisverwaltung ist es, den gesamten Landkreis flächendeckend mit schnellem Internet zu versorgen."
Langsames Internet, aber trotzdem kein Ausbau geplant
Umso verwunderlicher ist es, dass es immer noch Adressen im Kreis gibt, in denen der Glasfaser-Ausbau auf absehbare Zeit nicht realisiert wird - und das nicht nur in ländlichen Gebieten, in denen die Zuständigkeiten unklar sind, sondern selbst in der Kreisstadt Neuwied, an der Bundesstraße 42. Fabien Scherbarth stehen in seinem Haus in der Berggärtenstraße etwa 30 Mbit/s im Download und rund 12 Mbit/s im Upload zur Verfügung. Auch das direkt angrenzende Gebäude der Shell-Tankstelle weist Scherbarths Aussage zufolge eine vergleichbare Versorgungssituation auf. "Im Laufe der vergangenen Monate habe ich Kontakt mit dem Gigabitbüro des Bundes, der Kreisverwaltung Neuwied, den Stadtwerken Neuwied, der Deutschen Telekom sowie der GlasfaserPlus aufgenommen", erklärt Scherbarth dem NR-Kurier. "Doch jede Stelle äußerte sich mir gegenüber so, dass kein Ausbau an meinem Haus geplant sei. Ich finde es bemerkenswert, dass meine Adresse offenbar weder im Rahmen des 'Weiße Flecken'-Programms noch im Rahmen des 'Graue Flecken'-Programms berücksichtigt wurde, obwohl die tatsächliche Versorgung bis heute bei etwa 30 Mbit/s liegt", so der IT-Systemadministrator, der im Home Office auf eine stabile und schnelle Internetverbindung angewiesen ist.
Weil ihm niemand weiterhelfen konnte, hat sich Scherbarth zunächst selbst schlau gemacht. "Die Cluster-beziehungsweise Rasterdarstellung der Breitbandversorgung im Bereich meiner Straße lässt nahe liegen, dass die Zuordnung meines Bereichs innerhalb eines größeren Clusters möglicherweise dazu geführt hat, dass besser versorgte Bereiche die Bewertung beeinflusst haben", erklärt er im Gespräch. "Aber das ändert nichts daran, dass mir real manchmal nur 20 bis 25 Mbit/s zur Verfügung stehen." Zudem ärgert ihn, dass der Glasfaser-Ausbau nur wenige Straßen von seiner Adresse entfernt sehr wohl realisiert wird. Auf die Frage, ob seine Adresse im Verteilerkasten berücksichtigt werden könnte, erhielt er eine abschlägige Antwort. "Mir liegt sogar ein Trassenplan vor, aus dem hervorgeht, dass die Anbindung des benachbarten Gebäudes über mein Grundstück erfolgt." Nur bei Scherbarth selbst ist weiterhin kein Glasfaser vorgesehen - nicht im eigenwirtschaftlichen Ausbau durch die Telekom oder GlasfaserPlus, aber trotzdem genauso wenig im Rahmen eines Förderprogramms. "Mir geht es dabei nicht um eine persönliche Beschwerde, sondern vielmehr um die grundsätzliche Frage, wie es trotz mehrerer Förderprogramme und des erklärten Ziels einer nahezu flächendeckenden Versorgung zu solchen Einzelfällen kommen kann."
Um diese Frage zu klären und eventuell doch noch schnelles Internet zu bekommen, hat Scherbarth über Monate hinweg immer wieder den Kontakt zur Kreisverwaltung und den Stadtwerken Neuwied (SWN) gesucht, die den Glasfaser-Ausbau in der Stadt Neuwied durchführen. "Die Kreisverwaltung Neuwied erklärte mir nach langem Hin und Her schließlich, dass meine Adresse damals gemeinsam mit der Stadt Neuwied aus dem Fördergebiet herausgenommen wurde und räumte dabei wörtlich ein, dass die damalige Entscheidung möglicherweise falsch gewesen sein könnte. Eine nachträgliche Aufnahme sei inzwischen jedoch organisatorisch nicht mehr möglich."
Keine konkreten Aussagen über Ausbau zum späteren Zeitpunkt
"Derzeit ist für diesen Standort kein aktives Ausbauvorhaben geplant", gibt die Telekom auf Anfrage an. Ob sich das ändert, ist zwar im Bereich des Möglichen, auf konkrete Pläne oder eine zeitliche Perspektive kann Fabien Scherbarth allerdings nicht setzen: "Unser Ausbauportfolio wird jedoch regelmäßig überprüft und erweitert, sodass ein zukünftiger Ausbau an dieser Adresse nicht ausgeschlossen werden kann", so die Telekom weiter. Grundsätzlich erfolge die Planung für den Glasfaserausbau auf Basis verschiedener Faktoren wie der bestehenden Netzstruktur, der baulichen Gegebenheiten und der lokalen Nachfrage. "Sollten sich an diesen Parametern Änderungen ergeben oder neue Förderprogramme greifen, könnte eine Aufnahme des Standorts in ein zukünftiges Ausbauvorhaben möglich werden." Auch die GlasfaserPlus bestätigt dem NR-Kurier, dass die Adresse derzeit nicht in ihrem Ausbaugebiet vorgesehen ist.
Die Stadtwerke Neuwied erklären auf Anfrage, dass eine Glasfaser-Anbindung der betreffenden Adresse zwar grundsätzlich technisch möglich sei, "allerdings würden in diesem Fall die für einen Glasfaseranschluss erforderlichen Tiefbau- und Erschließungsmaßnahmen über 100 Meter Strecke unverhältnismäßig teuer werden und hohe Kosten im mittleren fünfstelligen Bereich verursachen". Denn das Problem sei, dass die Glasfaserleitung in der Nähe der benachbarten, viel frequentierten Shell-Tankstelle liege. Daraufhin habe man vonseiten der SWN geprüft, ob durch einen weitergehenden Ausbau des umliegenden Gebietes eine wirtschaftlich tragfähige Erschließung möglich gewesen wäre. "Aufgrund der vorhandenen Bebauungsstruktur und der vergleichsweise geringen Anschlussdichte ließ sich kein wirtschaftlich darstellbares Ausbaukonzept entwickeln. Deshalb konnte die Adresse bislang nicht in die Ausbauplanung aufgenommen werden", so die SWN. "Wenn im Bereich der betreffenden Adresse künftig Baumaßnahmen an den Strom-, Gas- oder Wassernetzen erforderlich werden, prüfen wir, ob Glasfaser mitverlegt werden kann." Konkrete Aussagen zu Zeitpunkt und Umfang möglicher Maßnahmen können derzeit jedoch nicht getroffen werden.
Adresse nach Markterkundungsverfahren ausgeschieden?
Auf die Frage, warum die Adresse weder im Rahmen des Weiße-Flecken-Programms noch im Rahmen des Graue-Flecken-Programms berücksichtigt wurde, obwohl die tatsächliche Versorgung bis heute bei etwa 30 Mbit/s liegt, verweisen die SWN auf die Kreisverwaltung, bei der die Ausgestaltung und Durchführung der Förderprogramme lag. Sie erklären aber auch: "Die Auswahl der im Rahmen der Förderprogramme berücksichtigten Adressen erfolgte auf Grundlage der jeweils geltenden Förderkriterien sowie der zugrunde liegenden Markterkundungs- und Förderverfahren. Bei dem Markterkundungsverfahren wird jeder Telekommunikationsanbieter angefragt, wie viel Mbit/s sie an eine Adresse liefern können. Nach den im Breitbandatlas der Bundesnetzagentur veröffentlichten Daten bestehen an der genannten Adresse verschiedene Breitbandversorgungsmöglichkeiten. Darin steht, dass Vodafone an der Adresse nahezu 1 Gigabit pro Sekunde liefern könnte. Wir vermuten daher, dass diese Daten übernommen wurden und die Adresse somit aus dem Förderprogramm ausgeschieden ist." Wie Fabien Scherbarth angibt, bringe ihm das allerdings nichts, weil auch Vodafone keinen eigenwirtschaftlichen Ausbau plant, wie er selbst auf Nachfrage erfahren hat.
Die Kreisverwaltung Neuwied, die vor wenigen Wochen noch bekannt gab, dass der Breitbandausbau im Kreis Neuwied "deutliche Fortschritte" mache, hat sich auf Anfrage nicht zu der Thematik geäußert. Für Fabien Scherbarth bleibt weiter unklar, ob, wie und wann er ans Glasfasernetz angebunden wird. "Ich kann nicht glauben, dass ein Haus an einer Hauptverkehrsstraße in einer Kreisstadt kein Glasfaser bekommen kann, während überall der Ausbau voranschreitet. Ich hoffe jetzt einfach, dass meine Adresse wenigstens bei späteren Ausbauvorhaben berücksichtigt wird. Und dass irgendwann ersichtlich wird, wo gegebenenfalls der Fehler in diesem Fall lag." |
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| Nachricht vom 06.07.2026 |
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