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Nachricht vom 23.08.2026    

Buchtipp: Neues Wörterbuch erklärt die kuriose Sprache der Kommunalpolitik

Von Helmi Tischler-Venter

Dirk Eickhoff hat seit seinem Einstieg in die Kommunalpolitik im Jahr 2014 viele Hundert Stunden in Sitzungen verbracht. Die besondere Sprache der Politiker fasziniert ihn. Die Formulierungen entstehen oft aus Kompromissen, Rücksichtnahmen und Verwaltungstraditionen. Eickhoff übersetzt gängige Ausdrücke „für alle, die Kommunalpolitik endlich verstehen und darüber lachen wollen“.

Titel. Foto: Wolfgang Tischler

Herdorf. Kommunalpolitiker sind ehrenamtlich tätige, wichtige Bürger. Ihre Sprache ist häufig kompliziert und gelegentlich sogar komisch. Da zwischen dem Gesagten und dem Gemeinten manchmal ein kleiner Übersetzer hilfreich wäre, hat der Autor dieses Wörterbuch verfasst.

Von den 25 Sätzen, an denen man Kommunalpolitik erkennt, sind viele sehr geläufig. Schon fast verschlissen ist: „Wir sind auf einem guten Weg.“ Eickhoffs Übersetzung lautet: „Wir sind unterwegs. Wann wir ankommen, wird noch geprüft.“ Die beliebte Aussage: „Hier besteht noch Beratungsbedarf“ meint „Heute bitte nicht entscheiden.“ „Wir müssen die Zuständigkeiten klären“ impliziert: „Erst einmal herausfinden, wer offiziell schuld sein darf.“ Schließlich ist „Ich fasse mich kurz“ gleichbedeutend mit „Jetzt wird es lang.“

Kommunalpolitik ist die Stelle, an der Politik konkret wird. Es geht für die Bürger nachprüfbar um Straßen, Schulen, Feuerwehren, Vereine, Gebühren, Baugebiete, Haushalte und deren Anwendungen. Daher muss die Sprache rechtssicher sein, mehrheitsfähig klingen, Konflikte entschärfen, Zuständigkeiten beachten und am Ende oft noch in ein Protokoll passen.

Typische Sätze aus Sitzungen sind zum Beispiel: „Ich wollte nur noch kurz etwas ergänzen.“ Bedeutung: Es gibt überall dieses eine Ratsmitglied. Die Sitzung verlängert sich um mindestens 20 Minuten.“ Oder: „Ich halte mich da bewusst raus“ meint: „Ich habe eine Meinung, sage sie aber nicht öffentlich.“ Diese Vorsicht erlebt man als Pressemitglied ständig, denn es könnte eine Aussage am nächsten Tag in der Zeitung stehen.

Die mehr als 130 Kommunalpolitikerbegriffe im Wörterbuch reichen von „Abstimmungsbedarf“ über „Augenhöhe“ und „Bürokratieabbau“ bis zu „Digitalisierung“, „Resilienz“, „Strukturwandel“ und „Zusammenarbeit“. Alles wird verständlich übersetzt und schmunzelnd kommentiert.



Kommunalpolitik wird oft an großen Dingen gemessen, hängt jedoch oft an kleinen Dingen. An einem Protokollsatz, einer Frist oder einer Formulierung. Kleinigkeiten machen einen Vorgang kompliziert.

Als wichtigste Typen im Sitzungssaal nennt Eickhoff deren Funktionen: Dauerredner, Haushaltsrealist, Zuständigkeitsprüfer, Protokollwächter, Grundsätzlich-ja-aber-Mensch, Bürgerdialog-Optimist, Sitzungspragmatiker, Änderungsantrag-Spontanist, Tabellenflüsterer, Pressemitteilungsvordenker, stiller Schwergewichtsredner, Neuer mit Notizblock, Altmeister, Kaffee-Diplomat und Mikrofon-Mahner. Ein eigenes Kapitel widmet der Autor der Aufklärung „Was Politiker sagen – und was die Fraktion denkt“.

Für politisch interessierte Leser relevant ist Kapitel 11: „Kleine Gebrauchsanweisung für Bürgerinnen und Bürger“, das typische Sätze, die oft in öffentlichen Sitzungen fallen, verständlich einordnet und Tipps für die Einwohnerfragestunde gibt.

Am Ende erklärt Dirk Eickhoff, warum er trotzdem gerne Kommunalpolitik macht. Zur Förderung der allgemeinen Verständlichkeit sollte er das Buch jedem Kollegen in die Hand drücken. Wenn man sich der Floskel-Fallen bewusst ist, kann man sie entschärfen. Das würde direkt helfen.

Das 153-seitige Taschenbuch ist erschienen bei Books on Demand, ISBN 978-3-6963-6864-7. htv


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