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Nachricht vom 28.03.2026
Kultur
Crashkurs für Bekloppte beim Comedy-Abend mit Roberto Capitoni in Melsbach
Comedian Roberto Capitoni hatte zum 9. Comedy-Abend am 27. März in Melsbach zwei humoristische Kollegen eingeladen, Achim Knorr und Frank Fischer. Das Trio bot eine lachmuskelstrapazierende Mischung aus Running Gags mit Capitonis sizilianischem Onkel Luigi, selbstkritischer Ironie, Knorrs Standup-Comedy und Song-Miniaturen sowie Fischers skurrilen Alltagsgeschichten.
Comedian Roberto Capitoni. Fotos: Wolfgang TischlerMelsbach. Bürgermeister Holger Klein konnte im ausverkauften Bürgerhaus mit schmerzlichen Erfahrungen aus seinem Lehrerleben zum humorvollen Programm beitragen.

Optisch „leicht lädiert“ betrat Roberto Capitoni die Bühne und eruierte sogleich die Herkunft der Zuschauer, weil es „viel Geld kostet, um hierher zu kommen“. Der Schwabe jammerte, er müsse Geld sparen. Der Blick in den vorläufigen Rentenbescheid ließ ihn als von Enten gefütterten Rentner im Park sehen. Aber ultimative Tipps zum finanziellen Überleben wie ein QR-Code für Pfandflaschen auf dem Arm hatte er auch parat.

Zum Thema Ostern gab Roberto Weisheiten seines Onkels Luigi aus Palermo zum Besten. Zum Thema sexuelle Aufklärung trug er eigene Erkenntnisse durch seine italienisch-deutschen Eltern, den Sexualkundeunterricht seiner Tochter, Filmszenen und Fragen an Dr. Sommer bei.

Unübersehbare Symptome des Alterns quälen den Lahnsteiner: unflexible Haut auf dem Handrücken, der Zwang, das Gesicht neu zu kalibrieren, Geräusche beim Hinsetzen und Aufstehen, schwächere Augen und E-Mails für Senioren-Hilfsmittel.

Frank Fischer hatte es sich gegönnt, mit dem Auto aus Mainz anzureisen, obwohl die Bahn ein Geschenk für alle Komiker sei. Die Mitreisenden fand er in dieser Funktion „super“ und geeignet zum nachhaltigen Verladen, sei es, indem er Mordgeständnisse auf seinem Computer tippt, sich in Telefongespräche einklinkt oder ein Agentenspiel mit USB-Stick spielt. Es ist so leicht, Mitreisende zu vergraulen.

Mit Loop, Gitarre und Song-Miniaturen brachte Achim Knorr das Publikum zum Lachen. Die Hymne für Pferde fand ein plötzliches Ende, ebenso das Lied „Tempolimit“, und das „Lied für einen Vogel auf Französisch“ erwies sich als traurige Geschichte. „Wie schön alles so sein könnte“, demonstrierte der Künstler durch Trommelmusik ohne Instrument. Auch eine Kneipe und eine Unke sowie dicke Bohnen brachte er witzig im Gesang unter.

Knorrs Kompetenz sind feinsinnige – sprachliche Spielereien, die zum Mitdenken animieren, wie der Wolf, der unter „Schafmangel“ leidet oder das ultrakurze Lied über eine Schlange, in dem gestern, heute und morgen enthalten sind.

Den schwäbischen Sparzwang unterstützt nach Knorrs Erfahrung die wiederverschließbare Prinzenrolle, denn die 50 Gramm gratis erhält man mit zwei Keksen und einmal abbeißen. Der Comedian weiß auch, wie man die KI leicht aus dem Konzept bringen kann, sodass Roboter durch Roboter ersetzt werden.

Im zweiten Auftritt empfahl Frank Fischer umgedrehte Kundengespräche und skurrile Reaktionen nach dem Motto „Du musst bekloppter sein als andere“. Das bringt viel Spaß im Leben.

Viel Spaß kann man auch beim zehnjährigen Jubiläum des Melsbacher Comedy-Abends am 5. März des kommenden Jahres mit vier Comedians erwarten. htv
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