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“Zero Waste Monatsbinden” Kurzkurs für indische Frauen in Armut
Für die zehn Frauen aus Rentachintala, ein kleines Dorf im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh, bedeuten die vielen bunten Monatsbinden einen Fortschritt, für manche sogar eine kleine Revolution.
Foto: AktionsgruppeNeustadt. „Diese Frauen sind Pionierinnen unseres neuen Kurzkurses "Zero Waste Monatsbinden". Mit diesem Projekt gehen wir gleich zwei schwerwiegende Themen an: das Tabu, was Frauen nach wie vor während ihrer Periode in Indien behaftet und der Umweltschutz“, berichtet die Aktionsgruppe Kinder in Not.

Noch heute ist die Menstruation in Indien ein heikles Thema. Vor allem in den ländlichen Gegenden Indiens werden Frauen isoliert, während sie ihre Tage haben. Menstruierende gelten als unrein, sie dürfen keine Lebensmittel berühren, nicht in den Tempel gehen, nicht neben ihrem Ehemann schlafen. Der Markt für Monatshygiene Produkte ist schwach entwickelt, nur wenige Inderinnen benutzen Binden oder Tampons. Die meisten können sie sich schlichtweg nicht leisten oder es gibt in der Gegend keine Binden zu kaufen. Die Mehrheit der Frauen fängt dann das Blut mit alter Kleidung auf, nehmen Zeitungspapier, Taschentücher, trockene Blätter oder kleine Beutel voll Sand. Eine nicht ungefährliche Situation: In keinem anderen Land der Welt erkranken und sterben so viele Frauen an Infektionen der Gebärmutter wie in Indien. Zudem lösen sie Früh- und Totgeburten aus, Unfruchtbarkeit und Komplikationen - viele Babys kommen behindert zur Welt.

Ein weiteres wichtiges Kernanliegen der Aktionsgruppe ist die nachhaltige Entwicklung – generationengerecht und umweltfreundlich. Immer mehr werden sich die Menschen der Schäden bewusst, die Kunststoffe für unsere Umwelt verursachen, und beginnen langsam, die Verwendung von umweltfreundlichen und biologisch abbaubaren Artikeln in ihr tägliches Leben zu integrieren. Neben Gesundheit und körperlichem Wohlbefinden spielt somit auch der ökologische Fußabdruck eine größere Rolle: In ihrem Leben benutzt eine menstruierende Person zwischen 12.000 und 17.000 Tampons oder Binden – ein ziemlich großer Haufen Müll. Dem will die Aktionsgruppe entgegenwirken.

Der Kurzkurs “Zero Waste Monatsbinden” schult 10 von Armut betroffene Frauen darin, aus sauberen Stoffresten nachhaltige Binden herzustellen und zu verkaufen. Sie sollen lernen, ein eigenes Einkommen zu erwirtschaften, mit dem sie ihre Kinder versorgen und zur Schule schicken können. „Wir unterstützen und stärken so Familien, damit ihre Kinder möglichst nicht mehr arbeiten müssen. Nach der zehntägigen Ausbildung erhalten die Absolventinnen jeweils eine Nähmaschine, so dass sie dann in der Lage sind, selbst wiederverwendbare Damenbinden in guter Qualität herzustellen und auch ein zukünftiges Einkommen zu erzielen. Nach Abschluss des Kurses bleiben wir mit den Frauen in Kontakt und besuchen sie regelmäßig um die Nachhaltigkeit dieses Projektes sicherzustellen“, erklärt die Aktionsgruppe abschließend.
(PM)
Nachricht vom 06.04.2021 www.nr-kurier.de