Historische Einblicke und spannende Enthüllungen im Heimatjahrbuch 2027
Von Helmi Tischler-Venter
Am 30. September präsentierte die Redaktion des Heimatjahrbuchs die neue Ausgabe im Hotel Weingut Emmel in Hammerstein. Das Titelbild zeigt den Blick auf Burgmannshof, Georgskirche sowie Reste der Ruine Hammerstein. Trotz drängender Weinlese öffnete Guido Emmel die Weinstube an seinem Ruhetag.
Hammerstein. Landrat Achim Hallerbach wies auf die politische Bedeutung der Reichsburg Hammerstein hin, die als Tresor der Reichsinsignien die begehrteste Burg des römischen Reiches Deutscher Nation war. Sie wurde im Herbst 1020 erfolgreich durch Kaiser Heinrich II. belagert. Am 26. Dezember gaben die Verteidiger ausgehungert die Burg auf. Die Burg Hammerstein verfiel danach. 1071 besaß Hammerstein eine Zollstelle und ab 1215 eine Münzstätte. Die am Fuß des Burgbergs gelegene königliche Kapelle, heute Pfarrkirche St. Georg, beherbergt das älteste romanische Doppelgeläut der Zeit um 1050.
Das Kalendarium umfasst zwölf ausgewählte Ansichten des Ortes, beginnend mit einem Kupferstich von J.J. Senfftel aus 1689, bis zu einem Stahlstich von Mayer nach Klimsch aus dem Jahr 1867, allesamt aus der privaten Sammlung des Ehepaars Charlotte Fichtl-Hilgers und Hans Fichtl.
Ein ZDF-Dokumentarfilm über den „Mythos Burg, Bollwerk der Macht“ zeigte, dass Hammerstein im Herbst 1020 Statussymbol der Führungselite war, bevor die Burg drei Monate lang von Kaiser Heinrich II. belagert und letztlich erobert wurde.
Der Landrat dankte den Autorinnen und Autoren für viele aufschlussreiche, spannende Schriftsätze. Er betonte, das Buch dürfe in keinem Haushalt fehlen, damit die Heimatgeschichte nicht aus den Augen verloren wird. Trotz gestiegener Druckkosten kann man das hochwertige gebundene Buch mit 416 bunt bebilderten Seiten für nur 10 Euro kaufen.
Redaktionsleiter und Denkmalschützer Dr. Reinhard Lahr fertigte für das Büro des Ortsbürgermeisters Jörg Jungbluth eine Collage mit historischen Ansichten. Dr. Lahr gab einen schnellen Abriss der einzelnen Beiträge. Sie umspannen eine riesige Epoche von Funden aus der frühesten Eisenzeit bis zur Segendorfer „Ski-Pacht“.
Besonders erfreut war der Redaktionsausschuss von dem Beitrag des jüngsten Autors Mio Neunkirchen, der ein Jahrhunderte altes Rätsel um Metfried von Wied, den mittelalterlichen Stammvater des Hauses zu Wied und Erbauer der Burg Altwied, enthüllt. Neunkirchen füllt damit eine Lücke in der Forschung um Metfrieds Herkunft. Dieser stieg in einer schwierigen und instabilen Zeit auf, um 1090, als das Reich in kaiserliche und päpstliche Lager geteilt war. Eine seiner ältesten Erwähnungen findet sich in einer umstrittenen Stiftungsurkunde der Abtei Laach. Darin wird Metfried mit seinem Bruder Richwin erwähnt. Beide werden als Verwandte des Stifters Pfalzgraf Heinrich von Laach genannt. Zuletzt erwähnt wurde Metfried im Jahr 1129, erstmals mit dem Suffix „von Wied“. „Metfried war als rechtsrheinischer Graf, wohl mit dem ehemaligen Pfalzgrafen als Verwandten, wahrscheinlich einer der prominentesten Herren am Mittelrhein und einer der bedeutendsten pfalzgräflichen Lehensträger.“ Mittels einer weiteren Urkunde analysiert Neunkirchen, dass Metfried nicht nur Graf im Engersgau, sondern auch Vogt des Erzbischofs von Trier und Bannerträger des Pfalzgrafen von Lothringen war. Über Amtsvorgänger Metfrieds geht der Autor dessen engster Familie und weitreichenden Vorfahren in Thüringen, Franken und der Eifel nach.
Weitere spannende und unterhaltsame Beiträge aus dem Landkreis Neuwied lohnen den Kauf des Heimatjahrbuchs, das bereits in den Buchhandlungen vorliegt. htv
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