Werbung

Nachricht vom 25.08.2016    

Barocke Stadtplanung: Im Zeichen des Planquadrats

Barock – das ist nicht nur Prunk und Pathos, sondern auch rationales Planen und perfektes Ausführen. Deutlich wird das in den Entwürfen für zahlreiche neue Residenzstädte. Zwar kann sich Neuwied nicht direkt mit den Prototypen barocker Städteplanung wie Mannheim oder Karlsruhe messen, doch sind auch in der Deichstadt deren typische Charakteristika leicht aufzufinden.

Das Herrnhuter Viertel ist ein Aushängeschild für die Deichstadt.

Neuwied. Verstärkt brachen sich die neuen städtebaulichen Gedanken in der Folge des Pfälzischen Erbfolgekrieges gegen Ende des 17. Jahrhunderts Bahn, in dessen Verlauf vor allem Baden und die Pfalz, aber auch das Rheinland stark gelitten hatten. „Die Fürsten des Absolutismus, die eine merkantilistische Wirtschaftspolitik betrieben, wagten den Neuaufbau, wollten eigene Leiden und die der Bevölkerung auffangen. An wirtschaftlich bedeutenden Standorten begannen sie das Leben neu zu arrangieren und richteten den Fokus auf den Städtebau.“ Das berichtet Dr. Reinhard Lahr, der Denkmalpfleger der Kreisverwaltung Neuwied.

Das galt auch für das nicht optimal gelegene, von Graf Friedrich III. zu Wied (1618-1698) im Jahr 1653 gegründete Neuwied. Friedrich betrieb eine offensive Ansiedlungspolitik, versprach er doch den Neubürgern freie Religionsausübung und eine zehnjährige Zinsfreiheit. Bauwillige erhielten einen Bauplatz, die Grundstücke lagen bereits in für den Barock typischen Planquadraten und -rechtecken. So entstanden klar strukturierte Blocks. Im Unterschied beispielsweise zu Mannheim fehlt in der Deichstadt jedoch die axiale Ausrichtung auf das Schloss.

Unter Friedrich Wilhelm Graf zu Wied (1684-1737), dem Sohn des Stadtgründers, erlebte die Stadt einen weiteren Aufschwung. Um 1700 zählte Neuwied bereits rund 200 Häuser. Als erstes ließ Friedrich Wilhelm jedoch das im Krieg zerstörte Schloss neu errichten - und zwar in deutlich prunkvollerem, an französischen Vorbildern orientiertem Stil mit typischem Mansardendach. Federführend für die barocke Anlage mit Hauptbau, getrennten Seitenflügeln und einem ausgedehnter Park war der Architekt Johann Julius Rothweil. Der Graf regelte zudem durch eine Bauordnung die städtebauliche Entwicklung seiner Residenzstadt. Innerhalb von knapp vier Jahrzehnten stieg die Zahl der Gebäude auf 356. Sie standen in teils quadratischen, teils (fast) rechteckigen Blocks an der heutigen Schlossstraße, der Rheinstraße, der Kirchstraße (damals Bunte Gasse), der Marktstraße (damals Kirchgasse) und Engerser Straße. Die Karrees, Zeichen barocker Stadtplanung, sind auch heute noch gut zu erkennen.

Graf Johann Friedrich Alexander (1706 - 1791) führte die Residenz schließlich zu hoher Blüte, auch dank der Ansiedlung früher industrieller Produktion. Bestes Beispiel dafür ist das 1738 gegründete Hüttenwerk Rasselstein. Alexander war ein Mann ausgefallener Ideen. Und so führte er 1940 eine Lotterie ein: Für den Einsatz eines halben Guldens konnte man ein schlüsselfertiges Haus gewinnen. 40 Jahre lang „zockten“ die Teilnehmer, um an eigene vier Wände zu gelangen.




Stellenanzeigen | WesterwaldJobs

Kita - Assistenz (m/w/d) Hamm (Sieg)

Lebenshilfe im Landkreis Altenkirchen GmbH
57577 Hamm (Sieg)

Gruppenleitung (m/w/d) Vollzeit in der Werkstatt

Lebenshilfe im Landkreis Altenkirchen GmbH
57537 Wissen

pädagogische Fachkraft als Nachtwache (m/w/d)

Lebenshilfe im Landkreis Altenkirchen GmbH
57632 Flammersfeld

Aushilfe im Gruppendienst auf geringfügiger Basis (m/w/d)

Lebenshilfe im Landkreis Altenkirchen GmbH
57537 Mittelhof

Vorarbeiter / Teamleiter Fahrzeugbeschriftung & Folientechnik (m/w/d)

BeschriftungsMeister.de
56593 Horhausen (Westerwald)

⇒ Mehr Westerwald Jobs entdecken    |    ⇒ Stellenanzeige schalten


Bereits 1739 hatte der Graf den französischen Ingenieur-Hauptmann De Lancizolle beauftragt, die Stadt rheinaufwärts auszubauen. Neue Karrees zwischen Pfarr- und Friedrichstraße entstanden, auch die Rheinfront schmückte sich mit Neubauten. Später führte der gräfliche Baumeister Behagel die Pläne intensiv weiter. Bis 1790 wurden insgesamt 200 neue Häuser errichtet, das bebaute Gebiet der Residenzstadt hatte sich verdoppelt.

Ein entscheidender Beitrag für diesen Aufschwung war des Grafen Entschluss, im Jahr 1750 die verfolgte Herrnhuter Gemeinde nach Neuwied einzuladen. Die sorgte rasch durch ihre vielfältige Gewerbe- und Handelstätigkeit für Furore: Ofenfabrik, Brauerei, Weinkellerei, weitere Handwerksbetriebe und nicht zuletzt die europaweit bekannte Kunsttischlerwerkstatt von Abraham und David Roentgen entstanden in kurzer Zeit. Doch das war noch nicht alles: Die Mitglieder der Religionsgemeinschaft erweiterten das Stadtbild um das ansehnliche Herrnhuter Viertel, bestehend aus zwei Karrees. Das erste entstand zwischen 1758 bis 1772 an Pfarr-, Kirch-, Friedrich- und Langendorfer Straße und war in schlichtem Barock errichtet. Dieses Karree wurde in den 1970er-Jahren aufwändig restauriert und steht seither unter Denkmalschutz. „Es ist das schönste heute noch zu sehende Karree des Barockalters in Neuwied“, sagt Dr. Lahr. „Ein echtes Aushängeschild für die Stadt.“

Barock mit allen fünf Sinnen – Neuwied in der Barockregion: Das sind unterschiedliche Veranstaltungen wie Ausstellungen, Feste und Konzerte ganz im Zeichen des Barockzeitalters. Dessen Hang zu Pracht und Opulenz einerseits, Fantasie und Innovationsfreude andererseits stellt das Amt für Stadtmarketing mit dieser Reihe in den nächsten Wochen und Monaten vor. Mehr dazu hier.


Lokales: Neuwied & Umgebung
Feedback: Hinweise an die Redaktion

NR-Kurier Newsletter: Immer bestens informiert

Täglich um 20 Uhr kostenlos die aktuellsten Nachrichten, Veranstaltungen und Stellenangebote der Region bequem ins Postfach.

Anmeldung zum NR-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Neuwied.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Region


Verkehrseinschränkungen auf der A48 wegen Brückenarbeiten

Auf der A48 bei Höhr-Grenzhausen steht bei dem seit 2025 vorangetriebenen Brückenprojekt ein entscheidender ...

Von Handwerk bis Delikatessen: Der Bauernmarkt in Anhausen ist eine Erfolgsgeschichte

Der überregional beliebte traditionelle Bauernmarkt im Kirchspiel Anhausen feiert in diesem Jahr sein ...

Nicole nörgelt...über das PISA-Rekordtief

Die neue PISA-Studie wurde am 8. September 2026 veröffentlicht und jetzt ist es amtlich: Deutschland ...

Stadt des Grundgesetzes: Bad Honnef eröffnet Ausstellung im Kurpark

Eine Freiluftausstellung im Kurpark von Bad Honnef rückt das deutsche Grundgesetz in den Fokus. Informationstafeln ...

Fußballidol Mario Basler begeisterte als Alleinunterhalter im Herdorfer "Hüttenhaus"

Ausverkauftes Haus für einen, der nie ein Blatt vor den Mund nahm: Mario Basler war am Freitagabend, ...

Glasfaserausbau: Linz am Rhein und Bad Hönningen bündeln Fachpersonal

Zwei Nachbarkommunen bündeln ihre Kräfte beim Ausbau des schnellen Internets. Eine gemeinsame Fachkraft ...

Weitere Artikel


Lotsen ebnen schwerbehinderten Menschen den Weg in Beruf

Es gibt viele Gründe, warum es für manche Menschen schwerer ist als für andere, am Arbeitsmarkt Fuß zu ...

Wie gut ist das Mittagessen in Kita und Schule?

Gutes gesundes Essen ist Voraussetzung für erfolgreiches Lernen und Wohlbefinden natürlich auch für die ...

Warnung vor Diebstählen im Krankenhaus

Krankenhäuser sind öffentlich zugängig, das geht auch nicht anders. Diesen Umstand nutzen kriminelle ...

Erneut Warnmeldung für Firmen

Das Landeskriminalamt (LKA) in Baden Württemberg ist zentrale Anlaufstelle für Cyberkriminalität. Jetzt ...

Schulbeginn: Große Last für kleine Rücken?

Der passende Ranzen für die Schulneulinge ist ausgewählt – jetzt steht zum Schulbeginn das richtige Packen ...

Studenten aus USA beenden Studienreise

„17 Jahr‘“ – da gab es mal ein Lied, und so lange findet das jährliche Sommercamp der Johnson & Wales ...

Werbung