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| Nachricht vom 10.04.2026 |
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| Rheinland-Pfalz |
| Zecken in Rheinland-Pfalz: Ganzjährig aktiv und neue Arten auf dem Vormarsch |
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| Steigende Temperaturen führen dazu, dass Zecken nun ganzjährig aktiv sind. Dies birgt Risiken für Spaziergänger, Haustiere und Landwirte. Worauf besonders zu achten ist. |
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Mainz/Koblenz. Zecken sind Experten zufolge nicht mehr nur im Sommer vermehrt unterwegs. "Anders als früher sind Zecken wegen steigender Temperaturen und milder Winter nicht mehr saisonal, sondern immer häufiger ganzjährig aktiv", sagte ein Sprecher des Naturschutzbunds (Nabu) in Rheinland-Pfalz. Zeckenexpertin Ute Mackenstedt von der Universität Hohenheim erwartet zudem einen Sommer mit hoher Zeckenaktivität. "Da der gesamte Entwicklungszyklus der Zecke - gemeint ist in diesem Fall der Gemeine Holzbock - mehrere Jahre dauert, hängt die Anzahl der Zecken, die jetzt auf Wirtsuche gehen, auch davon ab, wie viele den Winter überlebt haben", erklärte sie. Die kürzlich erlebten kalten Temperaturen hätten jedoch keinen großen Einfluss gehabt, da die Kälteperioden nicht lang genug waren. Der Gemeine Holzbock verträgt hohe Temperaturen gut, reagiert jedoch empfindlich auf niedrige Luftfeuchtigkeit und zieht sich bei Trockenheit in feuchtere Bodennähe zurück.
Längere Aktivitätszeiten
Das Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen in Rheinland-Pfalz berichtet, dass der Gemeine Holzbock vor allem bei Temperaturen zwischen etwa 7 Grad und 30 Grad aktiv ist. Untersuchungen zeigen eine Zunahme der Tage, an denen Zecken witterungsbedingt aktiv sein können, was auf den Einfluss des Klimawandels auf die Populationsdichte hinweist.
Neue Zecken und ihre Feinde
In Deutschland sind rund 20 Zeckenarten bekannt, wobei der Gemeine Holzbock am häufigsten vorkommt. "In den letzten Jahren tauchen aber auch immer häufiger Zeckenarten auf, die ursprünglich aus Südeuropa stammen", erläuterte der Nabu-Sprecher, darunter die Wiesenzecke. Im Rahmen eines Mitmachprojekts untersucht der Nabu die Aktivität dieser Arten. Natürliche Fressfeinde wie Vögel, Spinnen, Laufkäfer, Amphibien und Reptilien sowie bestimmte Pilzarten und Fadenwürmer helfen, die Zeckenpopulation einzudämmen.
Gesundheitsrisiken durch Zeckenbisse
Zecken stellen ein Gesundheitsrisiko dar, da sie Lyme-Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen können, so das Landesuntersuchungsamt. Die Anzahl der Borreliose-Fälle stieg 2025 im Vergleich zu den vier Jahren davor deutlich, blieb jedoch unter den Zahlen von 2012 bis 2020. FSME-Fallzahlen blieben konstant. Rheinland-Pfalz hat eine Meldepflicht für Borreliose eingeführt, um die Aufmerksamkeit gegenüber zeckenübertragenen Erkrankungen zu stärken. Schutzmaßnahmen gegen Zeckenbisse sind essenziell, und bei Bissen sollte die Zecke schnell entfernt werden.
Impfung empfohlen
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die FSME-Impfung für Personen in Risikogebieten oder in der Landwirtschaft Tätige. Auch Reisende in FSME-Risikogebiete sollten geimpft sein. In Rheinland-Pfalz gilt der Landkreis Birkenfeld als FSME-Risikogebiet. Haustiere können ebenfalls betroffen sein; das Bundesamt für Verbraucherschutz rät zur Wahl geeigneter Tierarzneimittel. Während Permethrin für Hunde geeignet ist, kann es bei Katzen schwere Vergiftungen verursachen - tierärztlicher Rat wird empfohlen.
Wo Zecken lauern
Zecken halten sich bevorzugt in dichten, niedrigen Kraut- und Strauchzonen mit feuchtem Kleinklima auf, wie Wälder, Waldränder, Wiesen und Flussauen. Nach einem Aufenthalt in solchen Gebieten sollte der Körper gründlich abgesucht werden. Geschlossene Kleidung bietet den besten Schutz, während Zeckensprays nur begrenzt wirken. (dpa/bearbeitet durch Red) |
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