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Nachricht vom 12.09.2026    

Nicole nörgelt...über Nutznießer des Systems

Von Nicole

KOLUMNE | So schnell kann es gehen, Ruhm ist vergänglich. Es ist noch keine fünf Jahre her, da wurde für Ärzte, Pflege und Rettungskräfte von Balkonen geklatscht und sie wurden als Helden bezeichnet. Geändert hat sich an den Bedingungen natürlich nichts, denn es gibt ja nach wie vor genug Menschen, die trotz schlechter Bezahlung, ungünstiger Arbeitszeiten und schwerer körperlicher Arbeit, immer schön brav weitermachen.

(Symbolfoto)

KOLUMNE! Aber jetzt setzt die Behauptung Ärzte, Pflege und Rettungsdienst seien ja schließlich Nutznießer des Systems dem Ganzen echt mal die Krone auf. Also bringen wir das doch mal auf den Punkt. Leute, die zunächst einen guten Schulabschluss und eine anspruchsvolle Ausbildung gemacht haben und täglich trotz Müdigkeit, Überstunden und schwierigen Bedingungen (Nässe, Kälte, Hitze, Aggression und so weiter) die Verantwortung für Menschenleben übernehmen, "nutznießen" also in unserem maroden Gesundheitssystem? Ich denke, der Herzinfarkt – oder Schlaganfall-Patient, der ohne Hilfe dieser Leute gestorben wäre, sieht das vielleicht ein bisschen anders als die Politiker. Die Politiker übrigens, die privat versichert sind, bevorzugt behandelt werden und umgehend Facharzt-Termine erhalten.

Aus "Notarzt-Einsatz-Fahrzeug" wird nun "Nutznießer-Einsatz-Fahrzeug"
Sollte man also vielleicht den Begriff des NEF einfach in "Nutznießer-Einsatz-Fahrzeug" ändern? Schließlich sitzen ja dort auf dem Fahrzeug die bösen Nutznießer des Systems (also Notärzte und Notfallsanitäter), die garantiert nichts Besseres am Wochenende, feiertags und nachts zu tun haben, als zum Einsatzort zu fahren und dort Menschen das Leben zu retten. Das muss dann doch auch mal Belohnung genug sein, da ist es schon recht unverschämt, dafür auch noch Geld zu verlangen, dass man sich die Nächte um die Ohren schlägt. Da kann man schließlich mal ein bisschen dankbar sein, dass man Leben retten darf und im besten Fall weder angegriffen noch angepöbelt oder verletzt wird. Wer braucht denn da noch Gehalt für Miete, Lebensmittel und die ganzen Ausgaben, die ja leider jeden Monat fällig werden.

Eines wurde dabei vergessen, die Menschen, die im Gesundheitssystem jeden Tag ihre Arbeit leisten, als Nutznießer zu bezeichnen. Genau diese Menschen zahlen jeden Monat von ihrem sowieso nicht so reichhaltigen Gehalt Steuern, Renten-, Arbeitslosen-, Kranken- und Sozialversicherungsbeiträge. Gelder, die dann an die Leute gegeben werden, die nichts in dieses System einzahlen, weil sie nicht arbeiten, aber im Gegenzug alle Leistungen aus diesem System in Anspruch nehmen können. Aber die Menschen, die 356 Tage im Jahr rund um die Uhr ihren Dienst an den Menschen versehen, sind die Nutznießer des Systems. Interessante Sichtweise. Vielleicht sehe ich das ja falsch, aber da sind ja wohl ganz andere, die dieses System ausnutzen.



Aber, liebe Politiker, macht ruhig so weiter, denn dann wird die Gruppe der unverbesserlichen Gutmenschen, die trotz aller Hürden und mangelnder Wertschätzung immer noch Medizin studieren oder in der Ausbildung büffeln, irgendwann dann doch wohl aussterben. Denn selbst wenn die meisten Leute in medizinischen Berufen ihren Job mit Sicherheit nicht nur fürs Geld machen, (da wären sie schön blöd, denn in den meisten Nine-to-five-Bürojobs lässt sich mit weniger Arbeit mindestens das Gleiche verdienen), werden zunehmend mangelnde Wertschätzung und schlechte Arbeitsbedingungen dazu führen, dass sich immer weniger Menschen für einen solchen Job entscheiden werden. Doch dann wird es auch für unsere privat versicherten Politiker irgendwann keine adäquate medizinische Versorgung mehr geben. Vielleicht sind sie die Letzten in der Kette der Verlierer, aber es kommt bei allen an.

In diesem Sinne, liebe Leser, sehen wir einfach medizinisches Personal nicht als "Nutznießer des Systems" und behandeln sie wie lästige Schmeißfliegen, sondern versuchen, diesen Menschen den Respekt entgegenzubringen, den sie verdienen. Wir können ja mit gutem Beispiel vorangehen und den Politikern mal zeigen, wie Wertschätzung für Fachkräfte geht.

Ihre Nicole

Was ist eine satirische Kolumne?
Die satirische Kolumne ist ein regelmäßig erscheinender Meinungsbeitrag, der unter einem festen Namen und mit einer unverwechselbaren, persönlichen Handschrift wechselnde – meist aktuelle – Themen aufgreift. Sie gibt ausdrücklich die subjektive, oft satirisch zugespitzte Sicht der Autorin wieder und erhebt bewusst keinen Anspruch auf ausgewogene Berichterstattung. „Nicole" ist dabei eine fiktive Kunstfigur, durch die gesellschaftliche Themen pointiert kommentiert werden.


Mehr dazu:   Nicole nörgelt  
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