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Pressemitteilung vom 28.01.2026
Region
Kinder zeigen ihre Sicht: Neues Beteiligungsprojekt startet in Neuwied
Neuwied rückt bei einem neuen Beteiligungsformat erstmals systematisch die Sicht von Kindern und Jugendlichen in den Fokus. Mit dem Projekt "Check dein Viertel" sollen junge Menschen künftig bewerten, wie sie ihren Stadtteil erleben und welche Verbesserungen sie sich wünschen. 2026 startet ein Pilot in Feldkirchen, anschließend folgen weitere Stadtteile in festgelegten Abständen.
Gemeinsam für mehr Beteiligung: Bürgermeister Peter Jung, Sonja Jensen (links) und Eva Falkenburg stellen das neue Projekt „Check dein Viertel“ vor und machen Kinder und Jugendliche zu Experten für ihre Stadtteile. Sie versprechen: „Wir hören zu!“ (Foto: Stadt Neuwied / Felix Banaski)Neuwied. Kinder- und Jugendbeteiligung hat in Neuwied einen hohen Stellenwert. Dieser Ansatz wird nun um ein weiteres Format erweitert, das im gesamten Stadtgebiet wirken soll. Das Projekt "Check dein Viertel" ermöglicht jungen Menschen die aktive Mitwirkung an der Gestaltung ihres Lebensumfeldes. Die Stadt plant, in jedem Stadtteil zu prüfen, wie Kinder und Jugendliche ihre Umgebung wahrnehmen, welche Orte sie bevorzugen, welche Punkte sie kritisch sehen und welche Wünsche sie äußern. Das Vorgehen ist dabei klar strukturiert und langfristig angelegt. Nach dem Start in Feldkirchen wird alle eineinhalb Jahre ein weiterer Stadtteil in den Fokus genommen, bis eine vollständige Übersicht entstanden ist.

Ablauf des Stadtteilchecks
Kern des Projekts ist eine stadträumliche Erkundung. Kinder und Jugendliche begehen ihren Stadtteil entweder allein oder in kleinen Gruppen. Sie wählen selbstständig Orte aus, die sie besonders häufig nutzen oder bei denen sie Bedarf sehen, etwa Schulwege, Spielplätze, Bushaltestellen oder Treffpunkte. Während dieser Begehungen sammeln sie ihre Eindrücke. Positives und Negatives werden festgehalten und später digital eingetragen. Die Ergebnisse fließen auf eine interaktive Karte, die vom Kinder- und Jugendbüro betreut wird. Unterstützt wird der Prozess durch das Ordnungsamt. Ziel ist eine systematische Erfassung aus Kinderperspektive.

Digitale Auswertung und Weitergabe
Die digitale Dokumentation stellt sicher, dass keine Hinweise verloren gehen. Im Verlauf der Auswertung werden die gesammelten Informationen geordnet und an zuständige Stellen der Stadtverwaltung weitergeleitet. Dazu zählen etwa Bauamt, Verkehrsplanung oder die Stadtbetriebe Neuwied. Die Verwaltung bewertet die Meldungen nach Umsetzbarkeit, Zuständigkeiten und Prioritäten. Aus Sicht der Stadt soll damit eine direkte Verbindung zwischen Beteiligung und Maßnahmen entstehen. Kinder und Jugendliche sollen erkennen, dass ihre Hinweise ernst genommen werden und zu Veränderungen führen können.

Stadtteilkonferenz als Abschluss
Jeder Stadtteilcheck endet mit einer Stadtteilkonferenz. Eingeladen werden alle beteiligten Kinder und Jugendlichen sowie Schulen, Kitas und Jugendeinrichtungen aus dem jeweiligen Gebiet. Ziel ist es, die Ergebnisse zu präsentieren und im Austausch zu vertiefen. Dabei werden gemeinsam Prioritäten gesetzt. Die jungen Teilnehmenden bestimmen, welche Themen ihnen wichtig sind und welche Punkte sie im Stadtteil verändern möchten. Der Jugendbeirat Neuwied begleitet das Format von Beginn an und übernimmt die Moderation der Konferenz. Zudem unterstützt der Beirat dabei, zwischen Verwaltung und junger Zielgruppe zu vermitteln.

Einbettung in die Kinderfreundliche Kommune
"Check dein Viertel" ist Bestandteil des Aktionsplans der Kinderfreundlichen Kommune Neuwied. Neuwied trägt als einzige Kommune in Rheinland-Pfalz das UNICEF-Siegel für eine konsequente Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Innerhalb dieses Rahmens entwickelt die Stadt bereits weitere Formate, etwa den Kinderrechte-Koffer für Kitas, die Woche der Kinderrechte oder das Förderprogramm "Lasst uns mal ran!". Die neuen Beteiligungsbausteine haben gemeinsam, dass sie konkrete Verbesserungen erzielen sollen. Dazu zählen sowohl bauliche als auch organisatorische Anpassungen im Alltag der jungen Bevölkerung. Mit dem Stadtteilcheck wird erstmals ein flächendeckendes und langfristiges Analyseverfahren eingeführt, das Erkenntnisse über mehrere Jahre hinweg sammelt.

Nutzen für Verwaltung und Stadtentwicklung
Die Beobachtungen der jungen Einwohner bieten Hinweise, die bei Planungsprozessen bisher selten berücksichtigt wurden. Dazu gehören Sicherheit auf Wegen, Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum, Ausstattung von Spiel- und Freizeitflächen oder Barrieren im Alltag. Die Stadt betrachtet diese Beobachtungen als wichtige Grundlage für eine zielgerichtete Weiterentwicklung. Gleichzeitig stärkt das Format das Vertrauen zwischen Verwaltung, Politik und Kindern. Junge Menschen erfahren, dass Beteiligung funktioniert und dass kommunale Prozesse transparent sind. Das stärkt Selbstwirksamkeit und demokratisches Grundverständnis.

Ausblick
Ab 2026 beginnt der Rollout in Feldkirchen. Danach folgen weitere Stadtteile im Abstand von jeweils eineinhalb Jahren. Parallel entstehen Informationsangebote auf der Website hamm-sieg.de, die den Projektverlauf dokumentieren. Am Ende soll ein Gesamtbild entstehen, das zeigt, wie kinderfreundlich Neuwied aus Sicht seiner jungen Bewohner ist und wo künftig angesetzt werden kann. Das Projekt führt somit fachliche Planung, Beteiligung und praktische Maßnahmen zusammen und erweitert das Profil der Kinderfreundlichen Kommune Neuwied um einen weiteren Baustein. (PM/bearbeitet durch Red)
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