Hohe Dunkelziffer in der Prostitution: SOLWODI fordert mehr Unterstützung
Die neuesten Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen, dass die Anzahl der offiziell registrierten Prostituierten in Deutschland stagniert. Dennoch bleibt das Dunkelfeld groß, wie die Frauenrechtsorganisation SOLWODI betont. Sie fordert eine bessere Finanzierung spezialisierter Beratungsstellen.
Koblenz. Am 21. August 2026 veröffentlichte das Statistische Bundesamt Zahlen zur Registrierung von Prostituierten nach dem Prostituiertenschutzgesetz. Zum Stichtag 31. Dezember 2025 waren etwa 32.500 Personen gemeldet, ein Wert auf Vorjahresniveau. Laut SOLWODI, einer Frauenrechtsorganisation, verdeutlichen diese Zahlen vor allem eines: Das Dunkelfeld in der Prostitution bleibt erheblich. "Die aktuellen Zahlen zeigen nur einen kleinen Ausschnitt der Realität. SOLWODI geht von einer Schätzung von rund 250.000 Menschen aus, die in Deutschland in der Prostitution tätig sind", erklärt Dr. Maria Decker, Vorsitzende von SOLWODI. Die offizielle Statistik erfasst lediglich angemeldete Prostituierte, während nicht angemeldete Personen unberücksichtigt bleiben. Gründe für fehlende Anmeldungen sind vielfältig und umfassen Unkenntnis über die Meldepflicht sowie fehlende Aufenthaltstitel bei Nicht-EU‑Bürgerinnen. Viele sehen zudem keinen Nutzen in der oft kostenpflichtigen Anmeldung.
Die Arbeit von SOLWODI bietet Einblicke jenseits statistischer Daten: Im Jahr 2025 hatten ihre Fachberatungsstellen Kontakt zu rund 1.000 Frauen in der Prostitution - kaum eine war offiziell registriert. Die Sozialarbeiterinnen beraten in rechtlichen, sozialen und gesundheitlichen Fragen und unterstützen beim Ausstieg aus der Prostitution. Ein besonderer Fokus liegt auf Frauen mit Migrations- oder Fluchthintergrund, die aufgrund sprachlicher und sozialer Barrieren schwer Zugang zu regulären Hilfsangeboten finden. "Unsere Arbeit zeigt uns täglich, dass hinter den Statistiken konkrete Menschen und sehr unterschiedliche Lebensrealitäten stehen", sagte Dr. Decker.
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Bemerkenswert ist auch die Zusammensetzung der registrierten Personen: Von den 32.474 Ende 2025 gültig angemeldeten Prostituierten besaßen 26.759 keine deutsche Staatsangehörigkeit, was etwa 82 Prozent entspricht. Die größten Gruppen stellten rumänische, bulgarische und spanische Staatsangehörige dar. "Die hohe Zahl von Personen ohne deutsche Staatsangehörigkeit zeigt, wie wichtig niedrigschwellige und mehrsprachige Beratungsangebote sind", erklärt Dr. Decker weiter. Sprachbarrieren, fehlende Kenntnisse des deutschen Hilfesystems und finanzielle Abhängigkeiten können den Zugang zu Unterstützung erschweren. Deshalb ist es wichtig, dass Beratung dort beginnt, wo Frauen tätig sind.
SOLWODI setzt auf aufsuchende Arbeit im Prostitutionsbereich. Sozialarbeiterinnen besuchen Frauen direkt in ihrem Umfeld, um Vertrauen aufzubauen und über Rechte sowie Hilfsangebote zu informieren. "Wer Frauen in der Prostitution erreichen und ihnen Unterstützung anbieten will, muss auch dort präsent sein, wo sie tätig sind", sagt Dr. Decker.
SOLWODI fordert daher eine verlässliche Finanzierung der spezialisierten Fachberatungsstellen, insbesondere für die aufsuchende Arbeit. "Allein wir erreichen mit unserer Arbeit jedes Jahr rund 1.000 Frauen in der Prostitution. Diese Arbeit darf nicht von unsicheren Projektfinanzierungen abhängen", betont Dr. Decker. Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes liefern wichtige Informationen, bieten jedoch kein vollständiges Bild. Für einen wirksamen Schutz von Frauen braucht es sowohl bessere Daten als auch eine verlässlich finanzierte Beratung. Red
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