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| Nachricht vom 10.02.2026 |
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| Region |
| Der Doppelmord von Koblenz-Horchheim – ein Verbrechen, viele Fragen |
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| Im Juli 2011 wurden zwei Menschen in ihrer eigenen Wohnung in Koblenz-Horchheim getötet. Der Fall beschäftigte Ermittler, Justiz und Öffentlichkeit über Jahre hinweg – und wirft bis heute Fragen auf. Neue Aufmerksamkeit erhält das Verbrechen nun durch eine aktuelle Podcastfolge. |
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Koblenz-Horchheim. Es ist ein Fall, der sich tief in das kollektive Gedächtnis der Region eingebrannt hat. In der Nacht im Juli 2011 wurden Heinrich und Waltraud S., ein Rentnerehepaar aus Koblenz-Horchheim, in ihrer Wohnung ermordet. Beide starben durch zahlreiche Messerstiche – Heinrich wurde leblos im Badezimmer gefunden, Waltraud im gemeinsamen Bett. Die Tat wies von Beginn an eine Besonderheit auf, die Ermittler wie Öffentlichkeit beschäftigte: Ein Hausschlüssel lag gut sichtbar im Beet neben den Eingangsstufen des Hauses.
Eine detaillierte und aktuelle Rekonstruktion des Falls liefert der Podcast „Sisters in Crime – Frauen, die töten“, in welchem die Hosts Jule Gölsdorf und Karolin Kandler die Ereignisse rund um den Doppelmord nachzeichnen und diese auf Grundlage öffentlich bekannter Ermittlungs- und Gerichtsakten sowie zeitgenössischer Berichterstattung einordnen.
Ermittlungen mit vielen offenen Fragen
Nach dem Auffinden der Leichen begannen umfangreiche Ermittlungen. Ein klassischer Einbruch ließ sich nicht eindeutig belegen, auch ein klares Täterprofil ergab sich zunächst nicht. Die Spurenlage galt von Beginn an als schwierig und der offen platzierte Hausschlüssel warf ebenfalls früh Fragen auf: Wurde der Täter damals hereingelassen – oder sollte gezielt der Eindruck entstehen, es habe kein gewaltsames Eindringen gegeben?
Im Laufe der Ermittlungen rückte auch das familiäre Umfeld der Getöteten in den Fokus. Insbesondere die Schwiegertochter Henrike S. geriet unter Verdacht. Für den Tatzeitraum verfügte sie über kein belastbares Alibi, zudem prüften die Ermittler ein mögliches finanzielles Motiv. Die Beschuldigte bestritt die Tat jedoch von Beginn an.
Familie im Visier der Ermittler
Der Fall entwickelte sich zunehmend zu einem komplexen Indizienverfahren. Während der Sohn der Getöteten laut übereinstimmenden Berichten als tief erschüttert beschrieben wurde, konzentrierten sich die Ermittlungen auf seine Ehefrau. Ob Henrike S. zu einer derart brutalen Tat fähig gewesen sein könnte, wird zum zentralen Streitpunkt – sowohl in der öffentlichen Wahrnehmung, als auch später vor Gericht.
Wie der Podcast aufarbeitet, fehlten direkte Tatzeugen ebenso wie eindeutige forensische Beweise. Stattdessen stützte sich die Anklage auf eine Vielzahl von Indizien, darunter Bewegungsprofile und zeitliche Rekonstruktionen. Diese Form der Beweisführung steht bis heute im Mittelpunkt der Diskussionen um den Fall.
Prozess in Koblenz
Der Mordprozess fand vor dem Landgericht Koblenz statt. Nach monatelanger Verhandlung wurde Henrike S. im August 2013 wegen Mordes an beiden Schwiegereltern zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Gericht stellte zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Das Urteil wurde später durch den Bundesgerichtshof bestätigt und damit rechtskräftig.
Mehr als 14 Jahre nach der Tat ist der Doppelmord von Koblenz-Horchheim weiterhin präsent – nicht nur in juristischen Rückblicken, sondern auch in der öffentlichen Auseinandersetzung mit Schuld, Motivation und der Rolle von Indizien in Mordprozessen.
Hörempfehlung
Die 43. Folge des kostenlosen Podcasts „Sisters in Crime – Frauen, die töten“ bietet eine umfassende und sachliche Aufarbeitung des Falls aus Koblenz-Horchheim. Ergänzend kommen mehrere Fachleute zu Wort, darunter der Rechtsmediziner Thomas Kamphausen, der Psychologe Christian Lüdke und der Kriminologe Manuel Heinemann. Mit Einordnung durch die Experten und einer klaren chronologischen Darstellung liefert die Folge eine fundierte Grundlage für alle, die sich intensiver mit dem Verbrechen beschäftigen möchten. |
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