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Pressemitteilung vom 21.01.2026
Rheinland-Pfalz
Zukunft des Ehrenamts bei der Feuerwehr: Studie zeigt Handlungsbedarf
Eine aktuelle Studie des Landesfeuerwehrverbandes Rheinland-Pfalz beleuchtet die Herausforderungen und Chancen im Bereich der Freiwilligen Feuerwehren. Mit über 12.500 teilnehmenden Ehrenamtlichen bietet sie einen umfassenden Einblick in die gegenwärtige Situation.
SymbolbildMainz. Die neue Ehrenamtsstudie des Landesfeuerwehrverbandes Rheinland-Pfalz, an der mehr als 12.500 ehrenamtliche Einsatzkräfte teilnahmen, zählt zu den umfangreichsten Untersuchungen ihrer Art. Sie gibt einen authentischen Einblick in die Lage der Freiwilligen Feuerwehren und liefert wertvolle Impulse für zukünftige Entwicklungen. Der Präsident des Landesfeuerwehrverbandes (LFV), Frank Hachemer, betont: "Die Rückmeldungen aus der Studie decken sich mit dem, was wir seit Jahren fordern."

Ehrenamtliche Feuerwehrkräfte fordern Verbesserungen
Ehrenamtliche Feuerwehrkräfte in Rheinland-Pfalz fordern eine verbesserte Ausrüstung und größere Anerkennung ihrer Arbeit. Dies sind zentrale Ergebnisse einer Umfrage unter Einsatzkräften, die von Innenminister Michael Ebling (SPD), dem Präsidenten des Landesfeuerwehrverbandes Frank Hachemer und Moritz Petry vom Gemeinde- und Städtebund präsentiert wurde. Die Studie, durchgeführt vom Stifterverband für die deutsche Wissenschaft im Auftrag des rheinland-pfälzischen Innenministeriums, befragte rund 12.500 Feuerwehrangehörige - etwa 22 Prozent aller ehrenamtlichen Kräfte im Land.

Die Umfrage ergab, dass sich acht von zehn Befragten weiterhin bei der Feuerwehr engagieren möchten, und mehr als ein Drittel der Teilnehmer kann sich vorstellen, ihr Engagement zu intensivieren. Bei den jüngeren Teilnehmern zwischen 16 und 29 Jahren ist das Potenzial für verstärktes Engagement besonders hoch.

Ein weiteres Anliegen ist die Erhöhung des Frauenanteils in den Feuerwehren, der derzeit bei nur zehn Prozent liegt. Es sei wichtig, die Perspektiven von Frauen gezielt zu berücksichtigen und ihnen Führungspositionen zuzutrauen, so Ebling und Schubert.

Gleichzeitig äußerten viele Feuerwehrleute Bedenken hinsichtlich der Mitgliedergewinnung und kritisierten die unzureichende Dienstkleidung, persönliche Schutzausrüstung sowie den Zustand der Gerätehäuser. Studienautor Peter Schubert wies auf ein Stadt-Land-Gefälle hin, wobei kleinere Gemeinden ihre Ausstattung kritischer bewerteten. Schubert empfahl, über eine zentralisierte Beschaffung nachzudenken. Moritz Petry betonte die Notwendigkeit einer Standardisierung, die jedoch an die finanzielle Leistungsfähigkeit ärmerer Kommunen angepasst werden müsse.

Maßnahmen zur Verbesserung
Um die vorgeschlagenen Maßnahmen zu prüfen und umzusetzen, wird ein gemeinsames "Forum Ehrenamt Feuerwehr" von Land, Kommunen und Verband eingerichtet. Dieses Forum soll bis Ende 2026 Empfehlungen auf ihre Umsetzbarkeit hin bewerten und konkrete Vorschläge erarbeiten. Erste kurzfristige Maßnahmen sollen bereits früher angestoßen werden.

Der LFV sieht dringenden Handlungsbedarf in mehreren Bereichen:
- Nachwuchs gezielt stärken: Die Förderung der Bambini-Feuerwehren ist ein zentrales Anliegen. "Es braucht endlich eine pädagogische Fachkraft zur landesweiten Koordination und ein gezieltes Förderprogramm für neue Gruppen", erklärt Präsident Hachemer.

- Feuerwehr in die Schulen bringen: Der LFV fordert ein Unterrichtsmodul zu Selbsthilfe und Bevölkerungsschutz. Pilotprojekte in zwei Landkreisen sind geplant.

- Strukturen modernisieren: Einheitliche Standards für Ausstattung und digitale Lösungen in der Verwaltung sind notwendig, um das Ehrenamt zu entlasten.

- Anerkennung fair gestalten: Rentenwirksame Anerkennung oder eine Prämienregelung ab 25 Jahren Dienstzeit werden gefordert. Auch die Verknüpfung der Ehrenamtskarte mit Feuerwehrdienstjahren steht im Fokus.

- Ausbildung flexibler machen: Digitale und modulare Ausbildungsformate sowie Unterstützung durch das LfBK sind entscheidend.

- Vielfalt fördern, Kommunikation stärken: Mehr Frauen in Führungspositionen und bessere Öffentlichkeitsarbeit sind Ziele des LFV.

Frank Hachemer fasst zusammen: "Wir brauchen keine weiteren Analysen - wir brauchen Entschlossenheit. Die Erkenntnisse liegen auf dem Tisch." (PM/dpa/Red)
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