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Nachricht vom 10.11.2021
Wirtschaft
Rabenhorst in Unkel mittlerweile Global Player
Rabenhorst kann mehr als nur Rotbäckchen. Neben dem Traditions-Mehrfruchtsaft für rote Bäckchen der Kinder, produziert das Haus auch Obst- und Gemüse-Direktsäfte in Bio-Qualität mit Gesundheitswirkung, zum Beispiel fördern sie laut Beschreibung Entspannung oder Konzentration, schützen Herz, Knochen und Muskeln oder wirken wärmend.
Von links: Achim Hallerbach, Sandra Köster und Geschäftsführer Klaus-Jürgen Philipp. Foto: Wolfgang TischlerUnkel. Landrat Achim Hallerbach und Vorständin Sandra Köster stellten in Unkel die Regionalinitiative „Wir Westerwälder“ vor, die sich zur Aufgabe gemacht hat, Unternehmen mit besonderen Produkten in den Kreisen Altenkirchen, Neuwied und Westerwaldkreis vorzustellen. Der Neuwieder Landrat freute sich, dass das weltweit bekannte Unternehmen im Rahmen seiner Expansion als zweiten Standort im Kreis ein Zentrallager in Anhausen errichtet hat.

Geschäftsführer Klaus-Jürgen Philipp wies voller Stolz auf die frische Ehrung seines Unternehmens mit dem bereits zweiten Bundesehrenpreis in Gold hin, die er als tolle Anerkennung und Wertschätzung des Firmenanspruchs, nur beste Qualität zu liefern, ansieht.

Philipp skizzierte den Werdegang des Unternehmens, das vor über 200 Jahren von Pfarrer Johann-Heinrich Lauffs gegründet wurde. 1898 begann Alexander Lauffs mit Hilfe der Pasteurisierung mit der Produktion von „alkoholfreiem Medizinalwein“. Das war ein Novum und hatte eine Beschwerde des Winzervereins beim Amtsgericht Neuwied zur Folge, weil der Gärprozess gestoppt werde. Aber der „Rote Traubensaft“ war das Startprodukt, dem viele gesunde Säfte folgen sollten.

Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts, im Zuge der Reformbewegung hin zu naturnahen Produkten, erweiterten die Safthersteller ihr Sortiment und bereits 1969 wurde der biologisch-kontrollierte Vertragsanbau bei Rabenhorst eingeleitet. Seit 2007 ist Rabenhorst exklusiver Partner des Reformhaus-Verbands. Das Familienunternehmen sorgt dafür, dass die Qualität der Produkte beispielhaft ist, indem es alles vermeidet, was für das Produkt nicht gut ist - zum Beispiel Filtern mit Gelatine - und gesetzliche Vorgaben übererfüllt.

In den letzten Jahren wurden fast 30 Millionen Euro in neue Technologie investiert für die Produktion von rund 13 Millionen Litern pro Jahr. Die Rohware - zertifiziertes Obst aus Vertragsanbau - wird möglichst regional erworben, importiertes Obst und Gemüse kommt tiefgefroren an und wird in Unkel gekeltert, damit direkte Qualitätskontrolle möglich ist. Obstanbau habe sich in den letzten hundert Jahren verändert. Der Erhalt von Streuobstwiesen sei bester Naturschutz und müsse politisch gestützt werden, postulierte der Geschäftsführer.

Regionalität und Nachhaltigkeit sind dem Unternehmen wichtig, daher wird alles in der Region gesucht, von Dienstleistungen über Materialien wie Flaschen und Verschlüsse. Daher werden auch alle Sponsoring-Anfragen aus der Region möglichst positiv bedient. Die Kirche in Anhausen wurde zum Beispiel mit 10.000 Euro unterstützt, oft wird durch Saft-Spende für Veranstaltungen indirekt gesponsert.

Zirka 200 Mitarbeiter aus 20 verschiedenen Nationen arbeiten in zwei bis drei Schichten im Betrieb. Eine wachsende Herausforderung sei es, Facharbeiter und Auszubildende zu finden für die Berufe wie Mechatroniker, Lebensmitteltechnik, Industriekauffrau, Lagerwirtschaft, IT und Fruchtsafttechnik. In Zusammenarbeit mit der Hochschule Geisenheim bildete Rabenhorst Saftsommeliers aus, die nun in renommierten Häusern arbeiten. Die Geschäftsführung ist bestrebt, ihre Facharbeiter selbst auszubilden und alle im Betrieb zu halten. Mitarbeiter werden betreut und nicht als Kostenposition wahrgenommen. Zufrieden vermerkte Philipp, dass die freiwillige Impfquote im Unternehmen 92 Prozent betrage.

Heute vertreibt das Unternehmen außer einer breiten Palette an Säften auch Nahrungsergänzungsmittel. Durch das Schwinden von Reformhäusern suchte man nach neuen Vertriebswegen und beliefert auch Apotheken und Lebensmittel-Einzelhändler. Die stärksten Auslandsmärkte im asiatischen Raum befinden sich in Süd-Korea und China, Expansion nach Vietnam und Ulan Bator sind in Planung. Dafür müssen die Produkte angepasst werden, erzählte Klaus-Jürgen Philipp. In China ist Aroniasaft zum Beispiel unbekannt und daher nicht zugelassen. In Süd-Korea werden große Flaschen-Mengen in kurzer Zeit über Home-Shopping verkauft.

Es ist Vieles im Wandel. Es gibt Überlegungen, die Produktionsfläche zu erweitern und die Dächer mit Fotovoltaik zur Eigen-Energieversorgung zu bestücken. Eine Konstante ist, dass die 14 Gesellschafter des Familienunternehmens, die in 6. und 7. Generation des Gründers im Betrieb engagiert sind, den Qualitätsanspruch umsetzen. (htv)
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