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Nachricht vom 30.06.2026
Rheinland-Pfalz
Verbraucherbeschwerden in Rheinland-Pfalz: KI, Dropshipping und High-Protein-Produkte im Fokus
Im Jahr 2025 verzeichnete die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz einen deutlichen Anstieg an Beschwerden. Besonders im Bereich der Künstlichen Intelligenz, des Dropshippings und bei High-Protein-Produkten sorgten diverse Probleme für Unmut unter den Verbrauchern.
High Protein-Schild. Foto: Rolf Vennenbernd/dpaMainz. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz fordert von Unternehmen, dass auch in Zukunft menschliche Ansprechpartner im Kundenservice verfügbar bleiben. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) erleichtere viele Aufgaben, führe jedoch zunehmend zu Schwierigkeiten im Kundenkontakt. Im Jahr 2025 gab es zahlreiche Beschwerden über Chatbots und KI-Systeme, die Anfragen oft nicht korrekt bearbeiteten. "Da wünscht man sich die Zeiten zurück, dass man mal eine Stunde in der Hotline gewartet hat", sagte Heike Troue, Vorständin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, bei der Vorstellung des Jahresberichts 2025 in Mainz. Unternehmen sollten klar und transparent informieren, wenn der Kundenkontakt ausschließlich über KI-Systeme erfolgt.

Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz konzentrierte sich 2025 neben Beratungen auch auf Aufklärungsarbeit. Ein Schwerpunkt war das Dropshipping - ein Online-Handelsmodell, bei dem Shops Bestellungen nur weiterleiten und die Ware direkt vom Hersteller oder Großhändler an die Kunden senden lassen. In Rheinland-Pfalz führten lange Lieferzeiten, schwierige Reklamationswege und unerwartete Rücksendebedingungen häufig zu Ärger. Die Verbraucherzentrale reagierte mit einer Video-Kampagne, um über Risiken und typische Fallstricke aufzuklären.

Ein weiteres Thema war der Boom bei High-Protein-Produkten. Viele Lebensmittel würden mit hohem Eiweißgehalt beworben, "aber nicht jedes Versprechen hält hier einer genauen Überprüfung stand", so Troue. Aufklärung sei entscheidend: "Manchmal reicht es schon einfach, eine Packung Quark aus dem Kühlregal zu kaufen und zu konsumieren, um praktisch den gleichen Effekt zu erreichen."

Insgesamt gingen 2025 rund 25.500 Beschwerden bei der Organisation ein, nach gut 21.000 im Vorjahr. Mehr als 5.000 schriftliche Hinweise auf mögliche Rechtsverstöße von Unternehmen wurden eingereicht - ein Höchststand nach rund 3.600 im Jahr 2024. Diese Beschwerdehinweise unterscheiden sich von allgemeinen Beschwerden dadurch, dass sie schriftlich eingereicht und gezielt auf mögliche Rechtsverstöße geprüft werden können. Sie dienen oft als Grundlage für rechtliche Schritte wie Abmahnungen oder Unterlassungsklagen.

Nach Angaben der Verbraucherzentrale sind Beschwerden weit mehr als Einzelfälle. Sie zeigen, wo Märkte nicht funktionieren und Verbraucherrechte systematisch verletzt werden. Neben individueller Beratung setzt die Organisation verstärkt auf Informationsangebote. Verbraucher konnten sich sowohl in persönlichen Beratungen als auch bei Webseminaren und Vorträgen über aktuelle Verbraucherthemen informieren.

Zur Durchsetzung von Verbraucherrechten stehen der Verbraucherzentrale verschiedene Instrumente zur Verfügung. Einzelklagen kommen dann infrage, wenn ein hoher individueller Schaden entstanden ist. Mit Abmahnungen und Unterlassungsklagen können Rechtsverstöße von Unternehmen oft schnell gestoppt werden. Unternehmen müssen ihr rechtswidriges Verhalten ändern, der faire Wettbewerb wird gestärkt. Sammelklagen bündeln Verbraucheransprüche mehrerer Menschen zu einem Thema, wurden in Rheinland-Pfalz jedoch bisher nicht eingesetzt. Die Verbraucherzentrale plant, dies ab dem kommenden Jahr zu ändern.

Ein Beispiel für die erfolgreiche Rechtsdurchsetzung war eine Abmahnung gegen einen Parkraumbewirtschafter. Teile der Allgemeinen Geschäftsbedingungen waren lediglich in einer Schriftgröße von rund vier Millimetern abgedruckt. Zudem waren Vertragsbestandteile unzureichend erläutert. Die Abmahnung hatte Erfolg, der Anbieter lenkte ein, und die kritisierten Schilder wurden entfernt.

Die Verbraucherzentrale bereitet sich auch auf neue Verbraucherthemen vor. Die European Digital Identity Wallet (EUDI-Wallet), eine staatlich anerkannte digitale Brieftasche, die 2027 eingeführt werden soll, werde ein "Gamechanger" sein, sagte Troue. Sie könne neben dem digitalen Ausweis auch Führerschein, E-Akte und Zeugnisse tragen. Nutzer könnten sich damit im Internet sicher ausweisen - gerade dort, wo Betrugsversuche häufig seien. Gleichzeitig entstünden dadurch neue Verbraucherschutzfragen, und die Verbraucherzentrale bereite bereits Informationsveranstaltungen zur digitalen Identität vor. (dpa/bearbeitet durch Red)
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