Pressemitteilung vom 13.10.2026 
Brohler Hafen vor neuen Chancen: Historische Anlage soll Zukunft bekommen
Historische Hafenanlagen am unteren Mittelrhein erzählen von Handel, Industrie und dem Leben am Rhein. Wie diese Orte bewahrt und zugleich neu genutzt werden können, diskutierte der Regionalverband Unteres Mittelrheintal in Neuwied. Besonders der Brohler Hafen bietet Ansatzpunkte für eine Entwicklung.
Neuwied. Wie lassen sich historische Hafenanlagen erhalten und für neue Nutzungen öffnen? Mit dieser Frage beschäftigte sich am 10. Oktober 2026 der Regionalverband Unteres Mittelrheintal von Stadtbild Deutschland bei einer Veranstaltung im Bootshaus in Neuwied. Von 18 bis 20 Uhr beleuchteten drei Referenten die Geschichte, die architektonische Entwicklung und mögliche Zukunftsperspektiven der Hafenlandschaft am unteren Mittelrhein.
Häfen am Rhein im Wandel der Zeit
Den Auftakt gestaltete Thomas Napp, Leiter des Regionalverbandes Unteres Mittelrheintal. Er gab einen Überblick über die unterschiedlichen Hafentypen der Region und deren historische Funktionen. Bereits bis zum 19. Jahrhundert gab es zahlreiche Verladeplätze, an denen Schiffe am Ufer ankerten und mit Erzen, Schotter sowie anderen Gütern beladen wurden. Auch Stückgüter aus der Eifel und dem Westerwald gelangten über den Rhein an ihre Bestimmungsorte.
Mit dem technischen Wandel im 19. Jahrhundert veränderten sich Erscheinungsbild und Funktion der Häfen grundlegend. Dampfschiffe und eiserne Schiffe verdrängten zunehmend die traditionellen Segelschiffe. Gleichzeitig verlor die jahrhundertealte Treideltechnik an Bedeutung. Unter preußischer Verwaltung entstanden neue Hafenformen, darunter Schutz- und Industriehäfen wie in Oberwinter und Brohl.
Der Brohler Hafen als historischer Wirtschaftsstandort
Anschließend stellte der Historiker Achim Schmitz aus Brohl-Lützing vom Aalschockerverein Katharina die Geschichte des Brohler Hafens vor. Er war gemeinsam mit dem Vorsitzenden Helmut Rosenbaum und einer Vereinsdelegation angereist. Seine Ausführungen verdeutlichten, wie eng die Entwicklung des Hafens mit der Geschichte des Ortes verbunden ist.
Schon die Römer nutzten die günstige Lage der Brohler Bucht. Tuffstein und weitere Waren aus der Eifel wurden über den Rhein transportiert. Über Jahrhunderte dienten die natürlichen Gegebenheiten der Bucht als Anker- und Umschlagplatz.
Im 19. Jahrhundert begann eine umfassende Modernisierung. Verbesserungen der Rheinschifffahrt und die Begradigung des Flusses schufen Voraussetzungen für einen planmäßig ausgebauten Hafen. Die Entwicklung zog sich über viele Jahre hin, machte Brohl jedoch zu einem bedeutenden Wirtschafts- und Arbeitsstandort.
Der Hafen prägte das Wachstum des Ortes nachhaltig. Für das Be- und Entladen der Schiffe wurden zahlreiche Arbeitskräfte benötigt. Gaststätten und andere Betriebe profitierten ebenfalls vom Hafenbetrieb. In den Wintermonaten diente der Hafen außerdem als Schutzhafen, wenn Eis die Schifffahrt auf dem Rhein beeinträchtigte.
Auch die Verbindung zwischen Hafen und Eisenbahn spielte eine wichtige Rolle. Die seit 1901 verkehrende Brohltalbahn verfügte über einen eigenen Anschluss an das Hafengelände. Spuren dieser historischen Infrastruktur sind bis heute vorhanden.
Ein weiteres Beispiel für die industrielle Bedeutung des Hafens ist der Brohler Mineralbrunnen. Das Unternehmen verfügte beziehungsweise verfügt über eine eigene Verladestation, an der Getränkekisten direkt auf Schiffe verladen wurden. Damit wurde deutlich, welche Rolle der Hafen früher für die regionale Industrie und den Warenverkehr spielte.
Professor Haass stellt Zukunftsideen vor
Mit möglichen Perspektiven für die Zukunft beschäftigte sich anschließend Professor Haass. Er stellte Überlegungen vor, wie sich der Brohler Hafen zu einem lebendigen und zugleich regional verwurzelten Quartier entwickeln könnte.
Dabei sprach er sich gegen historisierende Neubauten aus. Stattdessen sollten regionale Bauformen und Materialien zeitgemäß weiterentwickelt werden. Als architektonische Orientierung nannte er unter anderem das trierische Landhaus. Schiefer, Hochkantfenster, glatte Putzflächen und eine zurückhaltende, an der regionalen Baukultur orientierte Formensprache könnten nach seinen Vorstellungen eine passende Architektur ermöglichen. Große, austauschbare Glasbauten seien für einen solchen Ort hingegen wenig geeignet.
Stellenanzeigen | WesterwaldJobs
⇒ Mehr Westerwald Jobs entdecken | ⇒ Stellenanzeige schalten
Auch die Wasserfläche selbst könnte künftig stärker genutzt werden. Haass brachte kleinere Floating-Tiny-Häuser ins Gespräch, die touristisch oder dauerhaft bewohnt werden könnten. Ebenso seien gastronomische Angebote denkbar. Dadurch könnte der Hafen wieder stärker zu einem Ort werden, an dem Menschen nicht nur arbeiten, sondern sich aufhalten und den Rhein unmittelbar erleben.
Den Brohler Mineralbrunnen und dessen Geschichte regte Haass ebenfalls als Bestandteil einer möglichen Quartiersentwicklung an. So könnte ein Ensemble entstehen, das Wasser, Industrie, Wohnen, Tourismus und regionale Identität miteinander verbindet.
Bestehende Nutzungen sollen erhalten bleiben
Bei einer Weiterentwicklung müssten die bisherigen Nutzungen berücksichtigt werden. Sportvereine, der Yachtclub und die Außenstelle des Schifffahrtsamtes Koblenz sollten nach den Vorstellungen von Haass weiterhin Bestandteil des Hafengeländes bleiben. Ziel sei kein vollständiger Austausch der bisherigen Funktionen, sondern ein Miteinander verschiedener Nutzungen.
Kleinere Investoren und Fördermittel als Ansatzpunkte
Eine solche Entwicklung sei allerdings an finanzielle Voraussetzungen gebunden, machte Haass deutlich. Große klassische Investoren könnten angesichts der besonderen Rahmenbedingungen möglicherweise nur begrenzt Interesse zeigen. Deshalb könnten kleinere Investoren und kleinteilige Entwicklungsmodelle eine wichtige Rolle spielen.
Darüber hinaus könnte geprüft werden, ob sich durch die Einrichtung eines städtebaulichen Sanierungsgebietes öffentliche Fördermittel von Bund und Ländern erschließen lassen.
Die vorgestellten Ideen seien ausdrücklich nicht als unrealistische Visionen zu verstehen, sondern als konkrete Denkanstöße, die an den vorhandenen Strukturen und Besonderheiten Brohls anknüpfen.
Hafenarchitektur als Aufgabe für die gesamte Region
Im Anschluss an die drei Vorträge entwickelte sich ein reger Austausch mit den Teilnehmern. Dabei wurde deutlich, dass die Zukunft historischer Hafenanlagen nicht nur Brohl betrifft. Viele ehemalige Hafen- und Verladeplätze am unteren Mittelrhein sind heute nur noch eingeschränkt als solche erkennbar. Ihre historische Bedeutung ist in Teilen der Bevölkerung kaum noch präsent.
Der Regionalverband Unteres Mittelrheintal von Stadtbild Deutschland sieht deshalb in der Beschäftigung mit der Hafenarchitektur eine wichtige regionale Aufgabe. Historische Hafenanlagen seien nicht nur Zeugnisse der Vergangenheit, sondern könnten zugleich Ausgangspunkte für neue Entwicklungen sein.
Thomas Napp erklärte, der Brohler Hafen könne beispielhaft zeigen, wie sich historische Substanz, regionale Baukultur, Wirtschaft, Tourismus und moderne Nutzungen miteinander verbinden ließen. Eine solche Entwicklung habe nach Einschätzung des Regionalverbandes das Potenzial, über Brohl hinaus auf die gesamte Region auszustrahlen.
Zum Abschluss dankte Napp den Referenten für ihre fachkundigen Beiträge und den Teilnehmern für die engagierte Diskussion. Insbesondere die Gemeinde Brohl könne nun prüfen, ob die vorgestellten Ideen gemeinsam mit Professor Haass weiter vertieft werden könnten.
Der Regionalverband Unteres Mittelrheintal von Stadtbild Deutschland sieht in einer nachhaltigen Entwicklung der Brohler Hafenanlage die Chance, einen historisch bedeutenden Ort neu zu beleben und zugleich Impulse für den Umgang mit den zahlreichen weiteren historischen Hafenstandorten am unteren Mittelrhein zu geben.(PM/bearbeitet durch Red)
Mehr dazu:
Veranstaltungsrückblicke
Lokales: Neuwied & Umgebung
Feedback: Hinweise an die Redaktion


















