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Nachricht vom 10.09.2026    

Sturmflaute im Westerwald: Windpark-Projekt "Märkerwald Dierdorf" scheitert an Preisverfall

Von Wolfgang Tischler

Die Dynamik des Energiemarktes fordert ihr erstes prominentes Opfer im Westerwald: Weil die Preise für Windstrom im Zuge von bundesweiten Ausschreibungen drastisch eingebrochen sind, zieht ABO Energy beim geplanten Windpark Märkerwald-Dierdorf die Reißleine. Unter den aktuellen Bedingungen sei der Bau der bis zu acht modernen Windkraftanlagen wirtschaftlich nicht mehr darstellbar, teilte das Unternehmen mit.

Symbolfoto: Wolfgang Tischler

Dierdorf. Das geplante Großprojekt zur Energiewende im Landkreis Neuwied ist überraschend geplatzt. Wie das Wiesbadener Unternehmen ABO Energy auf seiner Internetseite bekannt gab, stellt der Projektentwickler die Entwicklung des Windparks Märkerwald-Dierdorf mit sofortiger Wirkung komplett ein. Der bereits laufende Genehmigungsantrag wurde offiziell zurückgezogen.

Ambitionierte Pläne für sauberen Strom
Ursprünglich sollte südwestlich von Dierdorf im Waldgebiet „Märkerwald“ ein moderner Windpark entstehen. Geplant war der Bau von bis zu acht Windkraftanlagen des Typs Nordex N175. Die Dimensionen der Anlagen waren beeindruckend:
• Nabenhöhe: 179 Meter
• Rotordurchmesser: 175 Meter
• Nennleistung: 6,8 Megawatt pro Anlage
Zusammen hätten die Giganten jährlich rund 102 Millionen Kilowattstunden sauberen Strom erzeugt – genug, um rein rechnerisch etwa 61.000 Personen in ihren Häusern und Wohnungen zu versorgen. Zudem hätte der Windpark den Ausstoß von knapp 77.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr vermieden.

Drastischer Preisverfall macht Projekt unrentabel
Der Grund für das plötzliche, aktuelle Aus liegt in der mangelnden Wirtschaftlichkeit unter den veränderten Marktbedingungen auf dem deutschen Windenergiemarkt. Als Hauptursache nennt ABO Energy die Ergebnisse der jüngsten Bundesnetzagentur-Ausschreibungen.



Bei der für die Vergütung entscheidenden Tarifausschreibung für Windkraft an Land im Mai 2026 war das Angebot an Projekten riesig: Einer ausgeschriebenen Leistung von rund 2,5 Gigawatt stand ein massives Gebotsvolumen von circa 6,4 Gigawatt gegenüber. Dieser enorme Konkurrenzdruck führte dazu, dass der durchschnittliche Zuschlagswert drastisch einbrach.
• Der aktuelle Wert sank im Mai 2026 auf nur noch 5,06 Cent pro Kilowattstunde.
• Das entspricht einem Minus von rund 0,5 Cent gegenüber der vorherigen Ausschreibung im Februar.
• Zum Vergleich: Im Mai 2025 lag der Vergütungswert noch bei deutlich lukrativeren 6,83 Cent pro Kilowattstunde.

Aufgrund dieses rasanten Preisverfalls ist eine Realisierung des Windparks im Märkerwald nach Angaben des Unternehmens wirtschaftlich schlichtweg nicht mehr darstellbar. Für die Region Dierdorf bedeutet diese Entwicklung, dass eines der größten lokalen Vorhaben zur Gewinnung erneuerbarer Energien vorerst endgültig vom Tisch ist. woti


Lokales: Dierdorf & Umgebung
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