NR-Kurier
Ihre Internetzeitung für den Kreis Neuwied
Nachricht vom 21.05.2021
Region
Gemeinsam Vettelschoß ein bisschen sauberer machen
„Damit unser Ort ein Stück „sauberhafter“ wird“, so rief der Schulelternbeirat der Grundschule am Blauen See in Vettelschoß die Schulgemeinschaft zu einem Spaziergang der besonderen Art auf.
Fotos: Schulelternbeirat Grundschule am Blauen SeeVettelschoß. Das lange Wochenende rund um Christi Himmelfahrt sollte aktiv genutzt werden, die Wegesränder in Vettelschoß, Kalenborn und Willscheid von Müll zu befreien und ihn an seinen eigentlichen Bestimmungsort zu bringen: eine Mülltonne. Für eine saubere und klimafreundlichere Ortschaft.

Da in Corona-Zeiten viele Familienaktivitäten bisher ausfielen und Spaziergänge und Wanderungen zum Wochenend-Highlight vieler geworden sind, bot sich die Idee einer Müllsammelaktion, in dem man gesunde Bewegung an der frischen Luft mit dem Sammeln von Müll im Ort verbindet. Bereits im letzten Jahr fand so – noch vor dem ersten Lockdown – eine tolle Gemeinschaftsaktion der Jugendvertretung, der Heinzelmännchen, und des Schulelternbeirates mit Unterstützung des Bauhofs statt. Und auch 2021 sollte Vettelschoß einen etwas verspäteten Frühjahrsputz erhalten.

Gesagt, getan. Ausgestattet mit Grillzangen, gespitzten Holzstöcken, Eimern oder Müllsäcken waren viele Familien trotz Regenwetter an den vier Tagen aktiv unterwegs und konnten als eigener Haushalt Corona-konform losziehen. „Leider gibt es immer wieder Müll, den andere Menschen rein zufällig in der Natur verloren haben. Und solchen, den andere Menschen vielleicht sogar absichtlich in ihrer Umwelt entsorgt haben.“, meinte Sandra Rohloff, Initiatorin der Aktion und Mitglied im Schulelternbeirat und fügte hinzu: „Mit dieser Aktion leisten wir unseren Beitrag als Vorbilder und helfen, dass die Natur wieder aufatmen kann.“

Leider mussten viele kleine Mülldetektive feststellen, wie schlimm es um einige Ecken im Ort steht – gerade jetzt nach über einem Jahr Pandemie, in dem viel Zeit draußen verbracht wurde. Nicht zuletzt, weil Mitmenschen unachtsam, viel zu oft aus Bequemlichkeit, ihren Müll einfach fallen lassen, statt mit Köpfchen und Weitsicht zu handeln. Oder den kurzen Weg zur Mülltonne wagen. Denn: Wir alle haben es in der Hand unseren Ort sauber zu halten. Groß und Klein, Alt und Jung und auch die coolen dazwischen.

So wurden im Waldstück rund um den Willscheider Berg, auf dem Parkplatz der katholischen Kirche, an den Feld- und Wiesenwegen, rund um Forum, Sportplatz und Schule, am Streifgelände und den großen Gehwegen viel zu viel illegal entsorgter Müll gefunden. Pizzakartons, alte Masken, Chipstüten, Bierflaschen und besonders schlimm: Zigarettenstummel. Ob am Sportplatz, am Testzentrum, am Willscheider Berg, am Forum, auf der Hauptstraße, den Bushaltestellen - hunderte Kippenstummel, einfach so achtlos weggeschnippt. Eine Familie sammelte beispielsweise innerhalb einer Stunde akribisch drei volle 500 ml Gläser Zigarettenkippen von der unteren Hauptstraße, um auf dem Rückweg festzustellen, dass sieben neue Kippen hinzugekommen waren. Das stimmte traurig und nachdenklich.

So lange überlebt eine Kippe in der Natur
Unsere heimische Natur ist der Lebensraum vieler Insekten, Wildtieren, Pilzen und auch für uns wäre ein Leben ohne Wald, Wiesen, Vegetation nicht möglich. Illegal entsorgter Müll und vergessene Gegenstände sehen nicht nur unschön aus. Sie schädigen auch langfristig unser Ökosystem. Während sich eine Bananenschale innerhalb weniger Jahre natürlich abbaut, besteht ein einziger Zigarettenstummel über Jahrzehnte und verseucht dabei 40 Liter Grundwasser – so klein, so schädlicher toxischer Sondermüll. Und auch die weiteren Zahlen schocken: Plastiktüten überleben 20 Jahre, eine PET-Flasche 450, ein Autoreifen 2000 Jahre und Glas unglaubliche 50.000 Jahre (Quelle: Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, Saarland) – und dabei verschwindet Kunststoff nie, er zerlegt sich in kleinste Mikroteilchen, die Tiere und letztlich wir mit der Nahrung aufnehmen oder die Meere verunreinigen.

Eine solche Aktion sollte kein jährliches Event sein, vielmehr soll sie uns wach rütteln achtsamer im Umgang mit der Umwelt zu sein. Mülltonnen zu nutzen, wo sie doch recht gut im Ort verteilt sind oder als Raucher ein Kippendöschen aus Metall für die Überreste mit sich zu tragen. Oder für andere mitdenken und Müll einfach beim nächsten Spaziergang mitzunehmen, auch wenn er einem nicht gehört. Unsere Zukunft gehört uns allen! Vielleicht gestalten wir sie ab sofort noch etwas sauberer.

Die Aktion wurde im Vorfeld mit der Gemeinde abgestimmt, so dass die örtlichen Mülleimer mit gefundenen Schätzen befüllt werden durften. Fallen Ihnen auf Ihrem Spazierweg wilde Mülldeponien auf, melden Sie den Fundort unbedingt der Gemeinde.


       
Nachricht vom 21.05.2021 www.nr-kurier.de