Seniorenbeirat Neuwied zieht positive Halbzeitbilanz: Teilhabe und Lebensqualität im Mittelpunkt
Von Wolfgang Tischler
Von kostenlosen Kulturangeboten über digitale Hilfen bis zur besseren Versorgung in den Stadtteilen: Der Seniorenbeirat der Stadt Neuwied setzt sich mit zahlreichen Projekten für die Belange älterer Menschen ein. Bei einer Pressekonferenz zog das Gremium eine positive Zwischenbilanz und stellte zugleich wichtige Vorhaben für die kommenden Monate vor.
Neuwied. Älteren Menschen die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben ermöglichen, ihre Selbstständigkeit stärken und ihre Lebensqualität verbessern: Das sind zentrale Ziele des Seniorenbeirates der Stadt Neuwied. Bei der Vorstellung seiner Halbzeitbilanz würdigte Bürgermeister Peter Jung die Arbeit des Gremiums ausdrücklich. Der Seniorenbeirat leiste hervorragende Arbeit und trage wesentlich dazu bei, dass Neuwied eine seniorenfreundliche Kommune sei.
Die Vorsitzende Brigitte Neumann und ihr Stellvertreter Hans Joachim Heckmann verdeutlichten, wie vielfältig die Aufgaben des Beirates sind. Altersarmut, Pflege und die Frage, wie ältere Menschen möglichst lange aktiv und selbstbestimmt leben können, gehören zu den zentralen Themen. Dabei gehe es nicht allein darum, auf Probleme hinzuweisen. Vielmehr wolle der Beirat konkrete Hilfen schaffen, Begegnungen ermöglichen und Barrieren abbauen.
Kostenlose Angebote gegen Einsamkeit
Dass die Angebote des Seniorenbeirates gefragt sind, zeigt das „Kino für Ältere“. Die Vorstellungen sind regelmäßig ausgebucht. Auch die Zusammenarbeit mit der Volkshochschule eröffnet Senioren neue Möglichkeiten, ihre Stadt und die Region kennenzulernen und Wissen zu vertiefen. Dazu gehören unter anderem Besuche im Museum Monrepos, im Roentgenmuseum und in der Stadtgalerie.
Ein entscheidender Punkt ist, dass die Veranstaltungen kostenfrei angeboten werden. Schließlich soll die Teilnahme nicht vom Geldbeutel abhängen. Bürgermeister Peter Jung verwies darauf, dass rund 900 Menschen in Neuwied auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen seien. Für zusätzliche Freizeitaktivitäten bleibt vielen von ihnen kein finanzieller Spielraum.
Großen Anklang fand in diesem Jahr auch die kostenlose Ü‑60-Party im Bootshaus. Eine Neuauflage ist bereits für das kommende Jahr geplant. Weiterhin arbeitet der Seniorenbeirat mit dem Mehrgenerationenhaus zusammen, um den Austausch zwischen Jung und Alt zu fördern.
Begegnungen zwischen den Generationen stärken
Wie generationenübergreifende Zusammenarbeit gelingen kann, zeigt ein Schulprojekt mit der Marienschule und dem Seniorenheimzentrum für Betreuung und Pflege Schloss Neuwied. Solche Begegnungen schaffen Möglichkeiten, voneinander zu lernen, Vorurteile abzubauen und gegenseitiges Verständnis zu fördern.
Doch nicht nur Freizeit und Gemeinschaft stehen auf der Agenda. Auch die Herausforderungen des Alltags beschäftigen den Seniorenbeirat. Dazu zählen insbesondere die Mobilität und die Nahversorgung in den Stadtteilen. Nach Angaben des Gremiums fehlt in fünf Neuwieder Stadtteilen eine ausreichende Nahversorgung. Ein unzureichendes Angebot im öffentlichen Personennahverkehr erschwert es älteren Menschen zusätzlich, Einkäufe zu erledigen oder am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Der Bürgerbus kann nur bedingt Abhilfe schaffen.
Eine mögliche Erleichterung bietet der Online-Lieferdienst Picnic, über den Lebensmittel im Internet bestellt werden können. Für weniger mobile Menschen kann das eine praktische Hilfe sein. Voraussetzung ist allerdings, dass sie mit digitalen Anwendungen umgehen können.
Digitale Unterstützung für ältere Menschen
Um hier Unterstützung zu bieten, hat der Seniorenbeirat eine eigene Arbeitsgruppe eingerichtet. Geplant sind unter anderem Informationsnachmittage in Seniorenheimen. Zudem steht eine IT-Sprechstunde zur Verfügung, in der Fragen rund um Computer, Internet und digitale Anwendungen geklärt werden können.
Auch eine stärkere Zusammenarbeit mit dem Jugendbeirat ist im Gespräch. Junge Menschen könnten älteren Mitbürgern den Umgang mit digitalen Medien erleichtern und ihr Wissen weitergeben. Gleichzeitig würde der Austausch das Miteinander der Generationen stärken.
Die Unterstützungsangebote sollen weiterhin kostenlos bleiben. Finanziert werden die Aktivitäten des Seniorenbeirates durch die Stadt Neuwied und Sponsoren.
Informationen müssen die Menschen erreichen
Eine weitere Herausforderung besteht darin, die Angebote überhaupt bekannt zu machen. Denn auch gute Projekte können nur dann wirken, wenn die Menschen davon erfahren, für die sie gedacht sind. Deshalb möchte der Seniorenbeirat den Informationsfluss zu den entsprechenden Bevölkerungsgruppen verbessern.
Kritik gab es an der Arbeit des Landesseniorenbeirates. Brigitte Neumann bemängelte eine aus ihrer Sicht unzureichende Interessenvertretung auf Landesebene in Mainz. Schreiben mit Vorschlägen, Wünschen oder Anmerkungen blieben häufig unbeantwortet. Für die Zukunft wünsche sie sich eine bessere Kommunikation und mehr Unterstützung und Lobbyarbeit für die Anliegen älterer Menschen.
„Nette Toilette“ soll den Stadtbesuch erleichtern
Ein besonderes Anliegen für das kommende Jahr ist das Projekt „Nette Toilette“. Nach Angaben des Seniorenbeirates gibt es im Neuwieder Stadtgebiet lediglich zwei öffentliche Toiletten. Das schränkt insbesondere ältere Menschen, Familien und Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen bei längeren Aufenthalten in der Innenstadt ein.
Die Idee sieht vor, Gaststätten, Geschäfte und andere Einrichtungen dafür zu gewinnen, ihre Toiletten auch für Bürger kostenfrei zugänglich zu machen. Damit könnten mehr Möglichkeiten entstehen, unterwegs eine Toilette aufzusuchen. Das würde vielen Menschen den Stadtbesuch erleichtern und ihnen mehr Sicherheit bei ihren Erledigungen geben.
Pflege und Altersarmut bleiben wichtige Themen
Auch künftig will sich der Seniorenbeirat intensiv mit Pflege und Altersarmut beschäftigen. Beide Themen stellen ältere Menschen, ihre Angehörigen und die Gesellschaft vor große Herausforderungen. Ziel bleibt es, auf Missstände aufmerksam zu machen, Unterstützungsmöglichkeiten aufzuzeigen und die Lebensbedingungen älterer Menschen in Neuwied nachhaltig zu verbessern.
Der Seniorenbeirat versteht sich dabei als Interessenvertretung und Ansprechpartner für die ältere Generation. Seine Arbeit zeigt, dass Seniorenfreundlichkeit weit über einzelne Freizeitangebote hinausgeht. Es geht um Teilhabe, eine verlässliche Versorgung, Mobilität und die Möglichkeit, auch im Alter selbstbestimmt am Leben in der Stadtgesellschaft teilzunehmen.
Mit seinen Projekten hat der Beirat bereits wichtige Akzente gesetzt. Die Halbzeitbilanz macht zugleich deutlich, dass weitere Aufgaben vor ihm liegen – und eine seniorenfreundliche Stadt auf Angebote angewiesen ist, die den Alltag der Menschen tatsächlich erleichtern. woti
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