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Nachricht vom 02.03.2026
Kultur
Waldbreitbach: Wo Hase und Ratte sich gute Nacht sagen
Trotz des Kriegsgeschehens im Iran ließ das Hotel zur Post in Waldbreitbach Tim Becker auftreten, um dem Publikum zwei Stunden zu schenken, in denen es einfach mal abschalten konnte. Der Comedian, Stand-up-Künstler und Bauchredner hatte am 1. März etliche Helfer mitgebracht, die mal lieb, mal kess oder frech die Show belebten. Programmtitel und Motto des kritisch kommentierenden Hasen lauteten: "Schnauze!"
Fotos: Wolfgang TischlerWaldbreitbach. Eine kleine, kurzlebige Made, ein Fliegenpilz mit Alpina-weiß-Tick, ein im doppelten Wortsinn süßer Donut, der als Therapeut arbeitet, um nicht gegessen zu werden, entlockten dem Künstler persönliche Bekenntnisse und gaben vielfältige Gags zum Besten.

Es handele sich um eine Vorpremiere, ein Programm, das es so nie wieder geben werde, erklärte Becker. Um das Publikum zu verlässlichem Applaus zu verpflichten, gemäß dem Schwur „In guten wie in schlechten Witzen“, heiratete der Bauchredner die Zuschauer für 90 Minuten. Wer könnte ein besserer Standesbeamter sein als die Ratte Konstantin Opel aus der Berliner Kanalisation? Nach seiner Erfahrung ist Liebe nicht romantisch, sondern Organisation und gleicht einem Fischbrötchen.

Der herbeigezauberte Hase musste wegen seiner Frechheit wieder in der Versenkung verschwinden, eine redende Samenzelle war deprimiert, weil sie auf dem Weg zu einer Eizelle nur Zweite geworden war, und ein großer innerer Schweinehund machte sich als Demotivationscoach unbeliebt.

Da der Hase in der Pause den Künstler geknebelt hatte, verlegte der sich erfolgreich auf Zauberei. Der Hase musste zur Strafe Zuschauerfragen beantworten, zum Beispiel: „Was tragen Hasen unter dem Kilt?“

Das Duo „Fusselglanz“, zwei sehr selbstbewusste Travestiekünstler mit Glamour und Glanz, schaute arrogant auf die Besucher herab: „Menschen, die glauben, sie wären Publikum, dabei sind sie nur Dekoration.“

Als Jugendberater hatte Becker sein Patenkind „Kevin Klappmaul“ in der Tasche. Kevin wies den Älteren zurecht: „Wir haben noch Updates, du hast Erinnerungen. Fang an, relevant zu sein!“

Da mitten in der Show der Tisch auseinanderfiel, zeigte Tim Becker spontan handwerkliche Fähigkeiten. Anschließend gewährte er einem niedlichen, verschmusten Hai Asyl in der Badewanne, bis das Meer wieder sauber und lebenswert sei. Dagegen machte der Bestatter Schlotzmann aus Recklinghausen als „Final Event Manager“ Geschäfte mit dem Tod. Seine Anwesenheit in der Show galt der Akquise, weil das Publikum genau seine Zielgruppe sei.

Zwar forderte Becker ein paar Mal das Ehegelöbnis ein, aber das Publikum hatte auch ohne Anmahnung viel zu lachen und ließ den Allround-Künstler erst nach Zugabe von der Bühne gehen.

Auf dieser Bühne werden am 22. März die beiden Koblenzer Willi & Ernst mit „Programm Nr. 7 – Verflixt nochemol!“ Spaß verbreiten. htv


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