Pressemitteilung vom 29.10.2026 
Nicole Emmler übernimmt Leitung des Neuwieder Jugendzentrums
Nicole Emmler hat die Leitung des Neuwieder Jugendzentrums "BigHouse" übernommen. Die 55-Jährige aus Bad Hönningen bringt Erfahrungen aus der offenen Jugendarbeit, der Pfadfinderarbeit und der Lehre an Hochschulen mit.
Neuwied. Als Nicole Emmler vor zehn Jahren den Campus betritt, ist sie keine gewöhnliche Studentin. Denn welches Erstsemester wird schon vom eigenen Sohn zur Hochschule gebracht? "Als er mich aus dem Auto gelassen hat, musste ich wirklich laut lachen", erinnert sich die heute 55-Jährige. "Es war skurril, aber es war auch schön."
Kompletter Neustart mit 45? Neuerfindung in der Midlife-Crisis? Nein, das ist es nicht. Ganz und gar nicht. Hochschulluft hat Emmler eigentlich schon genug geschnuppert, klassisch nach dem Abi. Sie ist studierte Wirtschaftswissenschaftlerin, hat anschließend zehn Jahre in der Werbebranche gearbeitet. Doch als um die Jahrtausendwende ihre Kinder eins, zwei und drei auf die Welt kommen, merkt sie, dass sich dieser Job mit der Familie nicht vereinen lässt. Zumindest nicht so, wie sie es möchte. Also wagt sie einen Schritt, vor dem sie sich ursprünglich scheute, weil er ihr ein Stück Freiheit nimmt: Sie macht ihr Hobby zum Beruf.
Wenn das Hobby zum Beruf wird
Seit Emmler 16 ist, ist sie bei den Pfadfindern aktiv. Die Gemeinschaft, das Miteinander, die Möglichkeit, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen: All das hat sie über viele Jahre begleitet - gerne freiwillig und ehrenamtlich. 2001 bewirbt sie sich dann trotzdem als hauptamtliche Bildungsreferentin bei der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG). Was sie, die Ökonomin und Werbefachfrau, dafür qualifiziert? "Wenn Ihr es in der ganzen Zeit meiner Mitgliedschaft nicht geschafft habt, mich vernünftig pädagogisch auszubilden, dann würde ja wohl was nicht stimmen, oder?", antwortet sie im Vorstellungsgespräch. Sie wird eingestellt.
Emmler bereut ihre Entscheidung nicht. Denn in der Arbeit mit jungen Menschen kann sie etwas bewegen, etwas verändern, etwas schaffen, das bleibt. Und so wird aus dem Hobby nicht nur ein Beruf, sondern Berufung, auch wenn ihr dieser Ausdruck wohl etwas zu pathetisch ist. "Ich lebe das", sagt sie stattdessen.
Als die Projektstelle bei der DPSG ausläuft, bleibt sie folglich in der Branche, arbeitet im Projekt "Zweite Chance" vor allem mit Jugendlichen, die die Schule verweigern. 2013 übernimmt sie dann das "ProJu", die offene Jugendarbeit in Bad Hönningen. Dort, wo sie auch privat seit vielen Jahren lebt, ist sie mehr als nur Ansprechpartnerin für Freizeitangebote, Ferienprogramme und gemeinsame Unternehmungen. Dass es praktisch keine Trennung zwischen Berufs- und Privatleben gibt, stört sie nicht.
Parallel holt sie sich an der Hochschule in Koblenz das theoretische Fundament und schließt ihr Studium der Sozialen Arbeit mit dem Bachelor ab. "Eigentlich wollte ich nur das Papier. Aber dann war ich überrascht, wie viel es mir trotz aller praktischen Erfahrung doch noch mitgegeben hat", sagt sie. Seit drei Jahren unterrichtet sie zudem nebenberuflich an zwei Tagen im Monat an der Hochschule in Köln.
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Mehr Möglichkeiten im "BigHouse"
Und nun also noch einmal ein beruflicher Wechsel. Seit dem 1. Oktober 2026 leitet Nicole Emmler das Neuwieder Jugendzentrum. Dass sie Bad Hönningen dienstlich verlassen hat, liegt vor allem an den Möglichkeiten, die sich ihr in der Deichstadt bieten. Im "ProJu" war sie weitgehend Einzelkämpferin, im BigHouse findet sie nicht nur hervorragende Räumlichkeiten vor, sondern kann mit einem Team aus drei weiteren pädagogischen Fachkräften, einem FSJler, einer Praktikantin und zahlreichen Ehrenamtlichen gemeinsam etwas bewegen. "Darauf freue ich mich total", sagt sie und unterstreicht, dass sie darüber hinaus deutlich spürt, welchen Stellenwert Kinder und Jugendliche in Neuwied haben. "Die Stadt trägt das Siegel 'Kinderfreundliche Kommune' nicht nur vor sich her, sondern investiert auch ganz bewusst in ihre junge Generation. Man sieht und merkt das an vielen Stellen", bestätigt die neue Leiterin anerkennend.
Die ersten drei Wochen in Neuwied haben Nicole Emmler darin bestärkt, dass der Wechsel die richtige Entscheidung war. Von den Kollegen sei sie herzlich empfangen worden, und die Jugendlichen hätten vor allem ihren Beagle-Mischling, der sie fast immer zur Arbeit begleitet, ins Herz geschlossen. "Es ist immer erstaunlich, was Hunde bewirken. Selbst die, die anfangs Angst haben, streicheln sie nach zwei Stunden", sagt sie und erzählt, dass sie sich gemeinsam mit "Nika" auch außerhalb des Jugendzentrums umschaut. Sie will das Umfeld kennenlernen und herausfinden, wo junge Menschen ihre Zeit verbringen, was sie beschäftigt. "Das 'BigHouse' wird ja schon sehr gut angenommen, aber wir wollen auch Jugendliche gewinnen, die bislang noch nicht zu uns kommen", sagt sie.
Für die Arbeit an ihrer neuen Wirkungsstätte hat sie darüber hinaus noch zahlreiche weitere Ideen im Kopf. Verraten will sie die nach den ersten drei Wochen aber noch nicht. Denn erst einmal will sie richtig ankommen, zuhören, beobachten und vor allem ihr Team einbeziehen. "Meine Ideen müssen ja gar nicht gut sein", sagt sie mit einem Lächeln. "Die dürfen die Kollegen gerne noch bearbeiten." (PM/Red)
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