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Nachricht vom 02.01.2026
Politik
Zwischen Tradition und Innovation: Wie Pierre Fischer VG Rengsdorf-Waldbreitbach voranbringen will
In der Stichwahl zum Verbandsbürgermeister Ende April 2025 konnte Pierre Fischer 54,4 Prozent der abgegebenen Stimmen erzielen und war damit zum Nachfolger von Hans-Werner Breithausen gewählt. Mit Beginn des Jahres hat er nun sein Amt angetreten. Ihm wurde am ersten Arbeitstag ein herzlicher Empfang in der Verwaltung bereitet. Wir haben ihm die nachfolgenden Fragen gestellt.
Fotos: Wolfgang TischlerRengsdorf. Herr Fischer, Sie haben Ihr Amt in einer Zeit übernommen, in der demokratische Institutionen zunehmend infrage gestellt werden. Was bedeutet das für Ihr Amtsverständnis?
Pierre Fischer: Gerade deshalb ist mir dieses Thema besonders wichtig. Unsere Demokratie ist stark, aber sie braucht uns alle. Demokratie lebt von Respekt, von Beteiligung, vom Zuhören, von konstruktivem Streit und von der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Für dieses Fundament stehe ich fest – mit Haltung und Überzeugung.

Sie sprechen häufig vom Zusammenhalt zwischen den Generationen. Warum ist Ihnen das so wichtig?
Pierre Fischer:
Unsere Verbandsgemeinde lebt vom Miteinander der Generationen. Erfahrung und Tradition auf der einen Seite, neue Ideen und Perspektiven auf der anderen – beides brauchen wir. Mein Anspruch ist es, diese Brücken bewusst zu bauen und den Zusammenhalt weiter zu stärken.

Die Fusion der Verbandsgemeinden Rengsdorf und Waldbreitbach liegt inzwischen einige Jahre zurück. Ist dieser Prozess abgeschlossen?
Pierre Fischer:
Nein. Die Fusion im Jahr 2018 war ein wichtiger Schritt, aber kein einmaliges Ereignis, sondern ein langfristiger Prozess. Verwaltungen mussten zusammengeführt werden, Abläufe harmonisiert und Identitäten zusammengebracht werden. Orte wachsen nicht von heute auf morgen zusammen. Mein Ziel ist es, die Fusion dort zu vollenden, wo wir noch nicht komplett zusammengewachsen sind – organisatorisch, strukturell und im Miteinander.

Was bedeutet das konkret für die Bürgerinnen und Bürger?
Pierre Fischer:
Es bedeutet, bestehende Strukturen konsequent weiter zusammenzuführen, den Austausch zwischen den Ortsgemeinden zu stärken, Abläufe zu vereinheitlichen und die Identität der gesamten Verbandsgemeinde sichtbar zu machen. Ich sehe darin eine große Chance, noch vorhandene Gräben zu schließen und das Wir-Gefühl nachhaltig zu stärken.

Neben diesem Prozess stehen Sie vor aktuellen Herausforderungen. Welche sind aus Ihrer Sicht besonders drängend?
Pierre Fischer:
Eine der größten Herausforderungen ist die Sicherstellung einer guten medizinischen Versorgung im ländlichen Raum. Besonders der Wunsch nach einem Kinderarzt in unserer Verbandsgemeinde wird von jungen Familien immer deutlicher geäußert. Gleichzeitig gewinnen Themen wie Digitalisierung, Verwaltungsmodernisierung und auch der Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Verwaltung zunehmend an Bedeutung.

Welche Erwartungen nehmen Sie dabei aus der Bürgerschaft wahr?
Pierre Fischer:
Die Bürgerinnen und Bürger erwarten, dass wir hier spürbar vorankommen. Diese Erwartungen sind berechtigt, und ich möchte ihnen gerecht werden. Moderne Verwaltung bedeutet effizient, transparent und serviceorientiert zu arbeiten.

Auch die Infrastruktur spielt eine große Rolle.
Pierre Fischer:
Das stimmt. In den vergangenen Jahren wurde bereits viel investiert. Um diesen Standard halten zu können, werden wir auch in Zukunft kluge und verantwortungsvolle Investitionsentscheidungen treffen müssen – immer mit Blick auf Nachhaltigkeit und Generationengerechtigkeit.

Ein zentrales Thema für Sie ist die Feuerwehr. Warum hat sie für Sie oberste Priorität?
Pierre Fischer:
Unsere Feuerwehr steht Tag und Nacht bereit, um anderen zu helfen. Sie ist eine tragende Säule unserer Sicherheit. Moderne Ausstattung, gute Ausbildung, Nachwuchsförderung und politische Rückendeckung sind für mich selbstverständlich. Die Feuerwehr kann sich jederzeit auf mich verlassen.

Ein viel diskutiertes Projekt ist die Sanierung des Wiedtalbads. Wie stehen Sie dazu?
Pierre Fischer:
Das Projekt steht sinnbildlich für die überbordende Bürokratie in Deutschland. Ohne die vielen bürokratischen Verzögerungen wären wir vermutlich schon deutlich weiter und die Baukosten wären geringer. Für mich ist klar: Das Wiedtalbad in Hausen und das Freibad in Rengsdorf sind wichtige Bestandteile unserer Daseinsvorsorge. Es geht nicht um ein Spaßbad, sondern um einen Ort, an dem Generationen schwimmen lernen.

Wie lassen sich dabei Kosten und Nutzen in Einklang bringen?
Pierre Fischer:
Mir ist wichtig, dass wir die Kosten im Blick behalten und eine gute, tragfähige und verträgliche Lösung finden, die sowohl finanziell verantwortungsvoll als auch langfristig sinnvoll ist.

Welche Rolle spielt das Ehrenamt in Ihrer Arbeit?
Pierre Fischer:
Eine ganz entscheidende. Unsere Verbandsgemeinde lebt vom Engagement vieler Menschen - ob in Vereinen, sozialen Initiativen, in Kultur oder Sport. Ehrenamt ist der Kitt unserer Gesellschaft. Deshalb sind gute Rahmenbedingungen und gezielte Unterstützung für mich besonders wichtig.

Sie sind ein vergleichsweise junger Bürgermeister. Wie prägt das Ihren Führungsstil?
Pierre Fischer:
Ich bringe eine Perspektive mit, die von Digitalisierung, gesellschaftlichem Wandel und veränderten Erwartungen geprägt ist. Gleichzeitig möchte ich Bewährtes bewahren. Mein Anspruch ist es, Brücken zu bauen – zwischen Tradition und Zukunft, zwischen Erfahrung und Innovation.

Zum Abschluss: Was ist Ihr Leitgedanke für die kommenden Jahre?
Pierre Fischer:
Mut. Mut im Denken, Mut im Entscheiden und Mut im Handeln. Gemeinsam können wir auch unbequeme Wege gehen – respektvoll, klar und verantwortungsbewusst. Oder kurz gesagt: Lassen Sie uns gemeinsam machen, was wichtig ist.

Das Gespräch führte Wolfgang Tischler.
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