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| Nachricht vom 11.06.2026 |
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| Rätsel um verschwundene Siedlung: Neue Hinweise auf "Dörfchen Berg" bei Rheinbreitbach |
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| Es war einmal ein Dorf… Seit vielen Jahren hält sich unter Heimatforschern und Geschichtsinteressierten in Rheinbreitbach die Überlieferung eines verschwundenen Ortes namens "Berg". |
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Rheinbreitbach. Erwähnungen in der Dorfchronik sowie mündliche Überlieferungen deuten darauf hin, dass zwischen Rheinbreitbach und Unkel-Scheuren einst eine kleine Ansiedlung existiert haben könnte, die möglicherweise während oder nach dem Dreißigjährigen Krieg aufgegeben wurde. Auch Eintragungen in historischen Kirchen- und Geburtenregistern sollen auf die Existenz des Ortes hinweisen. Bislang fehlten jedoch konkrete Hinweise auf dessen tatsächliche Lage. Neue Auswertungen historischer Luftbilder und moderner Geländedaten könnten nun erstmals nähere Anhaltspunkte liefern.
Der Lokalhistoriker Thomas Napp befasst sich schon seit Längerem mit der Geschichte des kleinen Ortes. Er erzählt, dass die neuen Erkenntnisse nun dazu geführt haben, dass auch die Außenstelle der Landesarchäologie in Koblenz eine Akte über "Berg" angelegt hat. Ein erster Hinweis findet sich in einem Zeitungsbericht aus der Honnefer Volkszeitung von 1895, in dem von einem Keramik- und Geschirrfund auf einem Acker zwischen Rheinbreitbach und Scheuren berichtet wird. Demnach sollen auf dem Feld versteckte Geschirrteile entdeckt worden sein, die Datierungen aus der Zeit 1320 trugen. Ein genauer Fundort wurde damals allerdings nicht dokumentiert.
"Bis in die 1930er Jahre hinein war der Ort beziehungsweise seine Geschichte noch recht präsent in der Bevölkerung", erklärt Thomas Napp. "Sowas war beispielsweise auch Thema im Heimatkundeunterricht in der Schule." Später sei der Ort aber in Vergessenheit geraten, die Gegend immer mehr überwuchert worden. "Es gibt allerdings ein Märchen, in dem es um den Ort geht", weiß Napp. "Und da Märchen oft ein wahren Kern haben, habe ich angefangen nachzuforschen." Er habe bei Älteren gefragt, ob sie sich noch an Überlieferungen erinnern können. Einige haben Napp auch ihre Familienchroniken zur Verfügung gestellt, in denen der Ort erwähnt wurde. "Und ich habe mir viele Karten, auch moderne Auswertungen, angeschaut. Irgendwann bekommt man einen Blick dafür, wo etwas sein könnte."
Neue Hinweise durch Luftbilder und Geländedarstellung
Neue Aufmerksamkeit erhielt das Gebiet im Rahmen von Recherchen zum 80. Jahrestag des Kriegsendes in Rheinbreitbach. Dabei tauchte ein Luftbild der US-Armee aus dem März 1945 auf, das große Teile der damals noch unbebauten Flächen zwischen Rheinbreitbach und Unkel-Scheuren zeigt. Auf dem Bild ist im Bereich eines bewachsenen Geländes eine auffällige rechteckige Struktur erkennbar, die auf einen umlaufenden Graben sowie eine zentrale Erhebung hindeuten könnte. Da die Stelle heute dicht bewachsen ist, blieb eine genaue Einordnung allein anhand der historischen Luftaufnahmen schwierig.
Zusätzliche Hinweise liefert nun jedoch eine moderne LiDAR-Geländedarstellung ("Light Detection and Ranging"). Diese Technik ermöglicht es, Geländeformen selbst unter dichter Vegetation sichtbar zu machen; es handelt sich dabei einen bundesweit nahezu flächendeckenden Kartenservice, der beispielsweise von Geologen genutzt wird oder etwa auch bei Bauvorhaben. "Das funktioniert im Prinzip wie ein Radar aus dem Luftraum", erklärt Thomas Napp, "und ist natürlich auch für Archäologen interessant." Auf den aktuellen Daten zum Ort "Berg" zeichnet sich an der betreffenden Stelle erneut eine annähernd quadratische Struktur mit möglichem Grabenverlauf ab. Ob es sich dabei tatsächlich um Überreste des überlieferten "Dörfchens Berg" handelt, lässt sich derzeit jedoch nicht sicher belegen. Ebenso offen bleibt die Frage, welche Funktion die Anlage ursprünglich hatte. Denkbar wären neben einer kleinen Siedlung auch ein befestigter Hof, eine ältere Wirtschaftsfläche oder eine kleinere Befestigungsanlage. Auch der Ortsname "Berg" lässt verschiedene Deutungen zu. Ob sich daraus Hinweise auf eine befestigte Anlage ableiten lassen, müsste durch weitere historische und sprachwissenschaftliche Untersuchungen geprüft werden.
Gewissheit durch archäologische Untersuchungen
Klar ist bislang vor allem eines: Die neuen Luftbild- und LiDAR-Auswertungen liefern erstmals konkrete Hinweise darauf, dass sich zwischen Rheinbreitbach und Unkel-Scheuren eine bislang nicht näher untersuchte historische Struktur befinden könnte. Gewissheit darüber könnten letztlich nur archäologische Untersuchungen bringen. Da sich das Gelände auf Privatgrund befindet, wären solche Untersuchungen allerdings nur mit Zustimmung der Eigentümer möglich.
"Ich habe bei der Landesarchäologie in Koblenz auch angefragt, ob wir dort mit einem professionellen Archäologen dort graben dürfen", erzählt Thomas Napp. "Davon abgesehen, dass dafür gewissen Rahmenbedingungen eingehalten werden müssen, ist das aber auch eine finanzielle Frage. Der nächste Schritt wäre daher erst einmal, die Stelle mittels Bodenradar weiter zu untersuchen." (rm)
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