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Nachricht vom 16.04.2026
Politik
100 Tage im Amt: Pierre Fischer treibt Digitalisierung und Bürgernähe voran
Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Rengsdorf-Waldbreitbach, Pierre Fischer, ist nun seit 100 Tagen in seinem Amt. Im Interview spricht er mit dem NR-Kurier über das bislang Erreichte und über seine weiteren Pläne.
Bürgermeister Pierre Fischer. Foto: Wolfgang TischlerRengsdorf-Waldbreitbach. Herr Fischer, was war Ihr erster Schwerpunkt nach Ihrem Amtsantritt am 1. Januar?
Pierre Fischer:
Ein erster Schwerpunkt meiner Arbeit lag auf der Digitalisierung der Verwaltung. Mir war wichtig, hier von Beginn an konkrete Fortschritte zu erzielen und Prozesse, wo sinnvoll, digital abzubilden – etwa durch die Einführung der digitalen Unterschrift. Besonders freut mich, dass diese Entwicklung zunehmend von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mitgetragen wird und viele eigene Ideen eingebracht werden. Unser Ziel ist es, Anträge künftig einfacher und nutzerfreundlicher digital stellen und bearbeiten zu können. Perspektivisch wird auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz eine Rolle spielen, die wir schrittweise und sinnvoll in unsere Abläufe integrieren wollen.

Es wird berichtet, dass Sie morgens als Erster im Büro seien, stimmt das?
Pierre Fischer:
Das stimmt, mein Tag im Büro beginnt meist zwischen 6 und 6.30 Uhr. Diese Zeit nutze ich bewusst, um in Ruhe zu arbeiten und Themen vorzubereiten, bevor der eigentliche Tagesbetrieb startet. Ab 8 Uhr folgen dann Termine und Abstimmungen mit meinen Mitarbeitern, die oft eng getaktet sind. Da kommen viele Themen zusammen, die abgestimmt werden müssen. Entsprechend werden die Tage auch mal länger – das gehört für mich dazu.

Wir haben festgestellt, dass die Öffentlichkeitsarbeit der Verbandsgemeinde zugenommen hat
Pierre Fischer:
Ja, wir haben unsere Öffentlichkeitsarbeit deutlich ausgebaut. Mir ist es wichtig, die Bürgerinnen und Bürger regelmäßig und transparent über zentrale Themen zu informieren. Dafür nutzen wir verschiedene Kanäle. In den neuen Bürgerbriefen greife ich zum Beispiel Themen wie das Wiedtal oder die Entwicklung der Wasser- und Abwassergebühren auf und erkläre die Hintergründe bewusst verständlich und nachvollziehbar.

Stichpunkt Wiedtal: Wie ist da der aktuelle Sachstand?
Pierre Fischer:
Nach verschiedenen Gesprächen auf allen Ebenen wurde uns zugesagt, dass zeitnah ein Vorbescheid für die Förderung der Sanierung vorliegen soll.
Sobald dieser da ist, werde ich das Gespräch mit der Else-Schütz-Stiftung suchen und ausloten, ob die ursprünglich zugesagte Spende in Höhe von 1,6 Millionen Euro doch noch realisiert werden kann. Bekanntlich musste die Stiftung ihre Zusage noch im vergangenen Jahr zurückziehen, da sich das Prüfverfahren zu lange hingezogen hat.
Wenn hier Klarheit besteht, können wir über den konkreten Umfang der Sanierung entscheiden.

Wie steht es um das Ehrenamt in der Verbandsgemeinde?
Pierre Fischer:
Das Ehrenamt spielt in unserer Verbandsgemeinde eine zentrale Rolle. Mir ist es wichtig, die Zusammenarbeit mit den Vereinen zu stärken und das Zusammenwachsen unserer Gemeinden weiter zu fördern. Ein sichtbares Zeichen dafür war unter anderem der gemeinsame Karnevals- und Prinzenempfang mit der Verleihung des Ordens der Verbandsgemeinde in Waldbreitbach. Auch kommende Veranstaltungen wie das Benefizfußballspiel am 8. Mai, bei dem eine Auswahl aus der Verbandsgemeinde und der Verwaltung gegen die Lottoelf antritt, tragen dazu bei. Ein weiterer Höhepunkt werden die Verbandsgemeindetage am 20. und 21. Juni 2026 unter dem Motto „Wir sind Rengsdorf-Waldbreitbach“ sein, bei denen wir die Vielfalt unserer Region gemeinsam sichtbar machen wollen.

Für das Zusammenwachsen spielt ja auch die L257 eine Rolle, die sehr marode ist
Pierre Fischer:
Richtig, die L257 ist in einem schlechten Zustand und muss dringend saniert werden. Das habe ich auch bei meinem Antrittsbesuch Ende Februar beim LBM in Cochem klar angesprochen. Nach der aktuellen Planung soll die Sanierung in vier Abschnitten erfolgen. Für den ersten Abschnitt von Niederbreitbach in Richtung Kurtscheid wurde mir zugesagt, dass hier zeitnah begonnen werden soll.

Bei Ihrer Antrittsrede war die medizinische Versorgung ein wichtiges Thema
Pierre Fischer:
Die medizinische Versorgung ist und bleibt eine der größten Herausforderungen in unserer Verbandsgemeinde. Trotz erster Fortschritte haben wir weiterhin zu wenige Ärztinnen und Ärzte vor Ort. Ein wichtiger Schritt war die Übergabe eines Förderbescheids an eine Ärztin, die einen Weiterbildungsassistenten ausbildet, der sich im Anschluss in unserer Verbandsgemeinde niederlassen oder hier tätig werden wird. Auch bei der kinderärztlichen Versorgung führen wir aktuell vielversprechende Gespräche. Dieses Thema hat für uns höchste Priorität – das unterstreichen auch die bereitgestellten Fördermittel in Höhe von 100.000 Euro.

Geben Sie unseren Lesern noch einen kurzen Ausblick auf die Wirtschaft in der Verbandsgemeinde
Pierre Fischer:
Die wirtschaftliche Entwicklung unserer Verbandsgemeinde ist dynamisch und bietet großes Potenzial. Mit einer zusätzlichen Wirtschaftsförderin bauen wir den Bereich Wirtschaftsförderung weiter aus. Wir wollen Unternehmen und Vereine künftig noch intensiver begleiten. Parallel arbeiten wir am Flächennutzungsplan, der auch neue Gewerbeflächen vorsieht. Besonders erfreulich ist, dass wir zahlreiche Anfragen von Unternehmen haben, die sich ansiedeln oder erweitern möchten. Was viele gar nicht wissen: In unserer Verbandsgemeinde sind bereits mehrere international tätige Unternehmen ansässig. Unser Ziel ist es, bestehende Arbeitsplätze zu sichern und neue Perspektiven vor Ort zu schaffen.

Herr Fischer, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Das Gespräch führte Wolfgang Tischler
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