Neuwied macht auf unsichtbare Behinderungen aufmerksam
Von Wolfgang Tischler
Man sieht sie nicht, doch sie bestimmen den Alltag vieler Menschen: Unsichtbare Behinderungen wie ADHS, chronische Schmerzen oder Sinnesbeeinträchtigungen stellen Betroffene täglich vor große Herausforderungen. Mit einer Aktionswoche in Neuwied wollen die Stadt und die Deichstadtfreunde auf diese oft übersehenen Barrieren aufmerksam machen und mehr Verständnis schaffen.
Neuwied. Nicht jede Behinderung ist auf den ersten Blick erkennbar. Menschen mit ADHS, chronischen Schmerzen oder Sinnesbeeinträchtigungen stehen im Alltag häufig vor Herausforderungen, die für Außenstehende kaum wahrnehmbar sind. Um auf diese unsichtbaren Barrieren aufmerksam zu machen, veranstalten die Stadt Neuwied und die Deichstadtfreunde eine Aktionswoche. Neuwieds Bürgermeister Peter Jung eröffnete sie am 20. Oktober in der Neuwied-Galerie.
Wenn die Behinderung nicht sichtbar ist
„Nicht sichtbare Behinderungen fallen nicht direkt ins Auge“, betonte Peter Jung bei der Eröffnung. Menschen mit ADHS, chronischen Schmerzen oder Sinnesbeeinträchtigungen hätten häufig mit Problemen im Alltag zu kämpfen, die von ihrer Umgebung jedoch nur selten wahrgenommen würden.
Dabei seien unsichtbare Behinderungen keineswegs ein Randphänomen. In Deutschland gebe es rund sechs Millionen Betroffene, erklärte Jung. Ziel der Ausstellung sei es, auf bestehende Alltagsbarrieren aufmerksam zu machen und Wege aufzuzeigen, wie diese überwunden werden können. Zugleich bietet sie die Möglichkeit, sich aus erster Hand über die Erfahrungen und Bedürfnisse der Betroffenen zu informieren.
Schon der Einkauf kann zur Belastung werden
Wie schwierig alltägliche Situationen sein können, zeigt das Beispiel eines Einkaufs. Ob im Supermarkt, beim Bäcker, im Kaufhaus oder in einem anderen Geschäft: Wer einen Laden betritt, wird häufig mit einer Vielzahl von Sinneseindrücken konfrontiert.
Aus Lautsprechern ertönt Musik, Durchsagen machen auf Angebote aufmerksam, Auslagen und Werbeschilder sind auffällig beleuchtet. An den Kassen kommen die oft lauten Pieptöne hinzu. Was viele Menschen kaum noch bewusst wahrnehmen, kann für Menschen mit bestimmten Einschränkungen eine erhebliche Belastung darstellen.
Solche Situationen verdeutlichen, dass Barrieren nicht zwangsläufig aus Treppen, fehlenden Aufzügen oder anderen baulichen Hindernissen bestehen müssen. Auch akustische und optische Reize sowie die Gestaltung öffentlicher Räume können darüber entscheiden, wie gut Menschen am gesellschaftlichen Leben teilhaben können.
Aktionswoche soll zum Umdenken anregen
Für Bürgermeister Peter Jung ist die Ausstellung deshalb mehr als eine reine Informationsveranstaltung. „Was für mich entscheidend ist, ist, dass diese Aktionswoche einen Anstoß für weiteres Handeln gibt“, sagte er. Menschen mit nicht sichtbaren Behinderungen seien jeden einzelnen Tag mit realen Hürden und Herausforderungen konfrontiert.
Umso wichtiger sei es, diese Einschränkungen stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken und Verständnis für die Lebenssituation der Betroffenen zu schaffen. Denn nicht jede Behinderung ist auf den ersten Blick erkennbar – und nicht jede Belastung lässt sich von außen beurteilen.
Zum Abschluss seiner Rede dankte Jung allen Beteiligten, die die Ausstellung ermöglicht haben. Die Aktion erstreckt sich über die gesamte Innenstadt von Neuwied und soll dazu beitragen, unsichtbare Behinderungen stärker in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit zu rücken.
Die Botschaft ist klar: Mehr Verständnis beginnt damit, hinzusehen, zuzuhören und Menschen ernst zu nehmen – auch dann, wenn ihre Einschränkungen nicht sichtbar sind.
Die Ausstellung geht in die Stadt
Die Ausstellung „Menschen mit nicht sichtbaren Behinderungen sichtbar machen“ ist während der Aktionswoche dezentral an verschiedenen Orten in der Neuwieder Innenstadt zu sehen. Die einzelnen Stationen können während der jeweiligen Öffnungszeiten besucht werden.
1. Althoff Apotheke, Langendorfer Str. 94
2. Koch Orthopädie-Schuhtechnik, Langendorfer Str. 82
3. ADTV Tanzschule Marc Daumas, Marktstraße 51
4. mokka Café Neuwied, Mittelstraße 105
5. REWE Müller, Langendorfer Str. 192
6. food hotel Neuwied, Langendorfer Str. 157
7. Thalia, Mittelstraße 43–47
8. Sparkasse Neuwied, Marktstraße 66
9. Modehaus SINN, Mittelstraße 50
10. Schlosstheater Neuwied, Theaterplatz 3
11. SWN Kundencenter Neuwied, Langendorfer Str. 120
12. Witt Neuwied, Mittelstraße 74
13. Neuwieder Galerie, Heddesdorfer Str. 9
Aktion „Stille Stunde“
Diese Aktion findet statt, und zwar am kommenden Samstag, dem 24. Oktober 2026, von 9 bis 10 Uhr in Neuwied. Bei der Aktion „Stille Stunde“ reduzieren teilnehmende Geschäfte für eine Stunde vermeidbare Reize. Das bedeutet:
• Weniger Musik und Durchsagen
• Gedämpftes Licht
• Eine insgesamt ruhigere Atmosphäre
Ziel ist es, den Einkauf für Menschen mit Reizüberflutung. Jeder ist eingeladen, auszuprobieren, wie sich ein Einkauf mit weniger Reizen anfühlt.
Folgende Geschäfte und Betriebe in Neuwied nehmen an der Aktion teil:
• ADTV Tanzschule Marc Daumas
• Althoff Apotheke
• Daily Coffee & Bar
• Eine-Welt-Laden
• Fielmann
• food hotel Neuwied
• HASKO Hauswaren
• LIS0med | LIS0academy
• Modehaus SINN
• mokka Café Neuwied
• REWE Müller
• Tauschladen ReThink e.V.
• Thalia
• Witt Neuwied
• Zunft Arbeitsschutz und Vereinsbedarf
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